Biologische Meniskus-Prothesen im Kommen

7. Juni 2010, 11:28
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Jugendliche klagen zunehmend über Rückenprobleme - Europäischer Orthopädiekongress in Madrid

Madrid - Das Ziel ist der Ersatz: Meniskusprobleme sollen in Zukunft mit biologischen Prothesen behoben werden. Das war eines der heißtesten Themen beim Europäischen Orthopädiekongress mit mehr als 7.500 Teilnehmern in den vergangenen Tagen in Madrid. Immer häufiger klagen auch Jugendliche über Rückenbeschwerden, hieß es dort.

"Wenn es uns gelingt, einen verletzten Meniskus zu ersetzen, statt ihn bloß zu entfernen, dann lässt sich auf diesem Weg auch die Entwicklung einer Kniegelenksarthrose verlangsamen", sagte Maurilio Marcacci (Bologna, Italien) bei der Jahrestagung der European Federation of National Associations of Orthopaedics and Traumatology (EFORT). Der Meniskus hat die Funktion eines Stoßdämpfers zwischen Oberschenkelknochen und Schienbein. Wird er eingerissen oder durch eine andere Verletzung beeinträchtigt, macht sich das durch massive Schmerzen bemerkbar. Dieses Problem hat man bisher vor allem durch eine vollständige oder teilweise Entfernung des Meniskus behandelt. Doch ohne dessen dämpfenden Effekt können erst recht Schmerzen auftreten, oft entwickelt sich auch eine Kniegelenksarthrose.

Meniskus-Ersatz

Moderne Therapieansätze versuchen daher, den geschädigten Meniskus zu ersetzen, statt ihn zu entfernen. Für eine ausgewählte Patientengruppe sind Meniskus-Transplantationen die Behandlungsoption der Wahl. Das neue Konzept, mit biologischen Prothesen für einen Reparatur- und Regenerationsprozess zu sorgen, hat klare Vorteile gegenüber der Transplantationen eines menschlichen Spender-Meniskus - nicht zuletzt aufgrund der sehr begrenzten Verfügbarkeit menschlicher Gewebe- oder Knorpelspenden. "Das ist eine biomechanische und eine technische Revolution, die wir hier beobachten", so Marcacci.

Eine andere regenerative Methode bei Kniebeschwerden, die keine Operation erfordert, sind Injektionen mit Thrombozyten-Konzentrat (Platelet Rich Plasma-PRP). Diese neue, insbesondere in der Sportmedizin eingesetzte Methode, wird auch für Wiederherstellung verletzter Sehnen oder Bänder eingesetzt. PRP wird aus Blut - in der Regel Eigenblut - gewonnen, das für etwa 20 Minuten zentrifugiert wird. Dadurch entsteht hochkonzentriertes Thrombozytenplasma, das dann in das verletzte Gewebe injiziert wird. PRP enthält einen Cocktail von Enzymen und Wachstumsfaktoren, die zu Zellwachstum und -heilung beitragen sollen. "PRP hat sich als sehr hilfreiche Option erwiesen und hat eine Reihe aktiver Bestandteile. Aber wir verstehen noch nicht vollständig, wie der Mechanismus genau wirkt", sagte Marcacci.

Leidende Jugendliche

Schmerzen an der Wirbelsäule werden auch bei Jugendlichen immer häufiger. Geschätzte 80 Prozent der Erwachsenen leiden zumindest einmal in ihrem Leben unter Rückenschmerzen, bei Kindern und Jugendlichen ist diese "Lebenszeitprävalenz" vom Alter abhängig und erreicht allerdings laut neuen Erkenntnissen im fortgeschrittenen Teenageralter immerhin 70 Prozent.

Eine spanische Studie zeigt jetzt, dass Jugendliche mit Rückenschmerzen in einer ganz anderen Situation sind als Erwachsene. "Wir gehen daher davon aus, dass junge Menschen bei Rückenschmerzen ganz andere Behandlungsstrategien brauchen als ältere Menschen", sagte Cesar Garcia-Fontecha (Barcelona): "Wir haben 76 jugendliche Patienten im Durchschnittsalter von 14,1 Jahren einerseits mit gesunden Teenagern verglichen und zweitens mit solchen, die zwar unter Rückenschmerzen litten, deswegen aber noch keinen Arzt aufgesucht hatten. Überraschend war für uns die ermittelte gesundheitsbezogene Lebensqualität der jugendlichen Patienten. In neun der zehn gemessenen Lebensaspekte war die Lebensqualität jugendlicher Patienten trotz ihrer Rückenschmerzen sogar höher als jene von Schülern ohne Schmerzen. Lediglich im Bereich 'körperliche Gesundheit' war sie schlechter als die ihrer gesunden Gleichaltrigen." Dies deutet auch auf eine hohe Beteiligung von psychosozialen Aspekten an den Beschwerden. (APA)

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    Der Meniskus fungiert als Stoßdämpfer zwischen Oberschenkelknochen und Schienbein.

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