Das bittere Ende einer grünen Vernunftehe

7. Juni 2010, 18:35
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Der grüne Vorsteher der Josefstadt will nicht mehr kandidieren, wenn seine grüne Stellvertreterin auf Platz zwei landet - Die Bezirkstruppe ist heillos zerstritten

Wien - Heribert Rahdjian will nicht lange drum herum reden. "Ich muss das jetzt klarstellen", sagt er, "weil die glauben mir das sonst ja nicht." Mit "die" meint der grüne Bezirksvorsteher seine eigene Truppe in der Josefstadt.

Morgen, Mittwoch, muss sich der 74-Jährige der parteiinternen Wahl für die Bezirksliste stellen. Rahdjian will im Achten wieder auf Platz eins kandidieren. Allerdings nur unter der Bedingung, dass seine bisherige, ebenfalls grüne Stellvertreterin, nicht auf Platz zwei gewählt wird. "Es geht um die Frage: Wollen sie mir Doris Müller aufzwingen oder soll jemand auf Platz zwei sein, der auch wirklich hinter mir steht?", sagt Rahdjian.

Rund 90 Mitglieder der Bezirksgruppe Josefstadt stimmen am Mittwoch streng basisdemokratisch über die einzelnen Kandidaten für den 10. Oktober ab. Einem Gutteil der Truppe, glaubt Rahdjian, sei der Ernst der Lage noch nicht bewusst. "Die glauben, wenn‘s dann wirklich drum geht, werde ich es eh auch mit der Frau Müller wieder machen." Das sei allerdings ein Irrtum. "Ich habe fünf Jahre schlechte Erfahrungen mit meiner Stellvertreterin hinter mir, das mach ich nicht noch einmal mit." 2005 luchste der Grüne, ehemals bei Erhard Buseks bunten Vögeln aktiv, den Schwarzen in der traditionell bürgerlichen Josefstadt den Vorsteher-Sessel ab. Als Rahdjians Stellvertreterin installierten die Grünen die Bezirksrätin Doris Müller, ehemals Bundessprecherin der Gras (Grüne und Alternative StudentInnen). Der bürgerliche Pensionist und die ehemalige ÖH-Aktivistin harmonierten allerdings von Beginn an nicht besonders.

Schwierige Rollenaufteilung

"Meine Stellvertreterin kommt einfach nicht aus der Oppositionsrolle heraus", sagt Rahdjian, "und hat mir oft genug gesagt, sie müsste eigentlich an meiner Stelle sein." Müller will von einem parteiinternen Streit hingegen nichts wissen. "Ich habe unsere gemeinsame Arbeit immer als sehr positiv empfunden", sagt sie, "und kann Rahdjian nur bitten, wieder zu kandidieren."

Sie habe auch schon ihren Wechsel an die Klubspitze angeboten, der Bezirksvorsteher sei darauf aber nicht eingegangen. Eine eigene Kandidatur auf Platz eins schließt Müller aus, Bezirksvorsteher-Stellvertreterin möchte sie aber gerne bleiben.

Was sie theoretisch auch könnte, sollten die Grünen die Josefstadt im Oktober wieder verlieren. Als zweitstärkste Partei wäre für die Stadtökos noch immer ein Stellvertreter-Posten drinnen. Außer im Achten sind die Wiener Grünen nur noch in Neubau an der Macht. Im Siebten sind sie allerdings wesentlich stärker als in der konservativen Josefstadt. In Neubau schafften sie 2005 mit 43 Prozent eine klare Mehrheit. Im Achten lagen VP, SP und Grüne hingegen mit rund 30 Prozent fast gleich auf. Der Josefstädter Bezirkschef befindet sich also in einer verzwickten Lage - und will‘s bei der Abstimmung drauf ankommen lassen. "Schon allein, um die grüne Mehrheit im Achten zu sichern", sagt er, "weil die schaffen wir mit der Frau Müller sicher nicht." Als neue Stellvertreter-Kandidatin stellt er die Klubvorsitzende Erika Furgler vor.

Landespartei hält sich heraus

Der ehemalige Hotelier möchte aus der Abstimmung aber nicht nur als unumstrittene Nummer eins hervorgehen, sondern sich auch gleich die Garantie abholen, dass er nach der Wahl bei der Bestellung der Stellvetreterin dann auch wirklich ein Wort mitzureden hat. Denn Listenplatz heißt nicht zwangsläufig Nominierungsplatz nach geschlagener Wahl. Überraschungen sind auch dann noch möglich.

Parteichefin Maria Vassilakou will sich auf den Machtkampf im Achten nicht einlassen. "Die Grünen erstellen ihre Listen in einem demokratischen Prozess", sagt sie, "wir können der Bezirkspartei nicht anschaffen, wen sie wählen soll." Für die Josefstädter sei unerheblich, wer auf Platz zwei kandidiere, "die wollen Rahdjian". Als Spitzenkandidat müsse er sich aber aus der gewählten Liste ein Team zusammenstellen. (Martina Stemmer, DER STANDARD, Printausgabe, 8.6.2010)

  • Ein Bild aus besseren Zeiten: 2005 feierten Maria Vassilakou, Heribert 
Rahdjian und Doris Müller noch gemeinsam (v. li.).
    foto: matthias cremer

    Ein Bild aus besseren Zeiten: 2005 feierten Maria Vassilakou, Heribert Rahdjian und Doris Müller noch gemeinsam (v. li.).

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