Neue Deichbrüche an der Weichsel

8. Juni 2010, 13:36
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Höchstmarke von vor zwei Wochen soll am Mittwoch erreicht werden

Warschau- Die Flutwelle der Weichsel hat auf ihrem Weg nach Norden weitere Landstriche in Polen überschwemmt. In der Nacht auf Dienstag durchbrach der Fluss einen Damm in Janowiec bei Pulawy etwa 120 Kilometer südlich von Warschau. Das Wasser sei durch einen hundert Meter langen Riss in dem Damm geflutet, berichtete der polnische Rundfunk.

Überschwemmt wurden drei Ortschaften mit 120 Häusern auf einem Gebiet von rund 1.000 Hektar. "Niemand rechnete damit, dass der Deich ausgerechnet an dieser Stelle nachgibt", sagte ein Feuerwehrsprecher. 170 Menschen mussten schnellstens in Sicherheit gebracht werden.

Landwirtschaft leidet

In der Gemeinde Wilkow auf dem gegenüberliegenden Weichsel-Ufer hat sich die Situation noch weiter zugespitzt, weil ein Nebenfluss die aufgeweichten Dämme durchbrach. "Das ist ein totales Drama", sagte Gemeindevorsteher Grzegorz Tarasinski. Seit der ersten Überflutung vor eineinhalb Wochen stehen hier mehrere Ortschaften unter Wasser. Das sei eine Katastrophe für diese Region, die von der Landwirtschaft lebe, sagte ein Wirtschaftsexperte.

Auch im weiter südlich gelegenen Ostrow gab in der Früh ein Deich nach. Mehrere Dörfer seien bedroht, hieß es aus dem Krisenstab. "Wir hatten keine Chance, das Wasser zu stoppen, der Strom war zu stark", sagte ein Sprecher. Bei Tarlow weiter südlich wurde ebenfalls ein Deichbruch gemeldet. Bereits am Montag hatte es mehrere Dammrisse an der Weichsel gegeben. Hochwasseralarm galt weiterhin in 23 Gemeinden an dem Strom. 3.600 Soldaten mit acht Hubschraubern unterstützten rund um die Uhr die Feuerwehr beim Kampf gegen die Fluten.

Höchststand am Mittwoch

Der Scheitelpunkt der Weichsel wird in der Hauptstadt Warschau am Mittwoch erwartet. Die Flutwelle soll dann mit 7,80 Metern den Höchststand der vergangenen drei Wochen erreichen. In Teilen der Stadt wurden bereits Schulen und Kindergärten geschlossen. Eine wichtige Nord-Süd-Straßenverbindung wurde gesperrt.

In den Überschwemmungsgebieten im Süden Polens wächst mit jedem Tag die Gefahr der Erdrutsche. Wegen Einsturzgefahr mussten unter anderem in der Gemeinde Chelmiec bei Nowy Sacz 46 Menschen Häuser räumen. In jüngster Zeit sei ein Dutzend Erdrutschstellen aktiv geworden, sagte eine Bezirkssprecherin in Krakau. In Lanckorona südlich von Krakau waren in der vergangenen Woche Dutzende Häuser eingestürzt.

Innenminister Jerzy Miller wies unterdessen erneut Appelle um eine Ausrufung des Notstandes zurück. Die Dämme würden dadurch nicht standfester und der Geldbeutel für die Flutopfer nicht größer, sagte er. Um den Menschen eine Stimmabgabe zu ermöglichen, sollen in Überschwemmungsgebieten Wahlzelte aufgestellt werden. Am 20. Juni soll in Polen ein neues Staatsoberhaupt gewählt werden. (APA/dpa)

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    Rettungskräfte beim Einsatz in Sandomierz im Südosten Polens.

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