Kinder-Absetzbarkeit: Steuerausgleich dauert länger

8. Juni 2010, 08:33
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Mehr Aufwand für Steuerzahler durch Absetzung der Kinderbetreuung

Wien - Die neue Absetzbarkeit der Kinderbetreuungskosten wird den Jahresausgleich für einige Steuerzahler verzögern. Konkret betroffen werden jene Eltern sein, die Kosten für die Kinderbetreuung geltend machen und dann vom Finanzamt stichprobenartig überprüft werden. Das berichtet das Ö1-Morgenjournal.

Mit der sogenannten Arbeitnehmerveranlagung können sich Steuerzahler zu viel bezahlte Lohnsteuer vom Finanzamt zurückholen. Grundsätzlich geht dies recht schnell und unbürokratisch.

Einzelfälle werden genau geprüft

Für Eltern, die ihre Kinderbetreuungskosten absetzen wollen, kommt nun aber eine neue Hürde hinzu. Zunächst muss für die Geltendmachung dieser Kosten ein neues, zusätzliches Formular ausgefüllt werden. Hier können die Probleme beginnen, zum Beispeil wenn die Sozialversicherungsnummer des Kindes fehlt. Erst mit dieser kann der Fiskus prüfen, ob auch wirklich nur ein Elternteil - nicht etwa beide - die Betreuungskosten absetzen wollen und ob die Aufteilung zwischen den Eltern korrekt ist.

Die eigentliche Prüfhürde kommt aber auf jene Eltern zu, die vom Finanzamt stichprobenartig ausgewählt werden: Von diesen Eltern werden Nachweise angefordert, bestätigte Eduard Müller, Abteilungsleiter im Finanzministerium, gegenüber Ö1. Ein bestimmter Prozentsatz der beantragten Kinderbetreuungskosten werde "nach Risikokriterien" ausgewählt. Bei solchen Eltern werden die Stichhaltigkeit und Nachvollziehbarkeit der Aufwendungen überprüft.

Kosten für Kindergarten nachweisen

Konkret sieht das so aus: Die Steuerpflichtigen werden angeschrieben, dass sie die Kostenbestätigung vom Kindergarten nachreichen sollen. Werden private Betreuungspersonen angegeben, muss auch der Nachweis über deren Befähigung, der "Babysitterkurs", nachgewiesen werden.

Warum diese Nachweise nicht von Anfang an verlangt werden, um wochenlange Wartezeiten der Steuerzahler auf ihr Geld zu vermeiden? "Wir wollten das Verfahren, bei dem Arbeitnehmerveranlagungen ohne Beilage von Belegen erfolgen können, nicht ändern. Um hier zu kommunizieren, dass es zwei verschiedene Arten von Freibeträgen gibt, einmal Belege im Nachhinein oder gar nicht erforderlich und einmal Belege im Vorhinein - diese Vorgehensweise wollten wir den Bürgerinnen und Bürgern nicht zumuten", erläuterte Müller.

Gros der Steuerzahler nicht betroffen

Für das Jahr 2009 haben zwei Millionen Steuerpflichtige ihren Antrag auf Steuerausgleich gestellt, darunter wurden 45.000 Mal auch Kinderbetreuungskosten geltend gemacht.

Im Finanzministerium beruhigt man: Die Bearbeitungszeit werde sich nur im Einzelfall um einiges verlängern, alle anderen seien davon kaum betroffen. Seit einigen Jahren brauche man durchschnittlich weniger als drei Wochen für den Jahresausgleich. 2010 sei das bisher nicht anders gewesen. (red, derStandard.at, 8.6.2010)

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