Schmied über ÖVP-Schwenk erfreut

8. Juni 2010, 12:30
38 Postings

Die Bildungsministerin aber gegen Zugangsbeschränkungen an den Unis

Wien - Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) hat sich am Dienstag über den Schwenk in den Reihen der ÖVP in Sachen Gesamtschule erfreut gezeigt. Es werde aber keine Junktimierung mit eventuellen Zugangsbeschränkungen im Hochschulbereich geben, betonte Schmied am Dienstag vor dem Ministerrat.

Die Studieneingangsphase an den Hochschulen will Schmied dennoch überarbeiten. Die Zustände an diversen Universitäten wie beispielsweise der Wirtschaftsuniversität (WU) seien untragbar. "Das ist Darwinismus und hat mit Hochschulpolitik nichts zu tun", kritisierte Schmied. Es brauche daher dringend Reformen in diesem Bereich.

Auch Bundeskanzler Werner Faymann begrüßte das Abgehen von Teilen der ÖVP von ihrer ablehnenden Haltung in Sachen Gesamtschule. Höchstgrenzen für Schulversuche zur Neuen Mittelschule (NMS) lehnt Faymann umgekehrt ab: Je mehr Schulen sich dafür melden würden, desto besser. "Wir müssen öffentliche Akzeptanz schaffen", betonte der SPÖ-Chef nach dem Ministerrat. Es müsse zwar gespart werden, aber nicht bei der Qualität der Bildung.

Arbeitgeber wollen Zugangsbeschränkungen

Wirtschaftskammer (WKO) und Industriellenvereinigung (IV) pochen hingegen weiter auf Studiengebühren, Zugangsbeschränkungen und Kontingente. "Wir gehen nicht davon ab, dass es notwendig ist, Leistung, Begabungen und Eliten zufördern", erklärte Veit Sorger (IV). Eine Wiedereinführung der Studiengebühren müsse auch nicht nach dem alten Muster erfolgen und könne durch staatliche Leistungen wieder teilweise abgegolten werden. In Mangelberufen könne man als "Steuerungselement" die Gebühren aussetzen.

Beim Thema Gesamtschule sind sich Schmied und die Arbeitgeber aber einig: WKO und IV unterstützen den innerparteilich umstrittenen Vorstoß von ÖVP-Wissenschaftsministerin Beatrix Karl für eine Gesamtschule der Zehn- bis 14-Jährigen, erwarten im Gegenzug aber Verständnis für ihre Vorstellungen in der Hochschulpolitik (u.a. Studiengebühren, Orientierung auf "Exzellenz"). Bis Herbst gebe es ein knapp bemessenes Zeitfenster für eine "gesamtheitliche Bildungsreform", das unbedingt genutzt werden müsse, sagten Christoph Leitl (WKÖ) und Veit Sorger (IV) am Montagabend vor Journalisten. Man wolle eine "Diskussion ohne Denkverbote".

Umstände für Reform günstig

"Wir erleben eine Umbruchssituation, eine Veränderung von Parametern, wie wir es uns noch vor wenigen Monaten nicht hätten vorstellen können, Insoferne sind die Umstände für eine Reform günstiger geworden. Wir haben aber keine zehn Jahre Zeit", sagte Sorger bei einem der raren gemeinsamen öffentlichen Auftritte.

Leitl, auch Chef des ÖVP-Wirtschaftsbundes, verglich die Gesamtschule mit einem "Zug, der den Abfahrtsbahnhof schon längst verlassen hat, und die Frage ist nun, wie erreicht er sein Ziel". Man solle die laufenden Schulversuche rasch evaluieren und daraus Folgerungen ziehen. 

Differenzierende Förderung

Auch eine Gesamtschule müsse jedoch "differenzieren" und sowohl die Begabten als auch die Schwächeren unterstützen, meinte Sorgert. Nach Meinung der Bildungsexperten von WKÖ und IV kann der zusätzlich notwendige Aufwand für die "differenzierende Förderung" aus einer Reform des wenig effizienten Systems gewonnen werden. "Von zwei Euro, die in das System fließen, kommt nur ein Euro beim Schüler an, der Rest versickert im Umfeld".

Leitl plädierte u.a. für die Stärkung der Schulautonomie. Ein Schuldirektor solle wie ein "Teamchef" sein, der sich seine Lehrer selbst auswählen und sie ihrer Leistung entsprechend "bonifizieren" könne - ebenso wie er selbst entsprechend der Leistung seiner Schule bezahlt werden soll. (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Im Bereich der Studieneingangsphase erwartet Schmied Reformen

Share if you care.