Restalkohol: Im Kampf gegen die Promille

  • Wie langsam der der Alkoholabbau im Körper stattfindet, wird oft 
unterschätzt.
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    Wie langsam der der Alkoholabbau im Körper stattfindet, wird oft unterschätzt.

Hilft die "gute Unterlage", ein Nickerchen oder die kalte Dusche, um schnell wieder nüchtern zu werden?

Gastgärten und Grillfeiern haben derzeit Hochsaison. So auch kühle alkoholische Getränke wie Bier, weißer Spritzer & Co., die gerne als flüssige Begleitung zu Grillwürstl und Kotelett Verwendung finden. Eine "gute Unterlage", die meist aus einem kalorienreichen, fetten Essen besteht, soll Feiernden eine bessere Trinkausdauer verleihen. Ist es schon zu spät dafür, gibt es Volksweisheiten, die im nachhinein schneller zu Nüchternkeit verhelfen sollen. Doch was ist dran an den weit verbreiteten Weisheiten?

Gleich vorweg: Zeit ist das effektivste Mittel im Kampf gegen die Promille. "Pro Stunde beträgt der Alkoholabbau in der Leber durchschnittlich 0,1 bis 0,15 Promille", erklärt Marion Seidenberger, ÖAMTC-Verkehrspsychologin. Männer seien dabei etwas besser gestellt als Frauen. "Alkohol löst sich besser in Wasser als in Fett, weshalb die Blutalkoholkonzentration im Wesentlichen von der Menge des Körperwassers abhängt. Wer schwerer ist, hat in der Regel mehr Körperwasser und damit bei gleicher konsumierter Alkoholmenge eine niedrigere Blutalkoholkonzentration", so Seidenberger. Da Frauen einen höheren Anteil an Körperfett aufweisen, dagegen aber weniger Körperwasser, ist das männliche Geschlecht, was das Trinkvermögen betrifft, klar im Vorteil.

Schneller betrunken durch ...

Die Aufnahme des Alkohols geschieht über die Schleimhäute des Verdauungstraktes, zum Großteil über den oberen Dünndarm. Je länger Alkohol daher im Magen verweilt, desto zeitlich verzögerter gelangt er in die Blutbahn. Die "gute Unterlage" schadet somit nicht, denn Alkoholgenuss auf leeren Magen macht schneller betrunken. "Eine gute Grundlage im Magen, lässt die Blutalkoholkonzentration langsamer ansteigen, da Nahrung dazu führt, dass der Alkohol länger im Magen bleibt und später in den Darm gelangt", so die Verkehrspsychologin. Neben der Magenfüllung bestimmen Trinkgeschwindigkeit und Art des Getränks die Verweildauer des Alkohols im Magen maßgeblich. Warme, zuckerreiche oder kohlesäurehaltige alkoholische Getränke passieren den Magen schneller und bewirken, dass Trinkende rascher betrunken werden - ein höherer Gesamtpromillewert wird dennoch nicht erreicht. Auch der Tipp, während des Alkoholkonsums viel Wasser zu trinken ändert nichts am Alkoholisierungsgrad. Wasser gleicht lediglich die dehydrierende Wirkung von Alkohol aus.

Vermeintliche "Promillekiller"

Geht es darum, so schnell wie möglich wieder nüchtern zu werden, besagen Volksweisheiten, dass Schlaf, der Konsum von Kaffee, eine kalte Dusche oder das "Herausschwitzen" von Alkohol helfen sollen. Diese "Promillekiller" tragen zwar unter anderem dazu bei, sich subjektiv besser zu fühlen, der Alkoholwert im Blut sinkt deshalb aber nicht schneller. "Mit diesen Hausmittelchen schneller nüchtern zu werden funktioniert nicht. Bis zu zehn Prozent des Alkohols wird über Lunge, Niere und Haut ausgeschieden - der größte Teil wird aber in der Leber abgebaut. Der Alkoholabbau in der Leber braucht eben seine Zeit", so Seidenberger.

Auch wer nach einem feuchtfröhlichen Trinkgelage entscheidet, nicht mehr ins Auto zu steigen und vor Ort zu übernachten sollte eines bedenken: Wer am nächsten Tag nach Hause fährt, hat oft noch mehr als den erlaubten Promille-Wert im Blut - darunter leidet auch die Reaktionsfähigkeit.

Sind Personen mit einem erhöhten Promillewert in einen Unfall oder eine Verkehrskontrolle verwickelt, sei es irrelevant ob Restalkohol oder frischer Rausch. "Die Blutalkoholkonzentration ist ausschlaggebend egal ob "alt" oder "frisch", erklärt die Verkehrspsychologin. Wie langsam der Alkoholabbau im Körper stattfindet, werde trotzdem oft unterschätzt. Weist eine Person um Mitternacht 2 Promille auf, so hat sie um 9 Uhr am Vormittag immer noch rund 1 Promille. Das einzige, was den Alkoholgehalt im Blut daher wirklich senkt, ist Zeit. (derStandard.at, 8.7.2010)

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