EU-Kommission mahnt Geschlechter-Gleichstellung in Bildung ein

8. Juni 2010, 15:12
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Vassiliou: Buben schlechter im Lesen und Mädchen bei der Mathematik - Bei Schulabbrechern liegen Buben voran

Brüssel - Die EU-Kommission hat die nach wie vor traditionellen Rollenbilder im Bildungsbereich kritisiert und diese als einen der Mängel bei der Gleichstellung der Geschlechter bezeichnet. EU-Bildungskommissarin Androulla Vassiliou sagte, die Unterschiede würden sich heute komplexer als vor 50 Jahren präsentieren und es sei ein Gesamtansatz zur besseren Gerechtigkeit zwischen der Entwicklung von Mädchen und Buben notwendig.

Was die Schulabbrecherquote betrifft, verwies Vassiliou darauf, dass diese im EU-Durchschnitt bei Mädchen nur 13,2 Prozent betrage, während sie bei Buben mit 17,2 Prozent deutlich höher liege. Die Vergleichszahlen für Österreich liegen bei 10,2 Prozent für Mädchen und 11,6 Prozent für Buben. Am geringsten ist die Schulabbrecherquote in Slowenien (2,7 und 5,7 Prozent), am höchsten in Malta (32,9 zu 41,1 Prozent) und Spanien (25,6 zu 36,1 Prozent).

Generell geht aus der aus diversen Untersuchungen der vergangenen Jahre erstellten Studie hervor, dass Buben schlechter im Lesen sind und Mädchen schlechter in Mathematik. In allen 27 EU-Ländern absolvieren mehr Frauen als Männer ein Hochschulstudium. Aber auch hier zeige sich ein traditionelles altes Rollenbild: Im Ingenieur- und Bauwesen beträgt der Prozentsatz der Frauen unter den Absolventen im EU-Schnitt nur 25 Prozent.

Lehrkräfte weiblich, Gestalter männlich

Was Österreich betrifft, führt die Kommission an, dass 2008 nur 17 Prozent der Universitätsprofessoren weiblich waren - im Gegensatz zu 40 Prozent bei den Universitätsassistenten. Angeführt wird in dem Bericht auch das 2005 von Österreich gestartete Exzellenzprogramm, das darauf abzielt, die Zahl der weiblichen Professoren von 13 Prozent im Jahr 2003 auf 26 Prozent 2010 zu verdoppeln.

Vassiliou erklärte, die Lehrkräfte seien überwiegend Frauen, gestaltet würden die Bildungssysteme aber von Männern. Die meisten Personen mit Studienabschluss seien weiblich, die meisten Schulabbrecher aber männlich. "Wir müssen die Gleichstellungspolitik auf diese Realität ausrichten", betonte die Kommissarin. (APA)

 

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