Gen-Verschmutzung stellt chemische Verschmutzung bald in den Schatten

8. Juni 2010, 15:18
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Chemie verschwindet allmählich durch natürlichen Abbau in der Natur - Synthetische Gene dagegen bleiben erhalten

Wien - Die genetische Verschmutzung wird die chemische Verschmutzung bald in den Schatten stellen. Zu diesem Schluss kommt der Gentech-Experte Werner Müller von der Umweltorganisation Global2000 anlässlich einer Veranstaltung über die Folgen von Gentechnologie in der Landwirtschaft im Tech Gate Vienna. "Das große Problem bei der 'so genannten' Grünen Gentechnologie ist, dass sie nicht unter Kontrolle gehalten werden kann", meint Müller.

"Wissenschaftler wissen zwar, wie man fremde Gene in Pflanzen einbringen kann, nicht aber wie man diese wieder aus ihnen herausbringt." Das gilt auch schon bei Verunreinigungen von 0,1 Prozent. "Das bedeutet, dass die Saatgutkette damit auch zunehmend die Nahrungskette der Menschen kontaminiert. Die chemische Verschmutzung kann der Mensch selbst durch die Einstellung der Produktion der chemischen Gifte noch in den Griff bekommen."

Genetische Verschmutzung bleibt

Chemische Verschmutzung verschwindet durch den Abbau in der Umwelt innerhalb mehrerer Jahrzehnte. "Das ist bei einer genetischen Verschmutzung allerdings nicht der Fall", erklärt der Wissenschaftler. "Denn Pflanzen können sich im Gegensatz zu Chemikalien vermehren und somit die genetische Verschmutzung über mehrere Jahrhunderte konstant halten oder sogar verstärken."

Besorgt zeigt sich Müller über den offenbar laxen Umgang der Gentech-Industrie mit der genetischen Verschmutzung in ihrem Kerngeschäft, der Saatgutproduktion. Es häufen sich die Fälle der genetischen Verschmutzung konventionellen Saatguts, wie der jüngste Fall in Deutschland beweist. Obwohl in Deutschland der Anbau von gentechnisch verändertem Mais seit 2009 verboten ist, hat die Umweltorganisation Greenpeace auf einer Fläche von bis zu 3.000 Hektar Mais der Firma Pioneer Hi-Bred, der mit Gen-Mais verunreinigt ist, gefunden. Das Saatgut ist bis zu 0,1 Prozent mit dem herbizidresistenten Gen-Mais NK603 kontaminiert, der in ganz Europa nicht angebaut werden darf.

"Die Problematik verschärft sich laufend", so Müller. Vor allem in den USA gibt es massive Probleme mit resistenten Unkräutern und Insekten. Gentechnisch veränderte Pflanzen enthalten heute meist zwei bis drei Transgene - das sind vom Menschen eingeschleuste fremde Gene. Der in diesem Jahr erstmals in den USA angebaute SmartStax-Mais von Monsanto hat insgesamt acht solcher Transgene. Sechs synthetische Gene produzieren ein Insektengift, zwei synthetische Gene sind für Resistenz gegen Herbizide.

Synthetische Gensequenzen in Ziegen

"Je mehr synthetische Gensequenzen in Gentech-Pflanzen eingebaut werden, desto mehr steigt natürlich die Gefahr der genetischen Verschmutzung konventionellen Saatguts mit mehr als einem Transgen", erklärt der Wissenschaftler. "Wie sich Pflanzen mit acht synthetischen Genen auf die Gesundheit auswirken ist völlig ungeklärt. Bedenklich stimmt, dass die genetische Verschmutzung im tierischen und menschlichen Organismus seine Fortsetzung findet", erklärt Müller.

Erst vor einer Woche hat eine Fütterungs-Studie der Universität Neapel gezeigt, dass sich beim Einsatz von Gentech-Futtermitteln synthetische Gensequenzen in Ziegen und Ziegenkitzen nachweisen lassen. "Obwohl der Ziegennachwuchs nur mit der Milch des Muttertieres ernährt wurde, fanden sich künstliche Gene in Leber, Herz und Niere des Ziegenkitz", erklärt Müller. Das bestätige die bislang unterschätzte Gefahr der Gentechnologie. (red/pte)

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