Extratime!

8. Juni 2010, 13:40
posten

Während die vereinende Kraft des Fußballs gefeiert wird, sterben im Afrika südlich der Sahara jährlich noch immer 1,4 Millionen Menschen an HIV/Aids

„Ehrlich gesagt, das Wenige, das ich über Moral weiß, habe ich am Fußballfeld gelernt“ Französischer Philosoph und Gewinner des Literatur-Nobelpreises, Albert Camus

In nur vier Tagen beginnt mit einem Anpfiff und dem Tritt gegen einen Fußball ein Monat, in dem die Augen der ganzen Welt auf Südafrika gerichtet sein werden.

In den kommenden Wochen werden Milliarden von Menschen das Spektakel rund um die mit Spannung erwarteten FIFA Weltmeisterschaften 2010 verfolgen, die zum ersten Mal in ihrer 80 jährigen Geschichte in Afrika stattfinden.

Die mehr als 300 Millionen Fernsehzuschauer werden gespannt verfolgen, was auf den zehn Fußballfeldern in Südafrika vor sich geht und den Siegerteams zujubeln.

Ärzte ohne Grenzen / Médecins Sans Frontièrs (MSF) und andere Organisationen wollen der Welt jedoch das Gesamtbild zeigen und die Welt daran erinnern, dass die HIV/Aids Krise nicht vorbei ist. Während die vereinende Kraft des Fußballs gefeiert wird, sterben im Afrika südlich der Sahara jährlich noch immer 1,4 Millionen Menschen an HIV/Aids. Die Mehrheit dieser Todesfälle könnte durch einen verbesserten Zugang zu anti-retroviraler Therapie und durch das Recht auf Behandlung verhindert werden.

MSF Teams sind in mehreren Länder des südlichen Afrikas vor Ort und leisten Unterstützung, Behandlung und Vorsorge in zahlreichen Gemeinschaften, die von HIV/Aids und der tödlichen Ko-Infektion mit Tuberkulose betroffen sind.

In den folgenden sechs Wochen wird dieser Blog Menschen, die von HIV/Aids betroffen sind, MSF Ärzten und Ärztinnen, Pflegepersonal und Fußballfans die Möglichkeit geben, über diese andere Seite der afrikanischen Realität zu sprechen.

In den vergangenen zehn Jahren gab es bemerkenswerte Erfolge im Kampf gegen HIV/Aids. Durch den verbesserten Zugang zu Behandlung und Pflege konnte das Leben von Millionen von Betroffenen in armen Ländern gerettet werden.

Mehr als vier Millionen Menschen aus Entwicklungsländern haben nun Zugang zu den lebensrettenden anti-retroviralen Medikamenten – das ist eine unglaubliche medizinische Leistung. Doch diese Anstrengungen sind noch nicht genug: Weitere 9,5 Millionen Menschen, die dringend Behandlung benötigen, stehen noch immer auf der Warteliste.

Ein Rückgang bei der Finanzierung der Behandlung kommt für Millionen von HIV/Aids Betroffenen einem Todesurteil gleich.

Diese Menschen sind in ihrem Überleben in großem Maße abhängig von Geberländern und Institutionen wie dem US-amerikanischen PEPFAR-Programm zur Bekämpfung von HIV/Aids oder dem Globalen Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria. Erschreckenderweise macht sich unter den Geberländern der G8 ein deutlicher Trend weg von früheren Versprechungen bemerkbar, anti-retro-virale Therapien für Menschen mit HIV/Aids in den betroffenen Ländern längerfristig zu finanzieren

Heute ist das glückliche und normale Leben das Menschen mit Behandlung erwartet, für viele erneut gefährdet.

Zieht sich ein Geberland heute aus dem Kampf gegen HIV/Aids zurück, ist das, wie wenn der Schiedsrichter beim Finale der Weltmeisterschaft mittendrin pfeift und das Spiel zur Halbzeit beendet. In diesem Fall gäbe es einen Aufschrei, weltweit liefen die Menschen Sturm. Die traurige Tatsache ist, dass wenn reiche Länder und Geberinstitutionen den Finanzierungshahn für HIV langsam zudrehen – eine Aktion, die zum frühzeitigen und vermeidbaren Tod von Millionen Menschen, die dringend Behandlung benötigen, führt – diese Tat kaum Reaktionen hervorruft. Das ist nicht akzeptabel!

Wir appellieren an die Welt dagegen zu protestieren, dass Menschen ums Leben kommen, weil sie sich Medikamente nicht leisten können.

Sie können Stellung für den weltweiten Zugang zu Behandlung und Vorsorge für alle von HIV/Aids Betroffenen beziehen, indem Sie diesen Blog lesen und Ihre Meinung dazu beitragen. Indem Sie das machen, helfen Sie mit, den HIV positiven Menschen in Entwicklungsländern eine Chance zu geben. Die Welt muss in diesem entscheidenden Match nach einer Spielverlängerung, nach „Extra-Time“, verlangen. Nur wenn es Behandlung gibt, wenn Menschenleben gerettet und HIV/Aids besiegt werden, haben wir alle gewonnen!

Borrie La Grange Head of Communication MSF South Africa

  • Artikelbild
    foto: aerzte ohne grenzen
Share if you care.