Referendum in Slowenien

Slowenischer Wegweiser

7. Juni 2010, 18:45

Serbien, Kosovo und Mazedonien werden hoffentlich die Zeichen der Zeit erkennen - von Adelheid Wölfl

In Slowenien haben am Sonntag wieder einmal jene Stimmen gewonnen, die sich für einen vernünftigen Pragmatismus einsetzten. 51,48 Prozent stimmten für das Grenzabkommen mit Kroatien und die Einsetzung eines Schiedsgerichts. Unter den 48,52 Prozent, die gegen das Abkommen stimmten, kursieren allerdings mittlerweile besorgniserregend viele Ressentiments gegen die Nachbarn. Geschürt wurden diese nicht nur von nationalistischen Politikern und Intellektuellen, sondern auch vom Oppositionschef, dem Konservativen Janez Janša, selbst.

Janša faselte im Vorfeld der Volksabstimmung von "historischem Unrecht", verglich das Abkommen mit der Kärntner Volksabstimmung im Jahr 1920 und warf der Mitte-links-Regierung unter Borut Pahor vor, Territorium an Kroatien abzutreten. Er missbrauchte damit nicht nur Emotionen, die in Ex-Jugoslawien besonders leicht abzurufen sind, sondern erwies sich auch als mieser Europäer.

Denn das Grenzabkommen ermöglicht nicht nur Kroatien, den Weg in die EU fortzusetzen, es ist ein Wegweiser für Serbien, den Kosovo und Mazedonien, die ihre Probleme mit den Nachbarn noch nicht gelöst haben. Diese Staaten werden hoffentlich die Zeichen der Zeit erkennen: Je besser sie mit den Nachbarn kooperieren, desto weniger können die Beitrittsbremser in der EU, die angesichts der Wirtschaftskrise und Erweiterungsmüdigkeit stärker geworden sind, ihre Integration in die EU aufhalten. (Adelheid Wölfl/DER STANDARD, Printausgabe, 8.6.2010)

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23 Postings
Der_Klingone
01
Also ich glaube ...

... man sollte hier schon etwas differenzieren.

Selbstverständlich ist es einfacher zu kooperieren, wenn es um die Frage eines kleinen Meerzuganges zwischen geht.

Das Problem mit dem Kosovo ist aber schon deutlich älter. Ausserdem weiß ich nicht wie kooperativ die Slowenen/Kroaten wären, wenn es sich um Sezession von 10% des Territoriums handeln würde inkl. vorhergehender Gewaltanwendung um dies zu erreichen.

Walter KURTZ
 
01

Serbien & Kosovo: interessant, denn die Lehre aus der Geschichte ist, daß Slowenien und Kroatien ihre Streitigkeiten durch ein internationales Gericht klären haben lassen.
Genau jenes Gericht das die Serben im Fall des Kosovo angerufen haben.

Augenausstecher
 
01
pardauz! ähnliche ressentiments werden im benachbarten kärnten nicht nur von der opposition sondern von der regierung seit jahrzehnten geschürt und sogar umgesetzt!

Tschusch5
00
leider...

...laesst so fragmentaere berichterstattung mehr fragen offen als sie beatwortet. vielleicht sollte man in der redaktion doch darueber nachdenken ob nicht angebracht waere aus laibach oefter zu berichten

Hitower3
05
Noch ein paar Jahre,

dann ist Kroatien Mitglied in EU, Eurozone und Schengen-Abkommen. Dann ist der ganze Grenz-Kleinkram endlich da wo er hingehört: in den Geschichtsbüchern!

Belacqua
00

Was für eine hanebüchener Blödsinn...

Harald Herrmann
00
Völliger Unsinn...

der nur aus - für JournalistInnen - beschämender Nichtbeschäftigung mit dem Thema herrühren kann: Slowenien will einen Zugang zum Meer, das, und nur das, war die treibende Kraft hinter dem Referendum. Dass der Kosovo kein Meer hat, müsste aber auch Standard-JournalistInnen auffallen...

hm82
 
11

Das stimmt leider nicht ganz. Ich z.B. habe die Diskussion verfolgt und es ging nicht nur um diesen Zugang zu den int. Gewässern. Es gibt auch weitere Streitigkeiten anderswo an der Grenze. Einige Intellektuelle haben sich sehr laut in diese Diskussion eingemischt (der Philosoph Tine Hribar z. B.) und dieses Abkommen als "Akt der Kollaboration mit dem Okkupanten" genannt).

Franz Rieser der Phaeton von 1987
01

Jedenfalls spielen Jansa und Orban damit der FPK und Abwehrkämpferbund samt Konsorten in die Hände, die das Thema dadurch wieder aufkochen können und die Ortstafeldiskussion ist für Jahre prolongiert! Danke/hvala!

Tadej Brezina
05

Hätte mir nicht gedacht, dass das so knapp ausgeht, weil ich eigentlich davon ausgegangen bin, dass meine Landsleute insoferne vernünftiger sind. Schiedsgericht ist gut, wesentlich besser als die 20 Jahre Unfähigkeit eine bilaterale Lösung zu finden.
Und wenn man das Gefasel vom Jansa zur Kärntner Abstimmung etc. gestern im Mittagsjournal gehört hat ... man könnte meinen, der spinnt vollkommen.

uinsel
01

ich glaub nicht, dass der spinnt. das ist schon kalkühl. spinnen tun die, die das ungschauter einfach glauben.

Tadej Brezina
00

Ja klar ist das Kalkül, aber dass so ein horrender Blödsinn im Jahr 2010 offensichtlich noch auf 48 % Resonanz stößt ist zum Haare aufstellen!

Adolf Ogi
00
apropos Jansa

ein gewisser Herr Alfred Jansa, nicht verwandt mit diesem Herrn Jansa oder vielleicht doch, war 1938 Generalstab des Bundesheeres und der einzige, der sich ernsthaft gegen Hitler gestellt hat und Österreich militärisch verteidigen wollte. Wenn er nicht abgesägt worden wäre, hätte das Bundesheer die Nazis schon am Inn niedergeschossen, denn zu diesem Zeitpunkt war die deutsche Armee noch nicht so stark.

uinsel
02

ja und was hat das heute genau mit der bucht von piran zu tun?

Adolf Ogi
00
10.6.2010, 16:15
Piran

man sieht einfach, dass die Abwicklung der k.u.k. Monarchie fast 100 Jahre danach immer noch nicht abgeschlossen ist und sich die Lebenswege oft auf interessante Weise kreuzen

Warentester
10

AW her best. Wenn ich von nichts Ahnung habe, baue ich mir ganz einfach weine Welt, wiedewidewie sie mir gefällt.

zagrebacki
00
Zugang zum Meer

Ich denke nicht, dass dieses Referendum irgendeinen Einfluss auf die Entwicklung Serbien/Kosovo haben wird. Es hat überhaupt keine Vorbildwirkung. Mir ist es völlig egal, wer "gewinnen" wird. Ich glaube aber, dass Slowenien nur verlieren kann... Hätte Slowenien nicht für dafür gestimmt, dann hätte Kroatien sicherlich bald einmal die Bucht aufgeben müssen.
Der Vergleich mit Kärnten ist eher fad und ich frage mich, ob Jansa und auch Orban, der in die gleiche Kerbe schlägt, nicht ein wenig in die Zukunft sehen sollten, als 1920/1921 zu beweinen... Das ist ewig her...

uinsel
00

wieso die bucht aufgeben?

Goran Markovic
00

Ich verstehe die ganze Problematik nicht, Kroatien verwehrt ja Slowenien nicht den Zugang zu internationalen Gewässern, oder etwa doch ?

mumuj
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Es geht nicht nur um die Schiffs durchfart

viel mehr um angebliche Öl- Reserven und Bohrungs- genehmigungen, sowie Fischereirechte.Eigentlich ein Wahnsinn- eine kaum noch egsistierende Unterwasserwelt. Durch Po-überdungung fast alles wurde umgebracht. Die ganze obere Adria soll unter UNESCO-schutz gestellt werden .Keiner darf das weiterhin verpesten.

Tadej Brezina
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Irgendwie betrachtest Du Deutsch aber auch als unter Schutz stehend, oder? SCNR :-)

?und
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unesco-schutz für kloaken geht nicht, noch nicht

Quasis Herr Karl
01
Ich habe es gestern schon gepostet...

Auch wenn das EU-Land Italien dem EU-Land nichts in den Wasserweg legt, und auch HR nicht, ein eigener, von politischen Entwicklungen unabhängiger Zugang zu Internationalen Gewässern ist wieder etwas anderes. Der "Korridor" wird ja wohl keinen der seine fünf Sinne beisammen hat ernsthaft beißen. Ich war etliche Male in Piran, kenne die Sache also von "vor Ort". Auch die Meinung der Menschen dort und der Umgebung, die sind wesentlich weniger dumm wie die nationalistischen Politiker auf beiden Seiten.

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