AUA-Vorstand erwartet "Fusionitis" bei Airlines

8. Juni 2010, 10:21
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Peter Malanik nennt die deutsche Flugticket-Steuer einen "Etikettenschwindel" und ist skeptisch, was den "Skylink"-Zeitplan betrifft

Während andere Branchen - etwa die Finanzindustrie - nach den Fusionswellen vergangener Jahrzehnte mittlerweile mit gefährlichen Größen kämpfen ("too big to fail"), sieht die Luftfahrtbranche für sich starken Bedarf, die jetzige weltweite Zersplitterung zu beenden. Kaum eine andere Branche habe bei ihren Lieferanten derart oligopolistische Strukturen, meinte Peter Malanik, Vorstand der Lufthansa-Tochter Austrian Airlines, auf der Jahrestagung des Weltluftfahrtverbands IATA in Berlin. Es gebe zwei Hersteller großer Flugzeuge (Boeing, Airbus) und im Wesentlichen zwei, die kleineres Fluggerät herstellen.

Alle Airlines nutzten die Dienste vierer Computer-Reservierungssysteme. Dann folgten vier Triebwerkshersteller und maximal drei bis vier Anbieter von Bord-Entertainmentsystemen. "Dieser stark konsolidierten Lieferantenmacht stehen 1.061 Fluggesellschaften gegenüber", sagte Malanik. Auf der anderen Seite Endkunden (Passagiere) mit ebenfalls "extrem starker Position". Um mit Lieferanten und Kunden auf "Augenhöhe" zu kommen, seien eben Zusammenschlüsse nötig, argumentiert Malanik, nicht nur bei Sanierungsfällen.

Flugticket-Steuer ein "Etikettenschwindel"

Die von der deutschen Regierung geplante Flugticketabgabe, gegen die deutsche Fluggesellschaften - darunter die Lufthansa - derzeit Sturm laufen, hält Malanik für einen "Etikettenschwindel". In Österreich fürchtet der AUA-Vorstand derzeit keinen solchen Schritt."Ich gehe davon aus, dass Österreich so einen Aktionismus nicht nachmacht."
Die Regierung in Berlin plant, ab 2011 mit einer "ökologischen Luftverkehrsabgabe" pro Jahr eine Milliarde Euro ins Budget gespült zu bekommen.

Die Bekanntgabe der deutschen Regierungspläne als Teil eines riesigen Sparpakets hat ab Montagnachmittag die Stimmung bei den deutschen Gastgebern der diesjährigen IATA-Jahrestagung getrübt. Die versammelten Airlinemanager wurden auf dem falschen Fuß erwischt, der deutsche Verkehrsminister Peter Ramsauer als Gastredner war "verhindert". Von "Gift für Branche und Konjunktur" und einem "schwarzen Tag für den deutschen Luftfahrt-Standort" war beim Berliner Treffen die Rede. Angesichts milliardenschwerer Sozialkürzungen zur deutschen Budgetsanierung ging der Aufschrei der Lobbyisten in der breiteren Öffentlichkeit aber unter.

Dass die Flug-Abgabe mit dem "hehren Etikett" der Ökologie verbrämt sei, um den Staatshaushalt zu sanieren, ist für AUA-Vorstand Malanik empörend. "Eine glatte Lüge."

Skeptisch zu Skylink-Zeitplan

Dass der Terminalbau "Skylink" am Wiener Flughafen nach den zahlreichen Verzögerungen nun tatsächlich im ersten Halbjahr 2012 fertig ist, diesbezüglich ist Malanik nach wie vor "ein bisschen skeptisch". Skylink habe ursprünglich einmal "Terminal 2005" geheißen. Dann sollte der Bau bis zur Fußball-Europameisterschaft fertig sein. Eine rechtzeitige Inbetriebnahme wäre wirklich dringend nötig für die Passagiere, sagte der AUA-Manager. "Der Flughafen platzt aus allen Nähten." (APA)

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    Nicht nur die Lieferanten der Airlines, sondern auch die Passagiere befänden sich in einer "extrem starken Position", meint AUA-Vorstand Peter Malanik.

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