Analyse

Türkei als neue muslimische Führungsnation

7. Juni 2010, 18:01

Die Verschlechterung der Beziehungen zu Israel ist der Preis für den Aufstieg Ankaras zur Regionalmacht

 Ankara nutzte den tödlichen Zwischenfall vor Gaza, um sich zu profilieren.

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"Staatsterror", "Israel ist dabei, seine Legitimität zu verlieren" oder auch "sie werden diesen Einsatz noch bereuen" - seit die israelische Marine am Montag letzter Woche das türkische Hilfsschiff Mavi Marmara kaperte und dabei neun Leute tötete, hält Ministerpräsident Tayyip Erdogan fast jeden Tag eine öffentliche Rede, in der sich sein Ton gegen den einstigen Alliierten immer weiter verschärft. Das ging bis zu indirekten Drohungen. Erdogan forderte kategorisch eine Bestrafung Israels. "Israel hat Blut an den Händen, die Türkei wird das nicht auf sich beruhen lassen." Im Ton des neuen Selbstbewusstseins fügte er hinzu: "Israel kann mit der Türkei nicht so umspringen wie mit anderen Ländern in der Region. Unsere Geduld hat Grenzen."

Gestern kündigte sein Außenminister Ahmet Davutoglu zu Beginn der internationalen Sicherheitskonferenz (siehe unten) an, Israel könne nicht eher wieder mit einer Normalisierung der Beziehungen rechnen, bis es nicht der Einsetzung einer internationalen Untersuchungskommission zugestimmt hat. Die türkische Regierung hat in der letzten Woche den tödlichen Zwischenfall auf hoher See konsequent genutzt, um sich international zu profilieren und sich im Bewusstsein der Menschen als muslimische Führungsnation zu positionieren.

Nicht nur aus Sicht der arabischen Länder, für die gesamte muslimische Welt ist die Türkei innerhalb weniger Jahre zu einem führenden Akteur geworden. Wenn Erdogan Israels Politik geißelt, jubeln nicht nur die arabischen Massen, auch in Malaysia und Indonesien wird geklatscht. Und selbst die konkurrierende Regionalmacht Iran macht ob ihrer isolierten Lage als Pariastaat dabei mit, den Aufstieg Ankaras auf der Weltbühne zu unterstützen. Nachdem Erdogan gemeinsam mit seinem brasilianischen Kollegen Lula da Silva den widerspenstigen iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadi-Nejad zu einem Vertrag über die Anreicherung von Uran im Ausland überredete, schrieben Kommentatoren in aller Welt von einer neuen Machtachse, die notfalls auch gegen den Willen Washingtons aktiv wird.

Das zeigt sich an der neuen Politik der Türkei gegenüber Israel nun besonders deutlich. Mag der Wutausbruch Erdogans auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos vor knapp zwei Jahren, als er bei einer Diskussion mit dem israelischen Präsidenten Shimon Peres kurzerhand das Podium verließ, noch echten Emotionen entsprochen haben, so ist die Dauerkritik an Israel seitdem kühl kalkuliert.

Darüberhinaus unterhält die Türkei als einziger Natostaat direkte Verbindungen zur Hamas, und auch wenn der Hilfskonvoi nach Gaza eine zivilgesellschaftliche Aktion war, genoss er doch die volle Sympathie der türkischen Regierung. Die Verschlechterung der Beziehungen zu Israel ist der Preis für den Aufstieg als Regionalmacht. Die Türkei hat seitdem alle Visa - und viele Handelsschranken mit Syrien, dem Irak und Russland - aufgehoben. Der Handelsaustausch mit Israel ist minimal im Vergleich zu dem mit den genannten Staaten.

Erdogan und die AKP-Regierung warten auch nicht mehr auf die EU. Im Gegenteil: Es gelingt ihnen mittlerweile sogar, die EU und selbst die USA unter Zugzwang zu setzen. Die Türkei erreichte innerhalb von Stunden eine Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrates, gestern musste auf türkischen Antrag die Nato zusammenkommen, und in Genf tagte der UN-Menschenrechtsausschuss. (Jürgen Gottschlich aus Istanbul /DER STANDARD, Printausgabe, 8.6.2010)

Kommentar posten
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Andreas Globus
00
20.6.2010, 11:00
Preis/Leistung ... das dümmste "Geschäft" der Türkei ...

Fritz Wunderlich
11

intelligenztest für die admins
http://diepresse.com/home/poli... 4/index.do

Wunder42
00
14.6.2010, 10:30
bestanden !

Fritz Wunderlich
11
hehe, einmal noch, gottschlich

im profilierungswettlauf der akp mit dem kmaeini-ahmadinedjadregime um die gunst der arabisch-moslemschen öffentlichkeit und die dominanz im raum at die türkei die nase vorne, weshalb die mullahs noch eines daraufsetzen müssen, um ihren führungsanspruch zu verteidigen
selbstverständlich entscheidet sich dieser prestigekampf an israel, wer als härtester gegener warhgenommen wird, hat für eine zeit gewonnen
das spielchen läuft seit sechzig jahren, nur die akteure wechsel, bis auf israel, versteht sich
der drift der türkei gegen osten bietet auch russland eine historische chance, die öffnung des bosporus
waren das noch zeiten, als die türkei die lieferung sowjetischer atomraketen an ägypten verhinderte

und nun, zum sechsten mal zensur?

Fritz Wunderlich
21

eine mittelmäßige analyse, aber auch das wird wieder zensuriert werden
gottschlich halt

Alexander Patjomkin
33
Die moslemische Länder treten nur gegen den Westen einheitlich auf.

Untereinander herrst ziemliche Feindseligkeit.
Die Araber werden nie ein freund der Türkei.
Sogar die zwei Islamrichtungen hassen und verteufeln einander. Der Westen versteht die islamische Welt gar nicht.

mehmetali erbil
00
10.6.2010, 01:06
lol

Katholiken und Evangelisten sind sich auch immer einig oder was. rofl

F.B.
 
01
das passiert wenn man völker an der nase herumführt

http://derstandard.at/plink/310... pid7965892

ich frage mich wie die türkei reagieren würde gäbe es ernsthafte anzeichen für einen EU beitritt

mfg

capkin
00
12.6.2010, 00:31
der eu beitritt interssiert die türken schon lange nicht mehr

NACH der aufnahme von bulgarien und rumänigen fragen sich die türken nur noch, was wollt ihr mit denen in der eu. die türken, in der türkei, die ich persönlich kenne, sind gegen einen beitritt, dass einzige was sie interssiert, ist visafreiheit. und wenn es die nicht gibt, dann machen sie ihre geschäfte halt in japan, da brauchen sie kein visum.

Kubilay Aslan
00
Die Türkei wird neue strategische Partner suchen müssen...

das weiß jeder Türke der einigermaßen sich mit der Politik beschäftigt.

Die Frage ist nur in welcher Form sich dies entwickeln wird. Der Türkei würde es vorläufig schon reichen, wenn sie den Einfluss USA auf die Region vollends verhindert. Die Eu hat ja in der Region kaum einen Einfluss. Und die Russen halten sich zurück weil sonst der Konflikt mit der Eu entsteht. Da haben die Eu´ler immer noch den russischen Bären vor Augen der zuviel übergewischt kriegen könnte.

Die Alternative für die Türken ist also gegeben. Nur welche wäre mit einer "Vision"

Türkstaaten?
Arabische Staaten?
Russische Kooperation?

Oder Albtraum der EU ein Arabisch/Türkisch/Russiches Menü?

kurd_beobachter
 
41
a so ein schmarrn die haben 50jahre den nato-partner gespielt und ..

.. dabei ganz vergessen sich irgendwie mit seinem umfeld zu verstehen. absolut keine diplomatie.

gross angekündigter frieden mit armenien is vom tisch, der einfluss in den turkstaaten defacto nicht vorhanden.
nur weil sich im iran ein regimewechsel anbahnt wird der iran nicht auf seine führungsposition verzichten und denen kann die TR nicht das wasser reichen.

die TR(AKP?!) hat solange versucht sich diplomatisch zu etablieren aber niemand hat sie in der region ernstgenommen also produzieren sie jetzt heisse luft.

die TR macht dass was khomeini in den 80ern gemacht hat. sich mit blut einheiraten und dann die region für die eigenen zwecke instrumentalisieren

http://www.20min.ch/news/ausl... y/11185464 , endlich ... ISR-KURD-ARM :-))

capkin
01
12.6.2010, 00:34
falsch Türkei ist nato gründungsstaat

wenn die türken nicht nett gewesen wären, wäre griechenland heute nicht nato, die türkei hat gegen die aufnahme kein veto eingelegt. also türkei ist länger nato als irgend einer der da hergelaufenen freien staaten im osten inkl. griechenland













Sahin A.
12
Von internat. Politik hast Du keine Ahnung oder?

mehmetali erbil
00
10.6.2010, 01:09
jaja

träum weiter.

Dark Angel
 
31
Alte Osmanische Träume

die politische Bedeutung der Türkei auf die arabische Region wird überschätzt. Es ist immer noch die Arabische Liga, die Verhandlungslösungen auch durchsetzen kann. Derzeit spielt sogar Iran eine größere Rolle mit der Unterstützung der Hisbollah und der Hamas. Dass sich die Türkei einbringt ist zwar nett, aber sicher nicht der Durchbruch, den sich viele erwarten.
Der alte (Kissinger?)-Spruch gilt immer noch: Kein Krieg ohne Ägypten und kein Frieden ohne Syrien.

Peter Alpenrausch
00
aber am auffälligsten ist:

die Länder die (auch historisch gesehen) Frieden und Zusammenarbeit mit Israel haben, prosperier(t)en

siehe Ägypten

Checkpoint Charlie
710
Habe den Artikel kurz überflogen.........

frag mich echt manchmal, wieviele Beweise die Leserschaft noch haben möchte, das in den Mainstreammedien bewusst vieles ausgblendet wird?? Hört auf solche Schmierblätter zu lesen und fangt endlich an euch von uabhängigen Quellen zu informieren. Spätestens Jetzt!

Jetzt versuchen die Hetzer doch wirklich sogar die Türkei in die Terror Ecke zu drängen....der eigentliche Staat der staatlichen Terror seit jahrzehnten betreibt ist doch sogar laut UN Israel!

hoferbernie
24

"habe den artikel kurz überflogen"

.... "das in den
mainstreammedien bewusst vieles ausgeblendet wird"

"fangt endlich an euch von uabhängigen Quellen zu informieren."

"der eigentliche staat der terror seit jahrzehnten betreibt ist doch sogar laut UN Israel!"

halloooho????????!!!!!!!!!!!

Faribors Marktanner
11
in den Mainstreammedien bewusst vieles ausgblendet wird

Na, erlauben Sie mal. Bei der freiheitlich-demokratischen Grundordnung under der wir alle leiden dürfen....

Fritz Wunderlich
21

sie können ja jederzeit wieder in ihren geliebten iran zurückkehren, aus dem bösen, bösen westen

in die vielfältige presselandschaft der revolutionsgarden, ehe

Sahin A.
22
Typisch..hat man keine Argumente mehr, prompt wird mit Abschiebung gedroht

Tolle freidenkende Gesprächskultur üben Sie da aus...

Fritz Wunderlich
20

leiden sie auch unter der freiheitlich-demokratischen grundordnung im westen?
mich wundert immer das wehklagen von gewissen iranern über die westlichen demokratien und massenmedien, aber leben wollen sie doch lieber hier
große heuchler

Osman Mert
114
Die Türkei als islamische Führungsnation

Das ist natürlich ein Bild das den AKP'lern gefällt.

Defacto ist es aber so, dass die Türkei einfach wieder ihre Nachbarn entdeckt. Quasi gezwungener Maßen, da die EU ihr gegenüber ablehnend erscheint.

Interessant wird es 2011, wenn die AKP endlich abgewählt wird. Dann ist endlich wieder eine kemalistische Regierung an der Macht.

Nur, ob nun Kemalisten oder AKP'ler spielt in Hinsicht auf die EU keine Rolle. Ich selbst stehe einer EU Mitgliedschaft nicht ablehnend gegenüber, aber welchen Sinn macht eine solche Mitgliedschaft eigentlich noch? Den Euro braucht die Türkei sicher nicht. Soll es der Türkei so ergehen wie den Südeuropäern, die von Deutschen Waren überflutet werden und ausbluten? Wäre ein eigenständiger Kurs nicht besser?

capkin
01
12.6.2010, 00:38
sie haben vollkommen recht

wer in der türkei die nächste regierung stellt, ist eigentlich egal, klar ist nur, dass die türkei die eu nicht mehr braucht.

Drip Drop
10
kemalisten kommen nicht mehr an die spitze - der tiefe staat ist dahin.

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