Grauslich

7. Juni 2010, 18:21
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"Rauchen ist grauslich", sagt der Gesundheitsminister - Jo eh. Danke für die Info.

"Rauchen ist grauslich", verkündet eine neue Nichtraucherkampagne des Gesundheitsministers.

Jo, eh. Sogar die österreichischen Raucher dürften da nicht ganz widersprechen. Der Gestank, die auf dem ganzen Tisch verstreute Asche, die Stummeln in den Aschenbechern, das stört vielleicht sogar manche Raucher, aber irgendwie fehlt der innere Antrieb, etwas dagegen zu tun. Die Tschik auf dem Boden eines beliebigen Wartehäuschens der Wiener Linien sind eine private Gestaltung des öffentlichen Raums. Die Brandflecken von abgelegten brennenden Zigaretten auf Klosettwasserkästen und Restaurantmobiliar werden demnächst vermutlich für Hochglanzzeitschriften fotografiert werden: "Volksdesignkunst im beginnenden 21.Jahrhundert".

Eine schlechte Angewohnheit, die 34 Prozent der Gesamtbevölkerung und 25 Prozent der 15-Jährigen haben, genießt im Lande der feigen Politik so etwas wie Artenschutz. Besuche im europäischen Ausland zeigen, dass die Schutzbestimmungen in öffentlichen Gebäuden und der Gastronomie großteils funktionieren. Nur unsere heimlichen Brüder im Sozialverhalten, die Griechen, pfeifen sich souverän nichts um die ohnehin dürftigen Rauchverbote. Unsere Politik macht halt wieder einmal eine "Aufklärungskampagne": Rauchen ist grauslich.

Danke für die Info, aber das haben wir eh gewusst. (Hans Rauscher, DER STANDARD, Printausgabe, 8.6.2010)

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