Voggenhuber im Gespräch

"Hermetische Führungsclique, die Machterhalt betreibt"

07. Juni 2010 17:33
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    Foto: apa/herbert neubauer

    Zum Augenverschließen findet Johannes Voggenhuber die Auftritte der Grünen: "kein Unterschied zu ÖVP-Politikern."

Johannes Voggenhuber, ausgebooteter Europapolitiker, zeichnet tristes Bild der Grünen

Wien - An Wahlabenden schließt Johannes Voggenhuber vor dem Fernseher gerne die Augen. Er hört dann Politiker, die Ausflüchte suchen, Fragen ausweichen, Niederlagen beschönigen. "Man kann heute nicht mehr unterscheiden, ob ein Grüner spricht oder zum Beispiel einer von der ÖVP", meint Voggenhuber. Beim Wegreden des eigenen Versagens habe seine Partei in den vergangenen Jahren Rekorde gebrochen: "Es ist immer dieselbe Attitüde, doch dahinter bleibt das Nichts."

Voggenhuber hat bei dieser "Autosuggestion" nicht mitgemacht, sondern es den Kollegen immer wieder reingesagt, was ihm den Job als Europaparlamentarier gekostet habe. "Als ich vor zwei Jahren vom fehlenden Feuer sprach, war es ein Verbrechen, jetzt ist es plötzlich selbstverständlich", wundert er sich im Standard-Gespräch über die von Parteichefin Eva Glawischnig abwärts um sich greifende Selbstkritik: "Ich frage mich, wo die Ohren der Verantwortlichen waren, die alles mitgetragen haben. Die Kritik kam schon damals eher zu spät als zu früh."

Auf die Barrikaden

Mehr denn je liege heute "auf der Hand", auf welche Ziele sich die Grünen konzentrieren müssten, meint Voggenhuber, gerade dramatische Zeiten wie diese böten der erlahmten Bewegung "alle Chancen". Rigide Sparprogramme "bis tief ins Fleisch hinein" drohten Europa in eine Rezession zu stürzen, die Regierung kürze "irrwitzigerweise" bei der Bildung. "Ob wir unter der Last dieser bodenlosen Verantwortungslosigkeit als Raucher oder Nichtraucher begraben werden, halte ich eher für zweitrangig", urteilt der ausgebootete Veteran.

"Auf die Barrikaden" müssten die Grünen gegen den drohenden Kahlschlag steigen, sich mit Professoren, Studenten, dem Mittelbau an den Unis verbünden. Statt zu jeder Frage alle paar Tage Alibistatements an die Agenturen zu schicken, gelte es, die Kräfte über Wochen für ein großes Anliegen zu bündeln, "vom Parlament bis in die letzte Gemeindestube". Allianzen müssten geschlossen, konkrete Ziele formuliert, öffentlicher Druck aufgebaut werden - "das kleine Einmaleins der Politik eben", sagt Voggenhuber: "Politik erschöpft sich nicht in larmoyanten Presseaussendungen und dem Herunterbeten der ewig gleichen Forderungskataloge."

"Eine Bankrotterklärung"

Dass die Grünen "unvollständige und oberflächliche Antworten" gäben, erklärt sich der Kritiker auch mit fehlender "intellektueller Analyse" der politischen Zusammenhänge - womit Voggenhuber bei der Führungsgarnitur angelangt ist, die er als "hermetische Führungsclique, die Machterhalt betreibt" , charakterisiert. "Früher waren wir eine unendlich lebendige Partei", sagt er, "die Eintrittsgebühr war, sich bei Bürgerinitiativen oder sozialen Bewegungen Glaubwürdigkeit erworben zu haben." Heute werde der Nachwuchs "in internen Zirkeln" rekrutiert und "die Gefolgschaft von oben gesteuert".

"Bis in die Spitzenpositionen" müsse die "personelle Erneuerung" bei den Grünen gehen, erläutert Voggenhuber: "Wenn es in einer Partei heißt, es gäbe zu diesem oder jenem keine Alternative, dann ist das immer eine Bankrotterklärung." Außerdem: "Wo ist die Umweltpolitik, wo ist die Abfallpolitik? Dafür zuständig war jahrelang die Frau Glawischnig."

Noch eine Frage kann sich Voggenhuber eineinhalb Jahre nach dem turbulenten Bruch mit seiner Partei vor der Europawahl nicht verkneifen: "Was ist denn aus der damals propagierten Erneuerung der grünen Europapolitik geworden? Und gibt's überhaupt noch irgendjemanden, der weiß, wer damals gewählt wurde?"

Der 60-jährige Salzburger, der im August das Buch Res publica (Residenz-Verlag) veröffentlicht, ahnt, dass ihm die grünen Kontrahenten diese Worte als "Eitelkeit des Propheten" auslegen werden. Doch damit tue man ihm Unrecht, sagt Voggenhuber: "Ich bin nicht froh darüber, dass die Dinge in Erfüllung gegangen sind. (Gerald John, DER STANDARD, Printausgabe, 8.6.2010)

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diskdusk
11.06.2010 18:22

Voggenhuber sagt also, die Grünen brauchen Erneuerung an der Spitze. Aber bitte nur so lange es nicht ihn selbst betrifft, dann ist es nämlich eine "Bestrafung".

Ich habe großen Respekt vor Voggenhuber, schätze besonders seine Arbeit an der europäischen Verfassung, aber schön langsam macht er sich lächerlich. Wenn er weiterhin EU-Politik hätte machen wollen dann hätte es kein Problem sein dürfen auch auf Platz 2 zu kandidieren. Diese "entweder als Erster oder gar nicht"-Eitelkeit ist einfach nur unwürdig. Schade um einen guten Politiker, der noch viel hätte bewirken können wenn ihm sein Ego nicht im Weg stehen würde.

Mirabeau
11.06.2010 12:28

"Was ist denn aus der damals propagierten Erneuerung der grünen Europapolitik geworden?"

Keine Ahnung, was der Voggenhuber hat!
Klar gibt es eine Erneuerung! Jetzt geht es in der Grünen Europapolitik hauptsächlich um die Rechte von Schwulen, Lesben und Queer people (keine Ahnung, was das ist, wird schon ok sein).

P Dempsey
10.06.2010 22:13
Ich kann Voggenhuber nur vollkommen recht geben

Obwohl er mir persönlich nie sympathisch war. Aber seine glasklare Analyse trifft völlig zu.

leitfaden
10.06.2010 08:39

in puncto "machterhalt betreiben" sollte v. lieber etwas diskretion üben. seine ausfälle nach der eu-listnerstellung waren doch auch nix anderes.

videoopa
11.06.2010 08:26
..du arbeitest in Brüssel und daheim sägt FRAU dich ab...

so könnte ich es sehen.....

Poldi Gratz
11.06.2010 13:03
... denken, dann kampfposten

der hat sich schon selber abgesägt. wenn du wöchentlich deinen leuten ausrichtest was für koffern sie doch alle sind, kannst dir sichr sein, dass dich alle unterstützen werden.
speziell wenn du selber seit jahren die selbe schallplatte spielst, und überhaupt kein neues projekt sichtbar machst, aber alleinig die ganze wahrheit und weisheit gepachtet hast...
und eines geht bei den grünen gar nicht: erpressung! erster platz oder gar nichts. das kommt nie gut, den zweiten hätt er vielleicht eh geschafft, aber das geht mit so einem ego nicht zamm.

X Y
11.06.2010 19:24
Geh bitte,

wenn da den Unsinn glaubts, kann man dir auch nicht helfen. Man hat ihm klipp und klar gesagt, dass er auch auf dem zweiten Listenplatz nicht gewählt wird; also ist er nicht angetreten. Schuld ist er dann nachher selbst, der böse Silberrücken.

xfalke
09.06.2010 21:41
viel schlimmer

In Wirklichkeit ist es noch viel schlimmer:

Wir wohnen in einer kleinen Gemeinde im Speckgürtel Wiens, und hatten den selbstherrlichen roten Bürgermeister satt; also haben wir eine Grüne Gruppe gegründet - ohne, dass ein/e einizge/r von uns bei denen Mitglied ist, wir sch... nämlich auf diese dumme Partie;

aber wir haben uns von den Grünen den Wahlkampf finanzieren lassen und auf Anhieb drei Mandate im Gemeinderat gewonnen;

danach hat die Grüne Landespartei zwar versucht, bei div. örtlichen Koalitionsverhandlungen dreinzureden, aber die waren zu dumm zu kapieren, was hier läuft ...

das beste also wäre, wenn die Grünen engagierten Ortsgruppen Kohle geben und sie sonst in Ruhe arbeiten lassen - sonst seh ich schwarz für Grün

Armand Hammer
09.06.2010 15:34
die parteien sind alle unterwandert

nicht nur die grünen.
die parteipolitik hat nichts zu entscheiden, wir alle wissen es doch: alleine die großkonzerne entscheiden die politik.

ordo ab chao
09.06.2010 14:22
voggenhuber wird keine ruhe geben

bis glawischnig den hut nimmt. das ego ist von den eu-wahlen wohl zu sehr angekratzt. ist auch verständlich. von der emanzenclique politisch zwangssterilisiert.

ich persönlich hätte ihn gern an der spitze der grünen gesehen. ich fürchte aber, dass sein image unter dem einsamen rumgejammere leiden wird.

er sollte sich ein paar verbündete suchen, die ihn bei der kritik unterstützen.

videoopa
11.06.2010 08:28
seine Verbündeten sind die derzeitigen NICHTGRÜNWÄHLER

verstanden?
Gilt auch für van der Bellen usw....

Der strenge Meister Johann
09.06.2010 17:33
Ich bezweifel, dass voggenhuber derartig denkt

Glawischnig hat viel geleistet, aber als Bundessprecherin der Grünen hat sie den Übergang bis jetzt - - sach ich mal so - nicht geschafft.

Interessant...
09.06.2010 11:04
...es kostete ihN IHN... lieber Standardreporter

auch auf die Gefahr hin als Grammar-Natsi dazustehn, finde ich, dass es in einer Tageszeitung, die sich auf einem hohen Niveau bewegt sinnvoll ist auf
als - wie
Dativ - Akkusativ
und die durch die Verben regierten Fälle
zu achten

Tut mir einfach manchmal weh und tritt leider gehäuft auf

Ich bin der Meinung...
08.06.2010 22:05
Voggenhuber hat (leider) völlig recht!

Diese Clique an Langzeitpolitikern von Glawischnig bis Lunacek haben jegliche "Bodenhaftung" völlig verloren.

Apparatschicks der übelsten Sorte. Auch wenn - einige wenige verbleibende - Ideen es durchaus wert wären dass Sie Unterstützung fänden.

Aber Honeckers oder Pinochets unterstützt man auch dann nicht, wenn Sie ausnahmsweise auch mal für eine gute Idee kämpfen.

Herzlichst, Euer langähriger Grünwähler!
(Nun Ex-Wähler, aber das ist eh klar)

P Dempsey
10.06.2010 22:11
Ja das sehe ich genau so.

wiewohl der Vergleich mit Honecker und insbes. mit Pinochet erscheint mir doch etwas übertrieben.

spoiled ballot
08.06.2010 17:16
was fehlt sind ziele und nachwuchs

die chance einer regierungsbeteiligung konnte nicht genutzt werden, seitdem ist die luft draußen.

die gesamte "führungsclique" und auch voggenhuber sind seit langer zeit in der politik und sind politisch verbraucht, jeder einzelne hat eine laaange liste von wählern angesammelt die so gar nichts mit den jeweiligen anfangen kann.

für neue höhenflüge braucht man eine lichtgestallt wie vdb, aber die wirds eher nicht mehr geben.

P Dempsey
10.06.2010 22:12
Lichtgestalten lassen normale Parteien in Österreich nicht aufkommen

Und die Grünen sind zu einer stinknormalen Partei geworden.

Und das stürzt sie in eine fundamentale Identitätskrise - denn sie sind als die Alternativen angetreten.

Toporosso
08.06.2010 15:27

Ja, mit vielem hat er Recht, nur dass er selber Teil dieses Problems war, bis er sich mit anderen Teilen des Parteiestablishements zerstritten hat. Vor allem hat er selber nicht wahr haben wollen (z. B. mit seiner Ansgage "Platz 1 oder gar nicht") was er hier im Interview auf andere münzt: "Wenn es in einer Partei heißt, es gäbe zu diesem oder jenem keine Alternative, dann ist das immer eine Bankrotterklärung."

skaldjur
08.06.2010 14:37

DER schon wieder. Kann DER sich nicht mal damit abfinden, dass ER eben nicht Chef der Grünen ist?? Kann ER mal endlich aufhören, sich selbst zu bemitleiden und sich aufzuführen wie das ärgste Waschweib?? Glawischnig ist nicht VdB, das stimmt. Aber ER auch nicht.

galiontariaho
09.06.2010 12:00
ER beklagt lediglich..

was SIE anscheinend befürworten. nämlich die fehlende innerparteiliche diskussion, das kritische auseinandersetzen mit der eigenen partei...

SIE zählen wohl eher zu der hände-falten partie ;)

skip it
09.06.2010 08:03
sie sind "gruen-funktionaer", stimmt's?...

...und genau wegen leuten wie ihnen sind die gruenen nicht mehr waehlbar. schaun sie sich den hochgeputschten weiberhaufen doch amal an!

da hat der voggenhuber mehr kompetenz im zechenkas als die glawischnig und die lunacek zwischen ihren ohrwaschl'n! oder was glauben s', warum die partout wollten, dass der net amal am letzten listenplatz kandidieren darf, hm? um gottes willen, der koennt ja "falsche" stimmen bringen! wir wollen nur die richtigen! und vor allem; wir wollen NIX HACK'LN!

und deshalb sind sie bei der naechsten wien-wahl net amal mehr als alternative andenkbar.

die marek seit ihrem militaerpolizei-ausritt fuer mich als schwarzen allerdings auch net.

wird's halt wieder eine weiss-wahl werden.

schreibsauf
08.06.2010 19:36
Seinen EU Job super gemacht....

Der ist mir 1000mal lieber als diese Lunacek.

Der strenge Meister Johann
08.06.2010 14:48
Wahlergebnisse?

Wähler brauch ma net! Stören nur!

Li-Ion
09.06.2010 14:12

Die Wähler wählen halt immer wieder falsch. Irgendwann werden sie ihren Irrtum schon einsehen... ;-)

videoopa
11.06.2010 08:32
korrekt aber zu spät

BP-Mexico, Eurosupergau, Tschernobyl, Sellafield, usw usw

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