Rothensteiner hält Banken­krise für ausgestanden

8. Juni 2010, 14:06
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2010 eigentlich ganz erfolgreich - Weniger Wertberichtigungen im Ergebnis - Euro-Schwäche keine Bedrohung

Wien - Der Chef der Raiffeisen Zentralbank (RZB), Walter Rothensteiner, hält die Bankenkrise für ausgestanden. "2010 läuft eigentlich ganz erfreulich - heuer macht man das Ergebnis aus weniger Wertberichtigungen - das wissen alle", sagte der Banker heute, Dienstag, im Klub der Wirtschaftspublizisten. "Wir sind über zwei Bilanzstichtage drüber, daher habe ich keine Sorge, dass da die Leichen im Keller plötzlich auftauchen", so Rothensteiner.

Die Ansicht bzw. die Befürchtungen, dass aus der kritischen Zeit 2008/09 noch nicht alles auf dem Tisch liege, teilt er nicht. "Für das eigene Haus schließe ich das aus - das wüssten wir", so Rothensteiner. Für die anderen Institute könne er sich das auch schwer vorstellen.

Das Bankenhilfspaket der Regierung, für das ein Rahmen von 100 Mrd. Euro festgelegt wurde, läuft heuer aus. Davon seien zwischen 6 und 7 Mrd. Euro für Eigenmittel sowie 35 Mrd. Euro für Haftungen gebraucht worden. "Die Summenrechnung für die Republik ist noch immer positiv", so der RZB-Chef. "Wir werden heuer noch 140 Mio. Euro an die Republik überweisen." Eine Verlängerung des Pakets sehe er momentan nicht, aber es tue niemandem weh, wenn es bestehenbliebe. Der Finanzminister könnte sich diesen Rahmen auch offenhalten. "Es kostet ja die Republik nichts." Die Unterstützungsmaßnahmen der Regierungen kommen nicht nur den Banken zugute, sondern helfen laut Rothensteiner der ganzen Wirtschaft.

Keine Euro-Krise

Die europäische Gemeinschaftswährung ist nach Meinung Rothensteiners nicht in der Krise: "Der Durchschnittskurs für den Euro seit der Einführung liegt bei 1,18 Dollar und wir liegen derzeit bei 1,19 Dollar - er liegt am Durchschnittswert." Die tatsächliche Auswirkung für die Konsumenten sei der Spritpreis, weil dieser in Dollar berechnet werde. Die RZB selbst werde für 2010 mehr Eigenkapital ausweisen, weil sie die Lokalwährungen aufwerte. Die Euro-Schwäche bedeute keine Bankenkrise. "Die Bankenkrise haben wir vor zwei Jahren gehabt."

Ab morgen, Mittwoch, treffen sich Top-Banker aus aller Welt in der Wiener Hofburg zu einem dreitägigen Frühjahrstreffen. Neben Erste-Bank-Chef Andreas Treichl ist auch Rothensteiner vom internationalen Bankenverband (Institute of International Finance, IIF) eingeladen. In der Konferenz sieht er eine Chance, die europäischen Eigenheiten des Bankensektors gegenüber dem amerikanischen vor internationalem Publikum darstellen zu können.

"Europa hat in der Kundenfinanzierung eine andere Basis als die USA", betonte Rothensteiner. In den USA werde massiv über die Kapitalmärkte finanziert, in Europa hingegen zu über 70 Prozent über Kredite. In Amerika mache der Kreditanteil nur gut ein Viertel (27 Prozent) aus. Außerdem spielten die nicht börsenotierten Banken in Europa eine wesentliche Rolle - in Österreich etwa die Sparkassen, Volksbanken und Raiffeisenkassen.

Es sei noch zu früh zu sagen, was bei Basel-III wirklich herauskomme. "Das Ganze auf europäisch hinzutrimmen, müsste bereits im Basel-Ausschuss passieren", so der RZB-Chef. Es sei klar, dass von den Banken höhere Eigenmittel notwendig sein werden. "Es wird nächstes Jahr eine Lösung herauskommen, mit der wir alle leben müssen."

Vorschläge, wieviel "die Banken oder ihre Kunden zahlen sollen", erwartet Rothensteiner im Herbst. "Momentan wird jeden Tag eine neue Bankenabgabe erfunden." Was alles unter diesen Begriff fällt, sei aber noch nicht ausreichend definiert. (APA)

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