Ein Sparpaket als Zeitbombe

7. Juni 2010, 18:41

Die Budgetpolitik der Deutschen verschärft die Ungleichgewichte in der Eurozone

Es mag überraschend klingen, aber die größte Gefahr für die Stabilität des Euro geht nicht von Griechenland, Spanien und auch nicht vom Nichtmitglied Ungarn aus, sondern von den sparwütigen Deutschen.

Grundsätzlich sind die Bemühungen der Regierung Merkel, das ausufernde Budgetdefizit wieder in den Griff zu bekommen, lobenswert. Auch die Maßnahmen, mit denen in den nächsten vier Jahren 80 Milliarden Euro eingespart werden sollen, klingen vernünftig: gezielte Einschnitte bei den Sozialausgaben, keine Kürzung der Forschungsausgaben und Steuererhöhungen, die vor allem den klimaschädlichen Flugverkehr, die Banken und die Atomkraftindustrie betreffen. Insgesamt dürfte der Musterschüler Deutschland damit die fiskalen Exzesse der jüngsten Krisenbewältigung schneller als andere EU-Staaten überwinden.

Und genau das ist das Problem. Denn der strikte Sparkurs der schwarz-gelben Koalition wird auch dazu führen, dass die deutschen Bürger in den kommenden Jahren den Gürtel enger schnallen werden. Da die Industrie aber gleichzeitig mit aller Kraft ihr Exportvolumen halten will, werden sich die jährlichen Leistungsbilanzüberschüsse der viertgrößten Volkswirtschaft der Welt weiter vergrößern. Und diese sind Gift für die Eurozone und die Weltwirtschaft.

Ohne die deutschen Exportüberschüsse könnten die europäischen Defizitländer nicht Jahr für Jahr mehr konsumieren, als sie produzieren. Aber ohne deren Defizite gäbe es auch kein deutsches Exportwunder. Auch die hohe private und staatliche Verschuldung in anderen EU-Ländern wäre nicht möglich, wenn deutsche Bürger und Unternehmen nicht seit Jahrzehnten Ersparnisse anhäufen würden, die sie dann letztlich nur in den Defizitländern anlegen können.

Die deutsche Neigung zum Fleiß und zum Selbstverzicht schafft genau jene globalen Ungleichgewichte, die zuerst das internationale Finanzsystem und dann die europäische Gemeinschaftswährung ins Wanken gebracht haben. Diese Botschaft wird seit Jahren von führenden Ökonomen getrommelt und immer öfter auch von Deutschlands Handelspartnern, zuletzt etwa beim G-20-Planungstreffen in Südkorea. Doch die Deutschen - genauso wie Chinesen und Japaner, die auch einem merkantilistischen Denken verhaftet sind - wollen es nicht hören. Ihre Angst vor "griechischen Verhältnissen" führt dazu, dass sie genau diese Verhältnisse hervorrufen. Niemand kann sie zu einer Kehrtwende zwingen. Aber die Rechnung für die Krise zahlen die Deutschen selbst: Sie sehen den Wert ihrer Finanzanlagen schwinden und müssen am Ende für die Schulden anderer bürgen.

Wenn schon der deutsche Staat spart, sollten die Bürger mehr ausgeben. Aber auch das ist nicht in Sicht, denn die Deutschen werden von besonders vielen Zukunftsängsten geplagt, und die Exportindustrie zittert in jeder Lohnrunde um ihre Wettbewerbsfähigkeit.

Übrigens fährt auch Österreich seit einem Jahrzehnt mit hohen Leistungsbilanzüberschüssen einen ähnlichen Kurs, doch fällt das international weniger ins Gewicht.

Der neue Geist der Zusammenarbeit in Europa muss auch die Budget- und Wirtschaftspolitik der Überschussländer einschließen. Tut er es nicht, dann können Griechen und Spanier noch so viel sparen: Die nächste Krise kommt dann bestimmt. (Eric Frey/DER STANDARD, Printausgabe, 8.6.2010)

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StandardLeser2
00
Euro-Rettungsschirm verletzt Grundgesetz und bricht EU-Recht

Rettungsschirm für den Euro verletzt Grundgesetz und bricht EU-Recht
Der insgesamt 750 Milliarden schwere und in Eile aufspannte Rettungsschirm für den Euro ist den Resultaten eine Studie nach nicht konform mit dem deutschen Grundgesetz und EU-Recht. Außerdem sei die Öffentlichkeit getäuscht worden, meint das Freiburger Centrum für Europäische Politik (CEP).

Quelle: Handelsblatt
http://www.handelsblatt.com/politik/i... ht;2613011

StandardLeser2
00
Sparen tut man im Plus, Weniger Ausgeben im Minus

Deutschland spart eben nicht, sondern will nur weniger Ausgeben. Das gelingt ihnen wahrscheinlich nicht. Deutschland wird noch so ins Straucheln kommen, und wir munter hinter ihnen her.

ojemineee!!

Josef Obermaier
01
Die Deutschen, Griechen, Spanier, Portugiesen usw. SPAREN NICHT, sie alle machen nur etwas WENIGER NEUE SCHULDEN.


Das ist eine lebensrettende Maßnahme.

Und die Nichtleister werden sicn damit abfuínden müssen: wer sich mehr als eine Substandard-Existenz erwartet hat dafür, sofern in der Lage, auch SELBST etwas zu tun.

[sic!]ut.at
 
00
War das was?

Deutschland am Weg zur Endlösung der Schuldenfrage, der Sozialtsunami Westerwelle gibt den Takt an - wir hätten über unsere Verhältnisse gelebt - besonders die Hartz IV Empfänger -, seine Österreichischen Pedants, (Holz)Kopf und die Prölletten erklären, aus der sozialen Hängematte könne man kein Budget sanieren, und schicken die Militärpolizei in die Städte, und was passiert - KHG & Julius V lachen sich eins, und die nächsten Wahlen gehen gleich aus. Zeit zum umdenken, oder?

verleih nix
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jawohl herr frey, ein hoch auf den neoliberalismus!

ihre regelmäßig unverhohlen ausgedrückte begeisterung für die wirtschaftpolitik von schüssel und grasser habe ich auch noch gut in erinnerung.

Nicolas Castillo
00
diese pöhsen Deutschen ...

eignen sich immer wieder gut als Sündenbock.

Machen Sie zu viele Schulden, wackelt der Euro, wenn sie sparen, wackelt er auch.

Also Herr Frey, wie genau können Sie die Deutschen denn nun persönlich befriedigen?

Potz von Padnerham
00

Diese Zeitbombe wird die EU sprengen!

sauraumpfa
01
nana herr frey - die boesen deutschen wollen keine schulden machen

wie kommen die dazu??

was glauben sie eigendlich wer die ganzen schulden und investitionen von rund der haelfte aller eu-laender bezahlt hat??
soll vielleicht die ganze welt so wie die usa auf kosten anderer leben - wie bitte soll sich dass ausgehen ohne alle 10 jahre eine saftige entwertung zu haben?

da bin ich echt gespannt auf ihre erguesse.

der paulek
00
es geht nicht um schulden

in d-land sollten die löhne und gehälter endlich an die produktivitätsfortschritte angepasst werden. das würde schon reichen.

Schlapsi
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Ein Sparpaket als Zeitbombe,
kein Sparpaket als Flächenbombardment

Ich weiß es auch
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den Artikel darf man aber gerne auch anders interprtieren

nämlich - die EU zerschlagen - jedes Land ist für seine Überschüsse selbst verantwortlich und es gäbe nicht mehr die Qual der Wahl fremde Länder im Solidarpakt zu unterstützen - sondern nur mehr die Frage - wie viel vom Leistungsbilanzüberschuss lasse ich dem eigenen Volk zukommen - sodass der NAtionale Konsum und das soziale Netz nicht austrocknen.


und die ewigen Schuldenmacher und Ziel 1 Gebiete würden wieder selbst denken und selbst arbeiten ( müssen )

Erika Rothen
02
Ohne Ironie: meint Herr Frey das ehrlich

oder ist der Artikel als Satire gedacht?

Im zweiteren Fall: ist nicht witzig.
Im ersteren Fall: dass diejenigen Schuld an der Misere sein sollen, die sich entschließen, ab sofort nicht mehr mehr Geld auszugeben als sie einnehmen und somit nicht mehr über ihren Verhältnissen zu leben, das erschließt sich mir nicht.

Die geniale Theorie Freys soll also sein, dass alle Staaten der Eurozone gezwungen werden, massive Schulden- und "nach mir die Sintflut" - Politik zu betreiben, um eine florierende Wirtschaft zu garantieren?

Nein, das MUSS satirisch gemeint sein.

Potz von Padnerham
00

Nein, die Europhoriker wissen nicht mehr, wo vorne und hinten ist und reden halt nur noch Stiefel daher!

Hans Müller1
 
00
naja schauen Sie mal hier die Reaktionen an, das scheint

im Dunstkreis von Misik, Attac und Co akzeptierte Logik zu sein

klaus k
02
FREY ist FREI von geglicher Logik

Wüsste ich nicht wer sie sind, ich hätte sie unter Verdacht im Kabinett Geithner zu werkeln. Ich frage Sie Herr Frey, von welchem jahrelangen Selbstverzicht reden Sie eigentlich? Die öffentlichen Haushalte sprechen eine eindeutig andere Sprache und das Verhalten der Europäer auch, deren Kinderlosigkeit nicht unbedingt von Verzicht spricht. Und hier liegt das Problem, im Gegensatz zu Europa hat derzeit die USA eine Zukunft an die auch der Markt zu glauben scheint, wärend meine 3 Kinder eines Tages die vom Staat aufgebauten Schulden verdauen werden müssen ohne Aussicht auf Erfolg oder Mithilfe durch die heute auf "Verzicht"getrimmte Single-Generation, die sich selbstgeisselnd durchs Leben schreitet und auf Pension hofft. Wer wird das zahlen?

Michael Holzermayr2
00
Das Rezept, Herr Krisenfrey, das Rezept bitte!

Oder sind Sie nur Journalist (Nachbeter)?

ei padauz
22
was ist denn mit dem frey passiert?

zum ersten mal ein zumindest in seiner kernaussage vernünftiger kommentar...

LinksSchreiber
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Das denke ich auch. Sonst war es nur ein zynisches Geschwafel.

stefan81
06

die deutschen sind also schuld an der misere weil sie besser sind als andere länder. aha.

nicht dass man vielleicht die anderen auffordert endlich besser zu werden - nein man haut auf die deutschen ein weil sie gut sind. gehts noch?

der paulek
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was heisst besser?

heisst besser, dass der produktivitätsfortschritt nicht den arbeitnehmerInnen abgegolten wird?

Dance
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Am deutschen Wesen soll die Welt genesen - ob die nun will oder nicht.

Gilgamesch
01

amen! - nur wird es erst geschehen, wenn alles schon zusammengestürzt ist.
wen die götter strafen wollen, schlagen sie vorher mit blindheit ...

powerpack
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leider stimmt das - die deutschen werden durch diese politik ihre rolle als exportland nr1 weiter betonieren - ihre binnennachfrage wird weiter stagnieren, genauso wie das lohnniveau. man darf jedoch nicht übersehen, dass in der gesamten eu enorme ungleichgewichte herrschen, die wohl früher oder später das gesamte system zu wanken bringen werden. nord-süd, west-ost: in keiner anderen region der welt gibt es derart große wirtschaftliche unterschiede - schon gar nicht in der usa, die vom ansatz her durchaus mit der eu vergleichbar ist. und die eu macht fröhlich weiter dieses ungleichgewicht zu verstärken mit der aufnahme neuer, wirtschaftl. schwacher staaten in die eu und den euro. wo soll das noch hinführen?

Nicolas Castillo
00
schon mal in Idaho gewesen?

ànscheinend nicht ... sonst würden Sie so etwas nicht schreiben.

Potz von Padnerham
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Deutschland ist ein Krämer, der sich freut wenn andere anschreiben kommen!

"in keiner anderen region der welt gibt es derart große wirtschaftliche unterschiede "
Vollkommen richtig. Deshalb ist auch die EU und die Währungsunion ein Schmarrn. Langfristig müssen die Deutschen ihre Exporte mit gleichzeitig gewährten Krediten selbst zahlen.

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