"Eine neue Kultur der Angst"

Verena Kainrath , 7. Juni 2010, 18:53
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    foto: standard/matthias cremer

    Es geht um die Kontrolle über Bauern und Patente, argwöhnt der Alternativ-Nobelpreis-Träger, Percy Schmeiser.

Percy Schmeiser kämpft gegen genmanipuliertes Saatgut. Ein Rebell war er nie, zur Galionsfigur ist er dennoch geworden

Der kanadische Farmer Percy Schmeiser kämpft gegen genmanipuliertes Saatgut. Ein Rebell war er nie, zur Galionsfigur ist er dennoch geworden. Branchenriese Monsanto beißt sich an ihm die Zähne aus. 

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Wien - Percy Schmeiser füllt Stadien und Festzelte. Zu Tausenden kommen Gegner der Gentechnik, um den kanadischen Farmer, der den Chemiekonzern Monsanto in die Knie gezwungen hat, sprechen zu hören. Mit missionarischen Eiferern hat der schmächtige 79-Jährige aber wenig gemein. Unaufgeregt und ruhig bringt er seine Argumente vor. An seiner Seite auch in Wien: seine gleichaltrige Frau Louise, mit der er seit zehn Jahren weltweit gegen gentechnisch verändertes Saatgut ins Felde zieht.

Er denke oft daran, wie schön es gewesen wäre, hätte einer Kanadas Bauern einst vorhersagen können, in welche Abhängigkeiten sie der Einsatz genmanipulierter Saat bringen werde. Künftig aber solle keiner mehr sagen dürfen, er habe es nicht gewusst, sagte Schmeiser vor Journalisten im Rahmen einer Vortragsreise nach Österreich.

Ein geborener Rebell war er nie. Als Landwirt in dritter Generation baute er fast 60 Jahre lang Raps an und zog fünf Kinder groß. Nebenbei war er Bürgermeister der kleinen Gemeinde Bruno mit 600 Einwohnern - und für die Liberalen Abgeordneter im Parlament von Saskatchewan. Dann trug es sich zu, dass seine Felder durch Wind und Pollenflug mit gentechnisch manipuliertem Saatgut kontaminiert wurden. Ihr Züchter, Branchenriese Monsanto, beanspruchte Teile der Ernte und klagte ihn auf Patentrechtsverletzung.

Doch Schmeiser setzte sich zur Wehr und gab auch der massiven Forderung nach Schweigepflicht nicht nach. Im Zuge des jahrelangen Rechtsstreits wurde er zur Galionsfigur der globalen Gentechnik-Kritiker. 2007 erhielten seine Frau und er den Alternativen Nobelpreis. Aus dem Vorsatz der geruhsamen Pension wurde nichts.

Seine Botschaft ist auch in Wien unmissverständlich: Die Gentechnik in der Landwirtschaft sei nie vorangetrieben worden, um Hunger zu bekämpfen. Sie diene lediglich dazu, um Kontrolle über Patente und Bauern zu gewinnen.

Es sei eine scheinheilige Debatte, beschied SP-Umweltstadträtin Ulli Sima, die Schmeiser ins Rathaus geladen hatte. Hunger basiere auf Verteilungsproblemen, die Gentechnik habe bisher nichts zur Verbesserung beigetragen. "Arme Landwirte wehren sich gegen sie", fügte Werner Müller von Global 2000 hinzu. Nahrungsmittel seien dadurch noch stärker mit Spritzmitteln belastet, keiner wisse, wie sich ausgebrachte Gene aus der Natur wieder entfernen ließen.

Friedliches Nebeneinander von Gentechnik mit Bio-Landbau gebe es nicht, ist Schmeiser überzeugt. Seinen in Monsanto-Äcker eingebetteten Feldern nutzten alle Abstände nichts. Mittlerweile ließe sich Raps in ganz Kanada nicht mehr biologisch anbauen. Genmanipulierte Saat verbleibe nicht bei einer Pflanze, sie lande in der gesamten Nahrungsmittelkette. Und keiner wolle für die Kontaminierung zahlen, sagt Schmeiser. Seine Großeltern seien von Europa einst der Freiheit wegen nach Kanada ausgewandert. Doch heute verbreiteten Konzerne unter Farmern eine neue Kultur der Angst. (Verena Kainrath, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 8.6.2010)

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12 Postings
Gladius2
41
Mache schreien halt immer Weltuntergang wenn es Fortschritt gibt!

Bei den ersten Eisenbahnen meinten Leute wie dieser Schmeiser, das man sterben würde wenn man auf geschwindikeiten schneller als ein Pferd beschleunigt.

monked
01
mit verlaub ...

warst halt nicht dort und hast dir's nicht angehört ...?

Regis 1
00
Mache schreien halt immer Weltuntergang wenn es Fortschritt gibt!

wie definieren sie fortschritt?
lesen sie mal : Salzstädte : von Abdelrachman Munif.

Mike 23
01
Gegner von genmanipuliertem Saatbau

oder gegner der Patentierung desselbigen.

Ingo Potrykus hat letztes Jahr in Wien sehr schön dargelegt, wie durch die sehr rigurosen Auflagen bei der Herstellung von genmanipuliertem Saatgut, große Firmen wie eben Monsanto bevorzugt werden.
Nur diese können sich die Herstellungsverfahren und die Zulassung derzeit leisten. Daher liegt der mögliche Fortschritt allein in den Händen von privaten Firmen.
Für lokale Universitäten oder kleinere Forschungsinstitute in der 3. Welt, die Saatgut mit interessanten Eigenschaften zur Verfügung stellen könnten, ist nicht die Herstellung sondern die Zulassung das Problem.

Die Gentechnik hat bisher nicht zur Verbesserung beigetragen, weil nur Firmen forschen können, die kein Interesse daran haben.
mfg

her wig
012
Bemerkenswert vor allem sein Vorgehen

Er hat die durch Monsanto-Gene verunreinigten Felder entsorgen lassen und Monsanto zur Zahlung der Rechnung und des Schadens verklagt. Man stelle sich vor alle Betroffenen würden den Spiess so umdrehen, Monsanto könnte sich das garnicht leisten.

yomellamo
04

ich waere generell dafuer, dass jedem bauern der GMO auf seinem feld findet (ohne, dass er es will) die gesamte ernte vom GMO hersteller zu marktpreis+10% aufgekauft werden und anschliessend vernichtet werden muesste.

cerberos69
 
00

Ich an sich auch, nur würde ich das noch ausweiten und gesetzlich so vorschreiben: Bei Kontamination einer Ernte durch GMO ist diese auf Kosten des Herstellers (i. e. im obigen Beispiel Monsanto) zu entsorgen.

Denn sonst besteht die Gefahr, dass als Verursacher der Nachbarbauer, der GMO gesät hat, namhaft gemacht wird - und die Hersteller ihrerseits den Inhaber des kontaminierten Feldes wie oben wegen "Patentverletzung" verklagen.

iohui
014
wahrlich ein held.


was monsanto macht ist verheerender als pest, aids und ölverseuchung zusammen. man sollte diese firma einfach behördlich schliessen und alles verbrennen was die jemals erzeugt haben.

Shanajio
04

So in diese Richtung sollte es gehen.

Zweimal denken, einmal sprechen
03

Wie wärs mit dem Hinweis, daß Percy Schmeiser am 8. Juni um 19:00 im Alten AKH ist?

Eintritt frei.

Anmeldung und Info unter: http://www.futurelogics.com/

Andreas Mittermayer
12
Tolle Persönlichkeit!

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