Estland führt 2011 den Euro ein

7. Juni 2010, 22:57
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Finanzminister Ligi: "Besser in Eurozone als draußen" - Auch Beteiligung an Griechen-Hilfe vorstellbar

uxemburg - Estland kann mit Anfang nächsten Jahres den Euro einführen. Wie Jean-Claude Juncker, der Vorsitzende der Euro-Gruppe, am Montag nach Beratungen der Euro-Finanzminister sagte, einigten sich die Ressortchefs auf eine entsprechende Empfehlung. "Estland wird 17. Mitglied der Eurozone am 1. Jänner 2011", sagte Juncker. Der Beschluss muss nun noch formal von den EU-Finanzministern bestätigt werden.

Finanzminister Ligi: Besser in Eurozone als draußen

Der estnische Finanzminister Jürgen Ligi zeigte sich am Dienstag sehr zufrieden mit der Entscheidung der Euro-Länder. "Wir bekommen die Probleme der Eurozone so oder so, wenn wir draußen sind oder drinnen. Es ist also besser, drinnen zu sein und die Gegenleistung dafür auch zu haben", sagte Ligi am Dienstag in Luxemburg. Der Finanzminister betonte, sein Land sei eigentlich "seit 1992 in der Eurozone", da die estnische Krone seither an die deutsche Mark und später an den Euro gekoppelt sei. "Wir haben keine bessere Wahl als beizutreten, um die Glaubwürdigkeit zu bekommen, die eine größere Währung in jedem Fall trotz ihrer Probleme hat."

Die Inflation in Estland sei "nicht ernst. Es gibt keinen Spielraum für eine höhere Inflation", sagte Ligi. Estland sei auch bereit, sich an der Griechenland-Unterstützung der Euro-Länder zu beteiligen, "wenn das notwendig ist", sagte er. "Aber es ist keine Hilfe, es sollte zurückgezahlt werden."

Pröll: Estland in vielen Bereichen besser als Euro-Länder

Laut Österreichs Finanzminister Josef Pröll (ÖVP) erfüllt Estland alle Voraussetzungen, um den Euro einzuführen. "Estland hat in vielen Bereichen deutlich bessere Kennzahlen, als das jetzt schon Euro-Mitgliedsländer haben", sagte Pröll am Dienstag vor den Beratungen der EU-Finanzminister. Es gehe nicht um eine politische, sondern um eine technisch-faktische Entscheidung. "Das ist ein Prozess, der nicht aufzuhalten ist", so Pröll, der betonte, dass Estland beitreten könne, "wenn alle Voraussetzungen erfüllt sind".

Der Prozess sei seit langem eingeleitet. Die Empfehlung der Finanzminister werde jetzt den EU-Regierungschefs vorgelegt und müsse einer weiteren Beschlussfassung unterzogen werden. Es gehe nicht um den Zeitpunkt, sondern darum, dass Länder, die sich schon länger im Euro-Warteraum befinden, ihre "Hausaufgaben" erfüllt haben. Estland habe eine Verschuldensquote von 9 Prozent, während Österreich zwischen 60 und 70 Prozent liege.

600 Tonnen Münzen kommen aus Finnland

Die Zentralbank in Tallinn plant, nach dem Muster der bisherigen Euro-Länder ebenfalls Einführungspakete mit Euro-Münzen vor dem offiziellen Währungsübergang am 1. Jänner auszugeben. Notenbank-Sprecher Viljar Raask wollte am Montag aber noch keine Angaben darüber machen, wie viele Pakete ausgegeben werden sollen und wie viele Münzen der einzelnen Werte darin enthalten sein werden. Es sei lediglich die Grundsatzentscheidung getroffen, so Raask laut der Online-Ausgabe der Tallinner Tageszeitung "Postimees".

Sämtliche estnische Euro-Münzen werden auf der nationalen Prägeseite die Umrisse des Landes aufweisen. Dieses Motiv war bereits im Spätherbst 2004 in einer Telefonumfrage unter der Bevölkerung ermittelt worden. Ein Jahr später hatte die Münze Finnland (Rahapaja Moneta) den Auftrag zur Prägung der estnischen Euros an Land gezogen. Unter den Mitbewerbern war damals auch die Münze Österreich.

Insgesamt sollen vor der Einführung 600 Tonnen estnische Euro-Münzen mit dem Schiff aus Finnland geliefert werden. Das Papiergeld soll dagegen von der Deutschen Bundesbank und der Bank von Finnland geliefert werden und mit Luftfracht in das neue Euro-Land kommen. (APA/red)

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