Konsigwensen

7. Juni 2010, 16:47
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Autofahrer greifen im Kampf um wertvolle Zentimeter immer öfter zu Papier und Stift, um asoziale Zeitgenossen auf den rechten Weg zu bringen

Sage noch wer, E-Mail schade der Post. Im Gegenteil. Seit sich finanzmarode Gemeinden nicht mal mehr Bodenmarkierungen für Parkplätze leisten können und der parkraumbewirtschaftete Abstellplatz als neoliberales Beutegut freigegeben wurde, greifen entnervte Autofahrer im Kampf um wertvolle Zentimeter immer öfter zu Papier und Stift, um asoziale Zeitgenossen auf den rechten Weg zu bringen. Die Unflätigkeiten, mit denen der Kampf gegen fette SUVs und ihre (einpark)unfähigen Chauffeure geführt wird, sollen hier aber nicht Thema sein. Zwischen Wischerblatt und Scheibe fixiert wechseln auch subtile Botschaften die Besitzer.

Da wird rasch klar: Diese stille Post schafft Arbeitsplätze und neue Berufsbilder, wäre zumindest aber ein Feld für Integrationsbeauftragte und Erwachsenenbildner. Denn die deutsche Sprache ist nicht nur eine schwere, auch der Postweg wird brutaler. Oder würden Sie sich nicht fürchten, wenn Sie auf Ihrer Windschutzscheibe folgende Drohung fänden: "Machst du dein Auto von die Parkplatz weg sonst gibt es konsigwensen." Der Mann (wir gehen davon aus, dass so ein Macho tickt, Frauen reagieren subversiver) hat Potenzial zur Weiterbildung. Die Bild-Zeitung könnte diesbezüglich wertvoll sein, ihr Beitrag "Tot-Raser rast sich selber tot" bringt die Konsequenzen auf den Punkt.

Einen Deut charmanter, aber unmissverständlich versucht es ein Hausbesitzer: "Dieser Hof ist ein Kinderspielplatz. Sollten Sie trotzdem ihren Pkw unbefugt hier abstellen, erklären sie sich damit einverstanden, dass er als Kinderspielzeug benutzt wird." (Luise Ungerböck/DER STANDARD/Automobil/04.06.2010)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Hauptsache die Message kommt an. Wenn Papier und Stift nicht zur Hand sind, tut es auch ein bisschen Neuschnee.

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