Helden von heute

7. Juni 2010, 19:29
23 Postings

Einmal mehr agiert der öffentlich-rechtliche Rundfunk Österreichs wie ein Privater

Ab 12. Juni starten die Castings zu Helden von morgen, der großen Herbstsause im ORF. Der hysterisch überhöhte Titel meint eine Show, die das nachlassende Publikumsinteresse an Nachwuchswettbewerben stoppen soll. Zumindest rechtlich sichert sich der ORF ab, wie unter heldenvonmorgen.orf.at nachzulesen ist. Dort ist jene Einverständniserklärung abrufbar, die von den Kandidaten unterzeichnet mitzubringen ist.

Abgesehen vom branchenüblichen Abtreten sämtlicher Mit- und Selbstbestimmungsmöglichkeiten was Verwertungs- rechte betrifft, gewährt sich der ORF auf die von ihm produzierten Aufzeichnungen schrankenlose Bearbeitungsrechte. Auch daran ist nichts anstößig.

Als eher unfein entpuppt sich hingegen ein in schlimmem Amtsdeutsch gehaltener Passus. Der oder die Unterzeichnende erklärt darin, "aus keinem Rechtsgrund Forderungen, insbesondere auf Zahlung wegen einer von mir wie vorstehend bewilligten Nutzung bzw. Veröffentlichung, aber auch keine Ansprüche ... oder Schadenersatz wegen einer von vorstehender Bewilligung nicht umfassten Nutzung zu erheben".

Liebe Nachwuchstalente, der ORF sagt damit: Ihr habt bis jetzt kein Wort verstanden? Wurscht, denn ihr dürft sowieso nicht klagen. "Ihr Helden von morgen" habt mit einem Schlag auf all eure Rechte verzichtet.

Bei diesem Regelwerk handelt es sich um einen handelsüblichen Vertrag, wie ihn viele Sender weltweit von ihren Protagonisten unterschreiben lassen. Schräg ist wieder nur die Optik: Einmal mehr agiert der öffentlich-rechtliche Rundfunk Österreichs wie ein Privater und stiehlt sich aus seiner moralischen Verantwortung - im Zeichen des Mammon. (Doris Priesching/DER STANDARD; Printausgabe, 8.6.2010)

  • Die "Helden" sollen im Herbst starten.
    foto: orf

    Die "Helden" sollen im Herbst starten.

Share if you care.