Schuld und Schicksal

8. Juni 2010, 16:07
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Der israelische Autor David Grossman liest in Salzburg aus seinen vielbeachteten Roman "Eine Frau flieht vor einer Nachricht"

Salzburg - David Grossman ist Schriftsteller, aber keiner, der im Elfenbeinturm lebt. Bekannt wurde der 1954 in Jerusalem geborene Grossman als Kinder- und Jugendbuchautor sowie Verfasser von Essays und Romanen, aber auch wegen seines unermüdlichen Einsatzes für Frieden im Nahen Osten. Mit seinen Kollegen Amos Oz und Abraham B. Jehoshua appellierte er im Sommer 2006 in einem offenen Brief an Regierungschef Ehud Olmert, den Libanonkrieg unverzüglich zu beenden. Knapp danach wurde Grossmans Armeedienst leistender Sohn Uri im Südlibanon getötet.

Schon vor dieser Hiobsbotschaft arbeitete der Autor am Roman Eine Frau flieht vor einer Nachricht (Hanser), den er morgen in Salzburg vorstellen wird: Ora hat in ihrem Leben zwei Männer geliebt, beide tragen ein schweres Binkerl.

Der eine hat selbst Schuld auf sich geladen, der andere wurde in ägyptischer Gefangenschaft gefoltert. Aber die Figuren begehren gegen ihr Schicksal auf, wollen sich nicht abfinden mit den Zumutungen des Lebens. Ora weder mit ihrer Ohnmacht angesichts des permanenten Ausnahmezustands in Israel, noch damit, dass Sohn Ofer sich freiwillig zum Militäreinsatz im Westjordanland meldet.

Ganz unabhängig davon, dass die Realität die Fiktion eingeholt hat, ist Grossman ein bewegender Antikriegsroman gelungen, in dem sich die großen Fragen des Lebens in kleinen Alltagserlebnissen spiegeln. Lesung und Gespräch mit dem Autor, die deutsche Fassung trägt Peter Arp vor, Moderation: Helmuth Müller. (Gerhard Dorfi, DER STANDARD/Printausgabe, 09.06.2010)

10. 6. Salzburg, Literaturhaus,0662/ 42 24 11, 20.00

  • Realität holt Fiktion ein:David Grosman ist ein bewegender 
Antikriegs-Roman gelungen.
    foto: sergio barrenechea

    Realität holt Fiktion ein:David Grosman ist ein bewegender Antikriegs-Roman gelungen.

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