Computer treten bei Apple in die zweite Reihe

8. Juni 2010, 17:41
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Software wird zum Schlüssel für den mobilen Erfolg - Aussichten auf schnell verdientes Geld ziehen die Entwickler an.

2010 ist ein Jahr der Transformation für Apple. Eine Zahl, die Apple-Chef Steve Jobs bei seiner "Stevenote" - Applespeak für seine Keynotes - am Montag bei seiner jährlichen Entwicklerkonferenz nannte, ist ein eindrucksvoller Beleg für diese Verwandlung: Vergangene Woche wurde das hundertmillionste Mobilgerät verkauft, und darin sind reine Musikgeräte nicht enthalten.

iPad, iPhone und iPod

Mit dem Verkaufsbeginn des iPads, Apples Mediengeräts, ist die Kategorie der mobilen Geräte - iPad, iPhone und iPod Touch - endgültig gewichtiger geworden als das Geschäft mit Apples Mac-Computern. Die gemeinsame Klammer für diese Mobilgeräte ist die Software, die sie betreibt: iOS, das bis zur Vorstellung der vierten Auflage des Apple-Handys iPhone OS genannte Betriebssystem, hat bei der Entwicklung Priorität gegenüber dem Mac-Betriebssystem Mac OS X gewonnen.

Dementsprechend ist Software für diese mobilen Geräte - Apps (von Application, Anwendung) - zum wichtigsten Erfolgsfaktor im Wettbewerb mit der Konkurrenz geworden. Der Boom dieses jungen Markts und seine Aussichten auf schnell verdientes Geld zieht Entwickler magisch an: Innerhalb von acht Tagen war die WWDC-Konferenz mit 5200 Teilnehmern aus 57 Ländern ausgebucht.

Fünf Milliarden App-Downloads

"Letzte Woche haben wir die Grenze von fünf Milliarden App-Downloads überschritten" , erklärte Jobs. Eine Milliarde Dollar (838 Mio. Euro) haben Entwickler an diesen Downloads bisher verdient - 70 Prozent des Verkaufspreises geht an die Anbieter, während Apple 30 Prozent behält, was rund 430 Millionen Dollar entspricht.

Mit 225.000 Apps ist Apples Angebot das umfangreichste auf dem Markt, auch wenn Googles Android Marketplace stark zunimmt und bereits 50.000 Apps anbietet.

Jobs verteidigte Apples Praxis, wonach sich alle Apps einer Zulassung unterziehen müssen - was immer wieder auf Kritik stößt. So wurde die Karikaturen-App NewsToon des Pulitzerpreisträgers Mark Fiore wegen kritischer Inhalte ursprünglich abgelehnt, die Entscheidung aber nach öffentlicher Kritik revidiert . Deutsche Verleger sahen in der Entscheidung, dass die Bild-Zeitung nur mit weniger Busen Aufnahme in den App Store fand, die Pressefreiheit bedroht. Und die deutschen Rundfunkreferenten sollen laut Spiegel online prüfen, ob mithilfe des Rundfunkrechts Apple dazu gezwungen werden kann, bestimmte Apps auch gegen seinen Willen anzubieten.

Das "komplett unkontrollierte und völlig offene" Internet

Apple würde zwei Plattformen auf seinen Mobilgeräten bieten, erklärte Jobs, das "komplett unkontrollierte und völlig offene" Internet über den Webbrowser, "wo jeder HTML-5-Apps schreiben kann" , sowie "den kuratierten App Store" . 15.000 neue Apps würden jede Woche eingereicht, und 95 Prozent davon innerhalb von sieben Tagen freigegeben. Die drei Hauptgründe, warum die anderen abgelehnt werden, seien: "wenn sie nicht so funktionieren, wie sie beworben werden, wenn sie nichterlaubten Programmcode verwenden und wenn sie crashen" .

iAd

Ab 1. Juli eröffnet Apple seine vor kurzem vorgestellte mobile Werbeplattform iAd: Damit ist es möglich, Werbung direkt in Apps einzubauen. Apple akquiriert die Werbetreibenden, App-Entwickler müssen den entsprechenden Platz dafür vorsehen, wenn sie daran partizipieren wollen. Apple will damit den Entwicklern eine zusätzliche Einnahmequelle erschließen, damit sie weiterhin billige oder gratis angebotene Software schreiben können, sagte Jobs. 60 Prozent der Werbeerträge gehen an den jeweiligen Anbieter.

Aber mit dem iPad kommen zunehmend auch teurere Apps auf den Markt als für das iPhone. Apple selbst sieht darin offenbar eine neue Einnahmequelle für eigene Software. Für das iPad verkauft es seine iWork-Software, die mit 30 Dollar Gesamtpreis rund 40 Prozent der "ausgewachsenen" Mac-Version kostet. Für das neue iPhone 4 bringt es seine Videosoftware iMovie als App um fünf Dollar in den Store, erklärte Jobs.

Aufgeschlossen

In den USA hat Apple mit dem iPhone dicht an Smartphone-Marktführer RIM, Hersteller von Blackberry-Handys, aufgeschlossen. Während RIMs Marktanteil im ersten Quartal 2010 auf 35 Prozent schrumpfte, stieg Apples Anteil auf 28 Prozent, erhob Marktforscher Nielsen. Den früheren Erzrivalen Microsoft, dessen Windows Phones noch 19Prozent hält, hat Apple bereits hinter sich gelassen. Handys mit dem Betriebssystem Android von Google, das von Herstellern wie Motorola, Sony Ericsson, Samsung, forciert wird, kommen auf neun Prozent. (Helmut Spudichaus San Francisco)

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