Schnitzeljagd auf der Schallaburg

7. Juni 2010, 17:32
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Kinder als Detektive - Von Thomas Trenkler

Auf der Schallaburg hat man sich etwas wirklich Raffiniertes einfallen lassen: Man bietet für die Kinder eine Schnitzeljagd durch die Ausstellung Die 60er. Beatles, Pille und Revolte an. Es gilt, in einem Heftchen diverse Fragen zu beantworten („Wer ist auf dem 500-Schilling-Schein abgebildet?"), und schließlich erhält man ein Lösungswort. Wer das ausgefüllte Heftchen abgibt, bekommt ein Pez-Stangerl - und das ist Anreiz genug, mit Feuereifer durch das kunterbunte Labyrinth aus Popmusik, Kalter Krieg, Concorde und Mini zu tigern.

Der Erkenntnisgewinn dürfte eher gering sein: Die Kids sind ja vor allem auf der Suche - zum Beispiel eben nach der 500-Schilling-Note. Sie realisieren daher nicht, dass gar etwas viel Propaganda für die ÖVP gemacht wird (Wahlplakat aus 1966 gleich im ersten Raum, Foto des Landesvaters als Rock 'n' Roller, Reduktion der SPÖ vor allem auf Olahs Rücktritt).

Und sie sind eine gute Stunde beschäftigt. Die Erwachsenen können daher ohne Raunzereien der Kinder in Erinnerungen schwelgen: Das ist schon „klass", um ein Wort von damals zu verwenden.

Weniger klass ist, dass in einem Guckloch nicht, wie angegeben, eine Liegende von Fritz Wotruba schwebt. Denn die filigrane Halterung gab irgendwann nach, die Bronzeskulptur fiel zu Boden. Der unsachgemäße Umgang mit der Kunst fiel übrigens den Kindern auf - bei der Schnitzeljagd. (Thomas Trenkler, DER STANDARD/Printausgabe, 08.06.2010)

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