Nachlese

Zidane-Kopffoul: Werberat fordert Stopp der bet-at-home.com-Kampagne

7. Juni 2010, 17:40
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    foto: gantnerundenzi

    Plakate

  • Spot "Cop"

  • Spot "Office"

Rote Karte für Werbelinie von gantnerundenzi - Gantner: Spruch "überzogen", Kunde "cool"

Der Österreichische Werberat fordert im Falle der Werbespots "Bet at home- das Leben ist ein Spiel" zum sofortigen Stopp der Kampagne bzw. sofortigen Sujetwechsel auf. Die Kampagne stammt von gantnerundenzi. Wie berichtet wurden zahlreiche Bescherden beim Gremium deponiert, die der Kampagne "Gewaltverherrlichung" vorwarfen.

Agenturchef Daniel Gantner sagt dem STANDARD, er finde den Spruch "überzogen", der Kunde reagiere "cool". Die Plakate hängen noch eine Woche, bisher sagten keine Sender ab.

Die Begründung des Werberats im Wortlaut:

"Die Aufforderung zum sofortigen Stopp wird begründet mit der Verletzung des Selbstbeschränkungskodex vor allem in Punkt 1.1.1 - Allgemeine Werbegrundsätze (Grundsatz der sozialen Verantwortung, Werbung darf nicht gegen die guten Sitten verstoßen) - sowie 1.3.1 (Ästhetisierung und Verharmlosung von Gewalt) und 1.3.1.1. ("Werbung darf sich keiner gewalttätigen oder gewaltverharmlosenden Sujets bedienen, es dürfen keine Darstellungen erfolgen, die brutales, aggressives Verhalten enthalten oder dazu ermutigen").

In den aktuellen Spots des Wettanbieters bet-at-home, werden verschiedene Geschehnisse thematisiert, die am Ende den jeweiligen Protagonisten bzw. die Protagonistin als Ausführende(n) eines Kopfstoßes zeigt. Mit anderen Worten: Alle Szenen enden damit, dass das jeweils unerwünschte Verhalten mit der aggressiven Gegenwehr beantwortet wird. Somit wird zum Ausdruck gebracht, dass Gewalt durchaus als Konfliktlöser verwendet werden kann.

Besonders negativ wird der Umstand gesehen, dass ein Polizist, der einem Falschparker ein Strafmandat erteilt hat, ebenfalls mittels Kopfstoß zu Boden gebracht wird. Ist es bei der Frau am Arbeitsplatz, die offenbar Opfer einer sexuellen Belästigung wurde, wie auch bei dem älteren Herren, der nur knapp einer Kollision mit einem übermütigen Jugendlichen entgangen ist, nachvollziehbar, dass sich die jeweiligen Opfer (grundsätzlich) wehren wollen, so ist dies bei einem Verkehrssünder, der abgemahnt wurde, nicht mehr gegeben. In allen Fällen kann allerdings Gewalt keinesfalls das geeignete Mittel sein.

Der strategische Gedanke der Agentur, dass getreu dem Slogan „Das Leben ist ein Spiel" eine bekannte oder geläufige Szene aus dem Sport fiktiv ins reale Leben transferiert, kann durchaus nachvollzogen werden. Es kann jedoch nicht nachvollzogen werden, in welchem Zusammenhang das unsportliche Verhalten des bekannten „Kopfstoßes" (das damals den Ausschluss des Spielers und weltweite Ablehnung zur Folge hatten) mit Fußball bzw. Sport oder Spiel stehen soll.

Prinzipiell bezieht sich der Selbstbeschränkungskodex auf die soziale Verantwortung von Werbung und normiert, dass die körperliche Integrität der Menschen unangetastet bleiben muss und Werbung nicht zu brutalem oder aggressivem Verhalten ermutigen soll. Darüber hinaus sollen keine gewalttätigen oder gewaltverharmlosenden Sujets geschalten werden, ebenso soll nicht gegen die allgemein anerkannten guten Sitten verstoßen werden."

Weitere Anmerkung des Werberats

Zum Zeitpunkt der Beschwerdebehandlung war ausschließlich der TV-Spot on Air, weshalb sich die Entscheidung des Werberates auf die Spots beziehen. Da jedoch die unlängst veröffentlichten Plakate und anderen Werbemittel ebenfalls den "Kopfstoß" in den Mittelpunkt stellen, wird darauf hingewiesen, dass auch diese Werbemittel zu ändern sind. (red/fid)

Kommentar posten
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Saint John
00

Am meisten regt mich im Moment Media Markt auf. "Wir schenken Ihnen einen Fernseher um nur 1.399.- Euro"

Was jetzt?

mir.70
11
Ich frage mich ja eines:

Wo ist der Werberat, wenn Spots unsere Kinder verblöden, indem sie beispielsweise gebetsmühlenartig suggerieren, dass man etwas mit "V wie Flügel" schreibt?

Oder wo ist der Aufschrei, wenn ein gaaanz lieber Fleischer von seinen Produkten spricht "die was aus Österreich" kommen?

Ja, ja, ja, auch andere Spots verblöden in ihrer Art und Weise, aber die sind wenigstens grammatikalisch korrekt.

PS: Derselbe Fleischer darf uns (und einem Polizisten) übrigens erklären, er muss schnell fahren, damit seine Ware frisch bleibt - ist also auch "moralisch" ein echtes Vorbild ...

wolf_vienna
00
14.6.2010, 17:22
Genau!!!!

Stimmt vollkommen, die Volksbank-Werbung ist wirklich das letzte! Nie und nimmer werde ich diese Bank als Kunde wählen, das habe ich mir geschworen!

Ausgeflippter Lodenfreak
01

Rohe Unterschichtwerbung, also Zielgruppenorientiert.

Wenn es nicht so etwas wie den Werberat gäbe, hätten wir bald Porno, Blut & Gewalt, offen verhetzende und betrügerische Werbung, da Moral als solche grundsätzlich keine Rolle im Marketing spielt. Moral, Ethik und Wahrheit sind nur in dem Maße wichtig, wie sie dem Produkt nutzen. Kein Werber hat ein Problem damit Kühe auf Pflanzenfettkäse zu drucken oder light, gesund oder sonstetwas darauf zu schreiben. Genauso wenig Problem hätten sie mit Porno solange es die Zielgruppe zum Kauf annimiert.
Moral, Ethik und Wahrheit können nur von den Besitzern und Vorständen als Ziele eingebracht werden oder von außen durch den Gesetzgeber und Institutionen wie den Werberat.

Freddie_Freeloader
01
"...keine Darstellungen erfolgen, die brutales, aggressives Verhalten enthalten oder dazu ermutigen".

Wenn ich an diese Familie PUTZ denke, dann werd ich schon zu agressivem Verhalten ermutigt!

DschiEm
40

Ist ja mal wieder klar.
Da gibt es endlich mal eine gute Werbung, dann wird sie gleich verboten !!!

Max User
00

1. Die Werbung ist nicht gut.
2. Sie wird (trotzdem) nicht verboten.

werinais
21
schade ...

eben nichts für notorische Weicheier. Es muss alles verboten werden, was außerhalb der Bilbel steht :-).

momodeluxe
00

schon mal im AT geblättert?

Ex 21,18 Wenn Männer in Streit geraten und einer den andern mit einem Stein oder einer Hacke verletzt, sodass er zwar nicht stirbt, aber bettlägerig wird,
Ex 21,19 später wieder aufstehen und mit Krücken draußen umhergehen kann, so ist der freizusprechen, der geschlagen hat; nur für die Arbeitsunfähigkeit des Geschädigten muss er Ersatz leisten und er muss für die Heilung aufkommen.

willywonka
00
nach dem werberat empfiehlt auch die Geschmackspolizei

eine sofortige Einstellung der Kampagne.

schnauze!
02
COOL?

liebe leute, ich lese wohl nicht richtig: das soll cool sein? wie verblödet muss man sein, um das cool zu finden? lg

Merkutio
11
Es ist verboten!

1. Die verdächtigen Werbemittel anzuschauen
2. Die ungehorsamen Werber zu grüssen
3. Den beschuldigten Kunden zu betreuen
4. Über die Kampagne in Öffentlichkeit zu sprechen
5. Die schuldige Agentur zu beauftragen

Das Werbezentralkomitee
Volkskomissariat für seelische
und geistige Sicherheit

Max User
01

Werberseminar 1. Stunde:
Mache deinen Gegner mundtot, indem du seine Einwände für lächerlich erklärst, ihm seine Kompetenz absprichst und ihn für irrelevant erklärst.

gustav gans42
00
Zielgruppenorientierung:

"Ich mach Dich Watsche mit Kopf"
Des passt scho....

Dr. G.Hütte
11
ohne werberat wäre das werberleben nur halb so lustig.

Max User
10

Welch beneidenswert lustiges Werberleben Sie nicht haben müssen. Wär ich doch auch nur so ein cooler, lustiger Werber, verdammt.

re-play
25

ach der Werberat soll doch Ruhe geben, immerhin könnten man den anderen ja auch ein Ohr abbeißen.

chambao
23
Problemlösung?

Die Entscheidung des Werberates ist richtig, gerade weil viele die Spots "eh nicht so arg" oder gar "cool" finden. Die beste Begründung liefert die Rechtfertigung von G+E, man wolle zeigen, dass "Gewalt durchaus als Konfliktlöser verwendet werden kann". Welcher Konflikt wird denn da gelöst? Eben. Der Schmäh ist platt, die Botschaft falsch. Und ein eindeutiger Verstoß gegen den Selbstregulierungskodex.
G+E, ihr seid kreative Leut', ihr schafft es doch sicher auch, "coole" und lustige Spots zu machen, ohne "Gewalt als Lösung" zu verherrlichen. Also: seid sportlich, nehmt den Verweis als das, was er ist und macht weiter gute Spots, aber denkt dabei ein bisserl mehr drüber nach, welche (unbedachten) Nebenwirkungen eure Arbeit hat.

Mayor - Dan Scott
00
ich mein...

bei der werbung mit dem polizisten kann ichs ja noch
verstehen (Strafzettel ist ja imho nichts besonderes und sollte nicht zu gewaltanwendung führen)

aber die werbung mit der frau ist einfach nur cool ;)

re-play
01

was muss ein Polizist auch mitten in der Nacht Strafzettel verteilen. Hat der nichts besseres zu tun? ;-)

der wahre Hagen von Tronje
02
Ich finde, Herr Zidane sollte...

... seine urheberrechtlichen Ansprüche auf den Kopfstoss geltend machen !

Lensois
54
Cool

Der Kopfstoss von Zizou im Endspiel 2006 war - betrachtet man die ehrenrührenden Provokationen von Materazzi - extrem cool; da er offenbar nicht als zeigeistangepasstes Weichei überbleiben wollte, konnte er gar nicht anders; der Werbespot ist übrigens einfach nur witzig - und überdies gegen die meisten Vorabendserien völlig harmlos.
"Unter uns etc. - das ist Brutalität

The Flying Dutchman
21

die meisten verstehn glaub ich die anlehnung aufs endspiel nicht! ;)
ich find die spots super!

kojoe
01

jetzt bin ich baff....
...es gibt in diesen spots anspielungen auf beckett?

Herzerzog Johann
22
Werberat, Presserat ...

Nimmt die irgendwer ernst? Hoffentlich nicht.

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