Österreicher sollen mehr Staatsanleihen kaufen

7. Juni 2010, 13:03
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Umfrage zeigt geringes Interesse Privater an Bundesanleihen

Wien - Die im Namen und auf Rechnung der Republik agierende Österreichische Bundesfinanzierungsagentur (ÖBFA) startet eine Informationsoffensive, mit dem Ziel, mehr privaten Anlegern die Veranlagung ihrer Ersparnisse in österreichische Staatsanleihen schmackhaft machen. Die Staatspapiere würden nicht nur für Sicherheit, Transparenz, oder eine überdurchschnittliche Rendite stehen, sondern mit ihnen könne jeder Staatsbürger auch etwas zum Staatshaushalt beitragen - "also im übertragenen Sinne 'Ja zu AAA sagen'", so das patriotische Argument von ÖBFA-Geschäftsführerin Martha Oberndorfer.

Der Anteil von Bundesanleihen in den privaten Anlegerportfolios sei gemessen an der Sicherheit ungerechtfertigt niedrig. "Während österreichische Bundesanleihen im Schnitt unter 2 Prozent des Finanzvermögens privater Haushalte stellen, entfällt auf österreichische Aktien etwa doppelt so viel", führte Oberndorfer am Montag bei einem Pressegespräch in Wien aus. Das liege weit unter dem internationalen Niveau, das in Europa zwischen 12 und 15 Prozent liege. "Bundesanleihen gehören zum Fundament jeder Veranlagung", so Oberndorfer.

Das Interesse der Österreicher an Bundesanleihen ist sehr schwach ausgeprägt. Nur 4 Prozent halten sie für besonders interessant, um damit zu sparen oder Geld anzulegen, geht aus einer aktuellen GfK Studie im Auftrag der ÖBFA hervor. Unangefochtene Spitzenreiter sind demnach Bausparen (50 Prozent), dicht gefolgt vom Sparbuch (46 Prozent). Noch schlechter als Bundesanleihen schließen nur noch die zur ÖBFA zählende bundesschatz.at und Unternehmens- und Bankanleihen ab. Auch das Finanzwissen ist sehr gering. Zwei Drittel der 1.000 Anfang April Befragten im Altern von 15 Jahren und darüber kennen Bundesanleihen so gut wie gar nicht. Das größte Wissensdefizit besteht demnach bei den Jungen.

"Mehr Informationen vermitteln"

"Es ist an der Zeit, mehr Informationen zu vermitteln", so die ÖBFA-Geschäftsführerin. Banken, Versicherungen, der Staat und die Medien sollten an der Wissensvermittlung beteiligt sein. An eigenen Maßnahmen wird die ÖBFA auf ihrer Internetseite ein Info-Paket über Bundesanleihen zur Verfügung stellen. Um Geldthemen ausgeweitet werden soll auch das Schul-Paket werden, und gemeinsam mit der Wiener Börse ist eine Broschüre über Bundesanleihen geplant. Kosten lasse werde sich dies die sparsam haushaltende ÖBFA, "was notwendig ist", so Oberndorfer.

Derzeit befinden sich 75 Prozent der österreichischen Staatsanleihen in ausländischen Händen, 80 Prozent davon in Europa, vor allem in Deutschland und England. Den überwiegenden Teil halten Banken (32 Prozent), gefolgt von Pensionsfonds und Asset Managern (28 Prozent), 22 Prozent halten internationale Organisationen, 13 Prozent Versicherungen und rund 5 Prozent private Anleger.

In diesem Jahr hat die ÖBFA bereits rund 13,5 Mrd. Euro Staatsanleihen emittiert, das ist bereits die Hälfte des mit 21 bis 25 Mrd. Euro veranschlagten Emissionsvolumens. Die nächste Emission ist für 8. Juni geplant, diesmal sollen zwei Bundesanleihen um in Summe 1,65 Mrd. Euro aufgestockt werden. (APA)

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