Fußballbegeisterung, die "wahre Gefahr"

7. Juni 2010, 20:10
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Keine Sicherheitskonzepte für WM-Fanzonen - FIFA distanziert sich. Blatter hörte "Weckruf"

Johannesburg - Südafrikanische Sicherheitsexperten haben am Montag nach einer Massenpanik beim Testspiel in Johannesburg zwischen Nigeria und Nordkorea (3:1) vor der "wahren Gefahr" der Fußball-WM gewarnt. Diese sei weder Terrorismus noch die hohe Kriminalität im Land, sondern die ungezügelte Begeisterung der Fans. Rund 20 Personen waren vor den Toren des Makhulong Stadions in Johannesburg verletzt worden, ein Polizist schwer.

Der Weltverband FIFA wies in einer Stellungnahme fünf Tage vor WM-Beginn darauf hin, dass er für Freundschaftsspiele keine Verantwortung trägt. Auch die Polizei gibt die Zuständigkeit an die privaten Organisatoren weiter, die für die Sicherheitsdienste verantwortlich seien. Gleiches gelte für zahlreiche Fanzonen, die nicht im Hoheitsbereich der FIFA stehen. Dort lauere die "wahre Gefahr", warnte das nationale Zentrum für Konfliktlösungen.

"Die von den Kommunen beauftragten Sicherheitsfirmen sind von der Polizei nicht überprüft worden, ob sie dort eine sichere Umgebung gewährleisten können", schrieb Sicherheitsexperte Gwinyayi Dzinesa am Montag in der südafrikanischen Wirtschaftszeitung "Business Day". "Sicherheitsstörungen sind daher an diesen Plätzen wahrscheinlicher als in den Stadien. Dort kommen Menschenmassen zusammen, die kaum zu überwachen oder zu kontrollieren sind."

Das südafrikanische Parlament sei laut Dzinesa schockiert gewesen, als es davon gehört hatte, dass für die Fanmeilen keine konkreten, scharfen Sicherheitspläne existieren. Die Bilder vom Sonntag dürfen als Warnung verstanden werden. Zahlreiche nigerianische Fans hatten ohne gültige Tickets ins 10.000 Zuschauer fassende Stadion im Township Tembisa bei Johannesburg einzudringen versucht. Es blieben rote Blutspuren auf ihren dunkelgrünen Trikots.

Das Chaos erinnerte an eine Tragödie, die sich 2001 nur wenige Kilometer entfernt im Ellis Park abgespielt hatte, in dem im Gegensatz zum kleinen Makhulong Stadion auch WM-Spiele ausgetragen werden. Dort hatte eine Massenpanik 43 Todesopfer gefordert, nachdem tausende Fans ohne Eintrittskarten zu spät gekommen waren und gegen die Zäune gedrängt hatten. Die Verantwortung für das Unglück wollte damals wie heute niemand übernehmen. 

Blatter hörte "Weckruf"

FIFA-Präsident Joseph Blatter hat die Vorkommnisse rund um das WM-Testspiel zwischen Nigeria und Nordkorea mit 16 Verletzten als "Weckruf" für die WM-Organisatoren bezeichnet. Dies werde bei keinem Spiel der Weltmeisterschaft passieren, versprach der Präsident des Fußball-Weltverbandes am Montag in Johannesburg. FIFA-Generalsekretär Jerome Valcke sagte: "Wir müssen sicherstellen, dass die Polizei rund um die WM-Stadien besser arbeitet, als wir es gestern gesehen haben." (APA/dpa)

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