Keine Sicherheitskonzepte für WM-Fanzonen - FIFA distanziert sich. Blatter hörte "Weckruf"
Johannesburg - Südafrikanische Sicherheitsexperten haben
am Montag nach einer Massenpanik beim
Testspiel in Johannesburg
zwischen Nigeria und Nordkorea (3:1) vor der "wahren Gefahr" der
Fußball-WM gewarnt. Diese sei weder Terrorismus noch die hohe
Kriminalität im Land, sondern die ungezügelte Begeisterung der Fans.
Rund 20 Personen waren vor den Toren des Makhulong Stadions in
Johannesburg verletzt worden, ein Polizist schwer.
Der Weltverband FIFA wies in einer Stellungnahme fünf Tage vor
WM-Beginn darauf hin, dass er für Freundschaftsspiele keine
Verantwortung trägt. Auch die Polizei gibt die Zuständigkeit an die
privaten Organisatoren weiter, die für die Sicherheitsdienste
verantwortlich seien. Gleiches gelte für zahlreiche Fanzonen, die
nicht im Hoheitsbereich der FIFA stehen. Dort lauere die "wahre
Gefahr", warnte das nationale Zentrum für Konfliktlösungen.
"Die von den Kommunen beauftragten Sicherheitsfirmen sind von
der
Polizei nicht überprüft worden, ob sie dort eine sichere Umgebung
gewährleisten können", schrieb Sicherheitsexperte Gwinyayi Dzinesa am
Montag in der südafrikanischen Wirtschaftszeitung "Business Day".
"Sicherheitsstörungen sind daher an diesen Plätzen wahrscheinlicher
als in den Stadien. Dort kommen Menschenmassen zusammen, die kaum zu
überwachen oder zu kontrollieren sind."
Das südafrikanische Parlament sei laut Dzinesa schockiert
gewesen,
als es davon gehört hatte, dass für die Fanmeilen keine konkreten,
scharfen Sicherheitspläne existieren. Die Bilder vom Sonntag dürfen
als Warnung verstanden werden. Zahlreiche nigerianische Fans hatten
ohne gültige Tickets ins 10.000 Zuschauer fassende Stadion im
Township Tembisa bei Johannesburg einzudringen versucht. Es blieben
rote Blutspuren auf ihren dunkelgrünen Trikots.
Das Chaos erinnerte an eine Tragödie, die sich 2001 nur wenige
Kilometer entfernt im Ellis Park abgespielt hatte, in dem im
Gegensatz zum kleinen Makhulong Stadion auch WM-Spiele ausgetragen
werden. Dort hatte eine Massenpanik 43
Todesopfer gefordert, nachdem
tausende Fans ohne Eintrittskarten zu spät gekommen waren und gegen
die Zäune gedrängt hatten. Die Verantwortung für das Unglück wollte
damals wie heute niemand übernehmen.
Blatter hörte
"Weckruf"
FIFA-Präsident Joseph Blatter hat die Vorkommnisse rund um das
WM-Testspiel zwischen Nigeria und Nordkorea mit 16 Verletzten als
"Weckruf" für die WM-Organisatoren bezeichnet. Dies werde bei keinem
Spiel der Weltmeisterschaft passieren, versprach der Präsident des
Fußball-Weltverbandes am Montag in Johannesburg. FIFA-Generalsekretär
Jerome Valcke sagte: "Wir müssen sicherstellen, dass die Polizei rund
um die WM-Stadien besser arbeitet, als wir es gestern gesehen haben." (APA/dpa)