Haus Mirjam hat Priorität

7. Juni 2010, 18:10
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ExpertInnengremium bestätigt Frauenhaus Hallein

Salzburg - Noch im Dezember vergangenen Jahres hatte es so ausgesehen, als ob das Halleiner Frauenhaus Mirjam ab 2011 seine Tore schließen muss. Nach den Plänen von Landeshauptfrau Gabi Burgstaller (SP) sollten schutzsuchende Frauen im zentralen Frauenhaus in der Landeshauptstadt untergebracht werden. Burgstaller führte mangelnde Auslastung und zu hohe Kosten für die acht Plätze im Halleiner Haus als Argumente an.

Für den Tennengau war der Aufbau einer Modellregion mit ambulanten Hilfsprogrammen vorgesehen. Das vom Kolpingwerk geführte Haus Mirjam sollte ein Übergangswohnheim werden. Es wäre in Österreich die erste Schließung eines Frauenhauses in der mehr als dreißigjährigen Geschichte dieser Einrichtungen gewesen. Erst nach massiven Protesten, an denen sich auch sozialdemokratische FunktionärInnen beteiligt hatten, rückte Burgstaller von ihrer Linie etwas ab. Es wurde eine Arbeitsgruppe, besetzt mit Vertretern von Exekutive, Bezirkshauptmannschaft, der Stadt Salzburg und zahlreicher Sozialeinrichtungen, installiert, um den "regionalen Bedarf" von der Prävention bis zu konkreten Hilfsangeboten zu klären.

Die Empfehlung der ExpertInnenrunde liegt inzwischen vor. Diese ist ziemlich eindeutig ausgefallen: "Demnach hat bei der Gewaltprävention das Haus Mirjam in der Region Priorität", wird die Meinung der Fachleute von der Landeskorrespondenz in einem Satz zusammengefasst. Bis 5. Juli soll der weitere Planungsprozess abgeschlossen sein.

Kein Vertrag für Frauenhaus

Die Leiterin des Halleiner Frauenhauses, Doris Weißenberger, bleibt trotz der Unterstützung durch die ExpertInnenrunde skeptisch: "Für uns ist nichts fix" , meint Weißenberger im Standard-Gespräch. Einen Vertrag oder andere verbindliche Zusagen für kommendes Jahr habe man bis dato nicht. Sie befürchtet, dass das Frauenhaus zwar formal weiter bestehen bleiben kann, letztlich aber von Burgstaller finanziell ausgetrocknet werde.

Ihre Rechnung lautet: Für 2010 habe das Haus Mirjam 300.000 Euro erhalten - bereits um 15 Prozent weniger als noch 2009. Sollten nun - wie von Burgstaller forciert - zum Frauenhaus noch zusätzliche ambulante Hilfsangebote kommen und sollte die Gesamtsumme für den Gewaltschutz im Tennengau aber bei 300.000 Euro bleiben, würde dies automatisch zu weiteren Einschnitten beim Frauenhaus Hallein führen.

Ein Sprecher Burgstallers bestätigt die Befürchtungen Weißenbergers - wenn auch nur indirekt. Es könne durchaus sein, dass im Gesamtkonzept neue Angebote und zusätzliche Betreuungsformen hinzukommen. Und: Für das Projekt Schutz für Frauen mit Gewalterfahrungen im Tennengau würden exakt 300.000 Euro zur Verfügung stehen. (Thomas Neuhold, Der Standard/Printausgabe 8.6.2010)

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