Chats zur Finanzmarktkrise

"Erschießen Sie bitte nicht den Boten!"

9. Juni 2010, 14:18

Christian Ortner erklärte im derStandard.at-Chat, wer am Griechen-Desaster schuld ist, und warum die Bundesregierung "eine Delegation mit einem Notizblock in die Schweiz schicken" soll - Nachlese

"Jeder Markt braucht Regulierung. Die Frage ist nur, ob das smarte Regulierung ist oder dumme", erklärte Christian Ortner am Mittwoch im derStandard.at-Chat sein Credo. Der Publizist und Blogger gilt als österreichischer "Vorzeige-Neoliberaler" – und als solcher ist er der Meinung, "dass Insolvenz die Folge schlechten Wirtschaftens zu sein hat. Aber ich gebe zu, dass das im Falle großer Banken ziemlich riskant ist", so Ortner im Chat.



Wenn sich nichts ändert, sieht er Österreich in fünf Jahren "dort, wo Griechenland heute ist – im besseren Fall". Für die Regierung hat Ortner auch einen Vorschlag parat: "Eine Delegation in die Schweiz schicken, die einen Notizblock dabei hat: deutlich niedrigere Steuern, also mehr netto für brutto, dramatisch geringere Staatschulden, also weniger Steuergeld für Zinsen an Anleihebesitzer. Und trotzdem ein äußerst dichter Sozialstaat, der niemanden hilflos zurücklässt."

Die EZB hat für ihn "bis vor einem Monat, als sie sich der Politik unterwarf, einen soliden Job gemacht", und der Neoliberalismus soll für ihn punkto Armutsbekämpfung im Wesentlichen eines tun: "Wachstum generieren. Funktioniert fast immer als effizientes Mittel der Armutsbekämpfung."

Schließlich wollte ein User noch wissen, ob er nicht auch der Meinung sei, dass Börsenwetten und Ratingagenturen aus einer Griechenlandkrise eine Griechenlandkatastrophe gemacht hätten. "Sie irren. Aus der Griechenlandkrise eine Griechenlandkatastrohe gemacht haben die Griechen, Regierung wie Bevölkerung. Erschießen Sie bitte nicht den Boten, das ändert nichts an den Fakten." (red)
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