Todesseuche mit vier Buchstaben

7. Juni 2010, 17:49
2 Postings

Jeden Tag sterben tausend Südafrikaner an Aids – Die Behandlung ist unzureichend - Länderportrait Südafrika - Teil 1

Johannesburg/Nairobi - Luckyboy Mkhondwane war seinem Partner treu und dachte, dieser sei es ebenso. Dass er seiner großen Liebe zu sehr vertraute, merkte er erst, als es zu spät war. Als die Beziehung der beiden nach zwei Jahren in die Brüche ging, erfuhr der damals 26-Jährige, dass sein Freund HIV-positiv war - da hatte er sich bereits angesteckt. "Wenn ich nicht für mein Recht auf Antiretrovirale demonstriert hätte, wäre ich heute tot", sagt Mkhondwande, der heute, zehn Jahre später, Koordinator der Aids-Lobbygruppe "Treatment Action Campaign" ist.

In keinem anderen Land ist die Aidsquote so hoch wie in Südafrika: Mehr als jeder zehnte Südafrikaner ist mit der Immunschwäche infiziert. Bei den Frauen im Alter zwischen 20 und 34 Jahren sind es ein Drittel. Trotzdem, bemängelt Mkhondwane, macht die Regierung zu wenig, um die Seuche einzudämmen. "Noch vor einigen Jahren hat der damalige Präsident Mbeki öffentlich erklärt, er kenne keine Aidskranken" , erinnert er sich. Seine Gesundheitsministerin riet Infizierten, Obst zu essen, anstatt die Antiretrovirale einzunehmen.

Mit dem Polygamisten Jacob Zuma an der Staatsspitze sei die Lage noch schlimmer geworden. Nachdem der in einem Gerichtsprozess aussagte, er habe nach ungeschützem Sex mit einer HIV-positiven Frau geduscht, um eine Infektion zu vermeiden, musste sich Mkhondwane monatelang beschimpfen lassen, weil er im Slum Kondome propagierte. "Die haben gesagt: Wir können doch einfach duschen - sie haben Zuma geglaubt, weil er eine Autoritätsperson ist."

Obwohl die Zahl derjenigen, die Antiretrovirale erhalten, seit den Protesten der Aidsaktivisten stetig gestiegen ist, gibt es immer noch Probleme. So gibt es die monatliche Dosis fast nur in den wenigen staatlichen Spitälern, wo Patienten stundenlang warten müssen. Neu Erkrankte sterben, bevor sie zur Behandlung zugelassen werden, weil es zu wenig Einführungsschulungen gibt.

Forscher warnen, dass die Behandlung die Ausbreitung der Seuche nicht verlangsamt hat. "Die Antiretrovirale werden zu spät verabreicht" , kritisiert Brian Williams, Epidemiologe an der Universität Stellenbosch. "Bis dahin haben die Infizierten normalerweise schon alle angesteckt, die infrage kommen." Er fordert einen Pflicht-Aids-Test und Medikamente für alle Infizierten. (Marc Engelhardt/DER STANDARD, Printausgabe, 8.6.2010)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Fanelwa Glwasshu (39) aus Kapstadt posiert mit einem "HIV-positiv"-Shirt. Ihr Schicksal teilen etwa 3,5 Millionen Südafrikaner.

Share if you care.