Das private Sonnenkraftwerk kennt keine Krise

8. Juni 2010, 17:06
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Positive Überraschungen birgt eine neue Studie zur Entwicklung alternativer Energien im Bereich der Fotovoltaikanlagen

Bei Erklärungsnotstand wird nach wie vor die Wirtschaftskrise als zuverlässiges Argument dafür herangezogen, warum sich ein Sektor schlecht entwickelt hat oder eben "überraschend gut" . Das stimmt auch auf den ersten Blick für die am 7. Juni präsentierte und vom Infrastrukturministerium in Auftrag gegebene, sehr detaillierte Studie zur Entwicklung innovativer Energietechnologien.

So klingt einerseits das Argument, nachhaltige, also ökologisch vernünftige Technologien konnten sich 2009 deshalb nicht durchsetzen, weil das Geld für "Spinnereien" zu knapp war, nachvollziehbar. Andererseits ist auch die Beweisführung stringent, dass Investitionen in alternative Energie gerade deshalb getätigt wurden, weil sie von spekulativen Rohstoffpreisen unabhängiger machen.

Peter Biermayr von der Energy Economics Group an der TU Wien kann die teils widersprüchlichen Entwicklungen als Koordinator für die Studie jedenfalls interpretieren: Nachhaltig zu wirtschaften im Energiesektor, so wie es sich das Ministerium imSinne eines Strukturwandels in Richtung Ökoeffizienz durch Forschung, Entwicklung und Verbreitungsmaßnahmen wünscht, war auch im Jahr 2009 - auf hohem Niveau stagnierend - möglich. Mit statistisch signifikanten Ausreißern: Pelletskesseln wurden im Vergleich zu 2008 um 24 Prozent weniger attraktiv - vor allem in Privathaushalten.

Verantwortlich dafür waren aber laut Biermayr nicht ein Anstieg der Kosten für Pellets - so wie zuletzt im Jahr 2007 -, sondern zwei andere Faktoren. Generell weniger Neubauten bedingten auch weniger alternative Heizkessel, und dann gab es da noch eine "böse Verlockung" : Die 3000 Euro, mit denen die Anschaffung von herkömmlichen Ölheizkesseln 2009 von der österreichischen Mineralölwirtschaft gefördert wurden, ließen Alternativen preislich schlecht dastehen: Häuselbauer entschieden sich freilich zumeist fürs Öl, wenn de facto ein konventioneller Kessel plötzlich nur mehr die Hälfte kostete.

Auffällige Abweichungen in die andere Richtung bei der Marktentwicklung von ökologischen Energietechnologien gab es ebenfalls: Die in Österreich neu installierten Fotovoltaikanlagen nahmen 2009 im Vergleich zu 2008 und bezogen auf deren Leistung um sagenhafte 331 Prozent zu. Zum besseren Verständnis: Gemeint sind damit nicht Solaranlagen am eigenen Hausdach für die Brauchwassererwärmung und die Raumwärme, sondern jene 4850 privat errichteten "Kleinkraftwerke" , deren Strom in das öffentliche Netz fließt.

Verantwortlich dafür sind laut Biermayr die - in nur einem Jahr - um 14 Prozent gefallenen Kosten für solche Anlagen, natürlich aber auch die großzügigen, wiewohl gedeckelten Förderungen durch die Länder und jene durch den Klima- und Energiefonds "Klien" . Zahlreiche Privathaushalte wurden dadurch effektiv zum alternativen Energieversorger. Dennoch zieht Biermayr einen weiteren Schluss: Je größer solche Anlangen sind, desto reizvoller sind sie, insbesondere aus Sicht der Energieeffizienz. Allerdings werden derartige "Großprojekte" , etwa auch gewerbliche Demonstrationsanlagen, zurzeit noch nicht gefördert.

Aus Sicht des Forschungs- und Entwicklungsstandortes Österreich ergeben sich folgende Analogien: Die österreichische Fotovoltaikindustrie ist breit aufgestellt und kann derzeit sowohl auf einen stabilen Inlandsmarkt blicken als auch auf gute Exportergebnisse für ihre Produkte hoffen. Erfolgreich vermarktet könnten vor allem fotovoltaische Elemente für die Gebäudeintegration werden. Laufende Forschungsförderungsprogramme nehmen darauf bereits Bezug. Entwickelt sich dieser Markt konstant weiter, würde die Fotovoltaik bereits Ende 2010 - zugegebenermaßen niedrige - 0,1 Prozent am Gersamtstromaufkommen ausmachen. Prognostiziert wurde diese Quote dennoch ursprünglich erst für das Jahr 2020. (saum/DER STANDARD, Printausgabe, 09.06.2010)

 

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    2009 war das Jahr, als sich die Österreicher entschieden, mit Fotovoltaikanlagen private Energieversorger zu werden.

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