Das Leben wird immer leichter

8. Juni 2010, 16:45
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Tiefgreifende Modellpflege für den VW Touran

VW gibt sich, wenn auch reichlich unauffällig, wieder einmal engagiert in Zeitgeschichte. Zum Angedenken an das für Europa so folgenreiche Revolutionsjahr 1989 beträgt das maximale Kofferraumvolumen im Touran, beim Fünfsitzer und herausgenommener zweiter Sitzreihe nämlich, exakt so viele Liter: 1989. Die Zulademöglichkeiten und das praktische Talent waren es wohl auch und weniger die ästhetischen Qualitäten, die den Kompakt-Van seinerzeit, trotz VW-üblich verspäteten Marktauftritts (2003, da waren Renault Scénic und Opel Zafira längst auf der Straße), auf Anhieb zum Bestseller machten: 1,13 Millionen Tourans wurden bisher verkauft.

Ende 2006 bekam er schon einmal ein Facelift (psst! Das F-Wort hören die VWler gar nicht gern!) - und als Besonderheit einen elektronischen Parkassistenten als technisches Highlight mit auf den weiteren Weg. Sowie auch jene Tränensackoptik in der Frontpartie, die man schon bald nicht mehr sehen kann, weil deren Wahrnehmungsreize ziemlich nahe am optischen Schmerzzentrum im Hirn anlangen. Damit ist es nun vorbei, dank Designgroßmeister Walter de'Silva wurde auch dem Touran die von den anderen aktuellen Golf-Derivaten bekannte schlanke, geradlinige Leuchtengrafik verpasst. Bleiben mit altem Styling nur noch Eos und Touran.

Aber was anderes ist auffällig. Mit sieben Jahren auf dem Buckel, da kommt normalerweise ein komplett neues Modell. Da jedoch der Golf 6 eigentlich ein Golf 5,5 werden musste und erst voraussichtlich 2013 der ganz neue, der wahre Golf 6 kommt, der dann Golf 7 heißen wird, haben alle auf dieser technischen Architektur basierenden Modelle einen extendierten Lebenszyklus, was gut zur demoskopischen Entwicklung passt: Die Lebenserwartung steigt.

Gestiegen sind auch die Erwartungen ans Leben im Touran, entsprechend ordentlich haben sich die Innenausstatter und Ingenieure ins Zeug gelegt. In der Zwischenzeit haben Politik und Medien ja bekanntlich die Öko-Revolte ausgerufen, und VW reagiert bei seinem Kompakt-Van, der nach wie vor als 5- und 7-Sitzer erhältlich ist, mit dem Einbau vieler neuer, downgesizter, spritsparender Motoren und verstärktem Einsatz von DSG-Getrieben (6- und 7-Gang). Sogar eine Erdgasversion ist erhältlich, begast wird in dem Fall ein 1,4-TSI mit 150 PS.

Insgesamt, meldet VW, sei der Touran dadurch nun um bis zu 27 Prozent genügsamer beim Spritkonsum als bisher. Obersparmeister ist der 1,6 TDI (105 PS) mit Blue Motion Technology, der sich im Normtestzyklus mit 4,6 l / 100 km bescheidet. Einen Beitrag zu so viel angewandter Umweltkorrektheit lieferte auch der Windkanal. Die Techniker ließen den alten Touran so lange im Sturm stehen, bis die gröbsten Widerstände wegerodiert waren und der cw-Wert von 0,32 auf 0,29 gesenkt - für einen Vertreter der Gattung der Schrankartigen fürwahr tadellos.

Zum Feinschliff im Detail gehört übrigens auch ein harmonischer abgestimmtes Fahrwerk, das nun neben hart auch ein bisserl weich kann, also komfortabler wirkt. Und da vorhin der Einparkassistent angesprochen war: Die zweite Generation kann erwartungsgemäß mehr als die erste. Nämlich zusätzlich zum Längs- auch Querparken, im rechten Winkel zur Fahrbahn. Ein zweiter Knopfdruck auf das "Bitte hilf mir doch mal beim Einparken"-Knopferl in der Mittelkonsole genügt, dann Hände weg vom Steuer, behutsam Gas geben und bremsen, den Rest macht der Assistent für Sie. Das Leben wird auch immer leichter. (Andreas Stockinger/DER STANDARD/Automobil/04.06.2010)

  • Wenn Walter de'Silva zum Zeichenstift greift, hat das noch keinem Auto 
geschadet. Auch der beliebte VW-Kompakt-Van Touran profitiert davon.
    foto: werk

    Wenn Walter de'Silva zum Zeichenstift greift, hat das noch keinem Auto geschadet. Auch der beliebte VW-Kompakt-Van Touran profitiert davon.

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Innen wurde vor allem Wert auf höherwertige Anmutung gelegt.
    foto: werk

    Innen wurde vor allem Wert auf höherwertige Anmutung gelegt.

  • Link     Volkswagen
    grafik: der standard
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