Flucht alliierter Gefangener in "Gesprengte Ketten" verfilmt - Nur drei der 76 Gefangenen gelang letztlich die Flucht
London - Seinem Mut ist mit dem Filmklassiker "Gesprengte Ketten" (Original: "The Great Escape") ein Denkmal gesetzt
worden - jetzt ist der wahrscheinlich letzte Überlebende des berühmten
Fluchtversuchs aus dem deutschen Kriegsgefangenenlager Stalag Luft III
gestorben. Der Schotte Jack Harrison, früherer Pilot der britischen Royal Air Force, wurde
97 Jahre alt, wie seine Familie am Dienstag mitteilte.
Er war an dem
Massenausbruch aus einem deutschen Kriegsgefangenenlager in Niederschlesien, Stalag Luft III, beteiligt, dessen Verfilmung im Jahr 1963 zu einem
Kassenschlager wurde. Der Film "Gesprengte Ketten" von John Sturges wartete mit
zahlreichen Hollywood-Größen wie Steve McQueen, Charles Bronson, James Garner
und dem Briten Richard Attenborough auf.
Codenamen Harry,
Tom und Dick
Rund 200 Gefangene hatten am 24. März 1944 versucht, aus dem Stalag
auszubrechen. Vorher hatten sie drei Tunnel gegraben, die die Codenamen Harry,
Tom und Dick trugen. Harrison wartete damals darauf, an die Reihe zu kommen - er
war Nummer 98 auf der Liste - als die deutschen Wachmänner den Ausbruch
bemerkten. Daraufhin verbrannte er in Panik seinen gefälschten Ausweis und zog
seinen Häftlingskleidung wieder an. Insgesamt konnten damals 76 Gefangene
ausbrechen - aber nur drei schafften es, sich in Sicherheit zu bringen. 50 der
wieder eingefangenen Häftlinge wurden erschossen.
Harrison hatte in dem Lager als Gärtner arbeiten müssen. Seine Position hatte er
genutzt, um die Erde von der Tunnelgrabung in einer Tasche unter seiner Hose zu
verstecken und sie bei der Gartenarbeit dann auf den Gemüsefeldern zu verteilen.
Nach dem Krieg kehrte Harrison nach Schottland zurück und arbeitete wieder
als Lehrer. Seinen Lebensabend verbrachte er in einem Veteranenheim in Bishopton
bei Glasgow. Er starb am vergangenen Freitag, wie seine Kinder bekanntgaben.
"Für andere war er ein Kriegsheld, aber für uns war er viel mehr", heißt es in
einer Mitteilung der Familie. "Er war in erster Linie ein Familienvater und ein
Kirchenältester, ein Gelehrter, Reisender und ein Athlet. Er begann als über
70-Jähriger das Marathonlaufen, um Geld für wohltätige Zwecke zu sammeln". (red/APA)