"Euroschwäche ist eine willkommene globale Ausrede"

7. Juni 2010, 12:05
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Friedrich Mostböck, Chefanalyst der Erste Group, beantwortete im Chat die Fragen der User

Der Euro verliert seit Wochen gegenüber dem Dollar an Wert, viele Euro-Staaten sind massiv verschuldet. Friedrich Mostböck, Chefanalyst der Erste Group, sieht dennoch keine Bedrohung für die europäische Gemeinschaftswährung. "Eigentlich ist, was den Euro-Dollar-Kurs betrifft, wirklich nichts Außergewöhnliches passiert", so Mostböck am Montag im Chat bei derStandard.at. "Da ist in so einer fragilen wirtschaftlichen Situation natürlich die Euroschwäche eine willkommene globale Ausrede. Aber ein Großteil von 'Spezialisten' sieht das anders."



Auf die Frage, wer nach den Griechen noch auf der "Liste der Wackelkandidaten" steht, meinte der Chefanalyst: "In Ungarn hat das einen anderen kurzfristigen politischen Hintergrund in Folge des Wechsels in den Machtverhältnissen. Die Ungarn rudern zur Zeit zurück. Italien, Spanien, Portugal haben das vergleichsweise größte Verschuldungsproblem in Europa, arbeiten aber bereits hart daran." Bei Griechenland werde man "aufpassen müssen, dass dort zukünftige Schulden bezahlt werden können". Bei anderen Staaten sieht er derzeit keine derartige Gefährdung.

Können sich die amerkanische bzw. die schweizer Wirtschaft längerfristig die aktuellen Wechselkurse zum Dollar leisten? "Genau das ist die Frage", so Mostböck. "Die USA wird sicher nicht allzu lang einen allzu günstigen Euro dulden können, denn sonst würgen sie sich ihren Export ab. Beim Schweizer Franken ist das etwas anders. Der profitiert vom 'sicheren Hafen' in einer solchen Krise." Viele User wollten dann konkret wissen, wie es nach Mostböcks Einschätzung mit dem Wechselkurs zwischen Euro und Schweizer Franken (CHF) weitergehen wird. "Wir sehen den Euro-CHF bis Jahresende bei 1,40 und ebenso bis Ende erstes Quartal 2011. Längere Prognosen zu erstellen erscheint unseriös. Der CHF wird aber in einer Krisensituation sicher weiter profitieren", so Mostböck, der den Goldstandard zwar für ein "probates Mittel" hält, dessen Wiedereinführung spräche aber " nicht unbedingt für die neueste und innovativste Theorie der Volkswirtschaft".

Ob die Ratingagenturen nicht schon lange die USA herunterstufen müssten? "Wenn man es genau nimmt, ja", meint Mostböck. Und: "Die USA werden sicher irgendwann einmal nervös, sollte der Euro weiterhin so niedrig bleiben oder noch niedriger werden. So gesehen wäre ein neues Erreichen eines Tiefs im Euro (0,826 waren wir schon einmal) sicher eine gute Sache für Europas Exporte."

Bis Jahresende erwartet der Erste-Chefanalyst den Euro wieder bei 1,30 Dollar. Und wann wird der Schilling wieder eingeführt? Mostböck: "Gar nicht mehr." (red)

Im Folgenden der ganze Chat zur Nachlese:

Moderator-Message: Schönen Vormittag, liebe User und Userinnen, der Chat mit Erste-Bank-Chefanalyst Friedrich Mostböck startet um 11 Uhr. Ihre Frage können Sie bereits jetzt stellen.

Moderator: Schönen Vormittag, liebe User und Userinnen, der Chat mit Erste-Bank-Chefanalyst Friedrich Mostböck startet um 11 Uhr. Ihre Frage können Sie bereits jetzt stellen.

ModeratorIn: Herr Mostböck ist jetzt eingelangt, wir freuen uns auf Ihre Fragen und eine spannende Diskussion.

Friedrich Mostböck: Ich begrüße die Gäste und freu mich schon auf die Fragen.

Hanomax: Guten Tag Herr Mostböck, wie sehen Sie die Wahrscheinlichkeit einer Euro-Dollar-Parität in den nächsten 1-2 Jahren?

Friedrich Mostböck: Wenn Sie eine 1:1 Parität meinen, dann ist die natürlich kfr. nicht ausgeschlossen. Zur Zeit sehen wir das aber nicht, der Dollar-Euro steht jetzt auf 1,19 und wir glauben eher, dass er sich auf dem Niveau kurzfristig halten wird können. Bis auf Jahresendsicht rechnen wir mit einem Dollar-Euro über 1,30.

Ravenhorst: Wann wird Ihrer Meinung nach der Schilling wieder eingeführt?

Friedrich Mostböck: Gar nicht mehr.

kredo: Zur Entwicklung des Euro in den nächsten Monaten: wird es eher aufwärts oder abwärts gehen - was ist ihre Einschätzung?

Friedrich Mostböck: Kurzfristig bleibt der Euro belastet. Von der Verschuldung her geht es aber den USA auch nicht wirklich besser, auch wenn sie 2010 und 2011 vielleicht etwas stärker wachsen. Zur Zeit schwingt das Pendel zu Ungunsten Europas. Da sind Ratingagenturen durchaus mitverantwortlich. Es wird aber auch die Zeit kommen, bei der man sich die Verschuldung der USA genauer anschauen wird müssen.

untergreifer: sehr geehrter herr mostböck - Wer genau von uns "Otto-Normal- Österreicher" muss sich denn vor einem "schwachen Euro fürchten?

Friedrich Mostböck: Zur Zeit niemand. Da ist sicher vieles an negativen Dingen eingepreist. Der Euro stand schon historisch gesehen einmal bei 0,826, da hat damals kein Hahn danach gekräht. Griechenland ist sicher ein fürchterliches Beispiel. Das sollte in Spanien, Portugal, Italien, etc. nicht in der Form zu erwarten sein. Daher ist hier vieles negativ von aussen geschürt. Ratingagenturen müssen sich in Zukunft wirklich sorgfältig überlegen, ob sie da Öl ins Feuer gießen wollen.

Risky: Können sich die amerkanische bzw. die schweizer Wirtschaft längerfristig die aktuellen Wechselkurse zum Dollar leisten.

Friedrich Mostböck: Genau das ist die Frage. Die USA wird sicher nicht allzu lang einen allzu günstigen Euro dulden können, denn sonst würgen sie sich ihren Export ab. Beim Schweizer Franken ist das etwas anders. Der profitiert vom "sicheren Hafen" in einer solchen Krise.

Risky: Würden koordinierte Interventionen der verschiedenen Zentralbanken helfen die aktuelle Euro-Panik zu beruhigen?

Friedrich Mostböck: Das passiert ja. Und die EZB hatte noch nie so koordiniert agiert wie in der Krise.

ragna: ist es möglich, dass der euro durch eine andere währung (zB euro2) abgelöst wird? ich habe auch von ansätzen gehört, wonach der euro nur mehr als buchwährung eingesetzt werden soll, sprich zerfall der währungsunion wie wir sie kennen..

Friedrich Mostböck: Davon ist heute absolut nicht auszugehen.

Reini B.: wer steht nach auf der griechenpleite noch auf der liste der wackelkandidaten neben italien, spanien, portugal und jetzt ungarn?

Friedrich Mostböck: In Ungarn hat das einen jetzt anderen kurzfristig politischen Hintergrund in Folge des Wechsels in den Machtverhältnissen. Die Ungarn rudern zur Zeit zurück. Italien, Spanien, Portugal haben das vergleichsweise größte Verschuldungsproblem in Europa, arbeiten aber bereits hart daran.

wolken kratzer: Wird es eine Währungsreform geben (müssen)?

Friedrich Mostböck: Es wird sicher, was den Euro anbelangt, eine noch koordiniertere Vorgehensweise erforderlich sein. Erste Überlegungen gehen in die richtige Richtung: zentral gesteuerte Verschuldungsorganisation, Aufsicht von Ratingagenturen, etc. .

Manfred Bieder: Wie schlimm ist die Euro-Krise im Vergleich zu anderen, die die europäische Währung schon mitgemacht hat?

Friedrich Mostböck: Das ist die erste Krise seit der Einführung des Euro.

Ferdinand Lachinger: Was wird passieren wenn weitere EU-Mitgliedsstaaten Zahlungsunfähig werden und Griechenland oder ein anderer Staat seine Schulden nicht mehr zahlen kann?

Friedrich Mostböck: Bei Griechenland wird man aufpassen müssen, dass dort zukünftige Schulden bezahlt werden können. Bei anderen Staaten sehe ich eine derzeitige Gefährdung vergleichsweise nicht.

untergreifer: Als Urlauber aus den USA schätze ich einen schwächeren Euro sehr! endlich ist ein Urlaub in Europa wieder leistbarer geworden; wem genau schadet denn der schwache Euro? nur den Banken, durch abgezogenes Kapital?

Friedrich Mostböck: Ein schwacher Euro schadet sicher nicht der Exportindustrie, aber ein starker Dollar schadet sicher jenen, die in Dollar einkaufen müssen.

Sara KM: S.g. Herr Mostböck, in letzter Zeit las ich, der Euro sei zu früh gekommen. Sehen Sie das auch so? Oder war es an der Zeit für eine gemeinsame Währung? Vielen Dank

Friedrich Mostböck: Wann hätte denn dann der Euro kommen sollen? Jetzt in der Krise? Viele der neuen Beitrittsländer haben jetzt den Euro noch nicht und werden sich in Zukunft überlegen, wann sie ihn einführen werden. Beim schwachen Dollar hat ja auch keiner von einer Dollarkrise gesprochen...

her mit den Strichen!: Für sehr viel österr. "Häuslbauer" ist der Kurs EUR:CHF entscheiden. Was wird hier noch auf uns zukommen? in 1 Jahr? in 10 Jahren? in 20 Jahren?

Friedrich Mostböck: Was meinen Sie mit bis zu 20 Jahren?

Mario901: Wann wäre es Ihrer Meinung nach Zeit, österreichische Aktien (Raiffeisen Int.) und Osteuropafonds zu verkaufen, oder ist dochn darauf zu hoffen, dass sich alles erfängt und erholt?

Friedrich Mostböck: Zur Zeit sind alle Abwärtstrends intakt und keine Bodenbildung erkennbar. So lange das so ist, würde ich in den Markt nicht neu einsteigen. Eine Bodenbildung wäre erkennbar, wenn sich die Kurse über 5-7 Tage stabilisieren oder der Abwärtstrend nach oben hin durchbrochen wird.

Catrin Kerschhaggl: Wäre es Ihrer Meinung nach in der jetzigen Situation besser das Geld in Immobilien, als es auf der Bank bei niedrigen Zinssätzen anzulegen?

Friedrich Mostböck: Davon würde ich abraten. Wenn dann könnte man einen Teil des Vermögens in Immobilien veranlagen, sicher aber nicht 100%. Auch das ist wiederum ein Outcome von höchster Nervosität.

anatol778 #1: Ist es für den EU-Export nicht eh gut, wenn unsere Produkte jetzt billiger zu haben sind?

Friedrich Mostböck: Ja.

Flowchi: Ist Ihnen auch bewußt daß sich in Sachen Transaktionssteuer oder Bankenabgabe allgemein der österreichische Politiker verhält wie ein Lügner der dem eigenen Volk Dinge entgegenhält die er/sie nicht entscheiden wird?

Friedrich Mostböck: Da machen Sie sich die Sache etwas einfach. Das ist genauso wie wenn man den bösen Spekulanten an den Märkten alles in die Schuhe schiebt. An Oberflächlichkeit nicht zu überbieten.

Don Corleone1: Was passiert bei einem Staatsbankrott mit privaten Konsumkrediten, privaten Spareinlagen, privatem Gold?

Friedrich Mostböck: In the long run we are all dead. Spaß beiseite, davon gehe ich nicht aus.

Aux Armes Citoyens!: ich komme aus einem exportorientierten betrieb in oö. durch den niedrigen euro werden wir endlich international wieder konkurrenzfähiger, die anfragen aus den überseemärkten steigen wieder. wird die eu allgemein wirtschaftlich vomniedrigen europrofi

Friedrich Mostböck: Absolut. Nur will das zur Zeit keiner sehen. Die USA werden sicher irgendwann einmal nervös, sollte der Euro weiterhin so niedrig bleiben oder noch niedriger werden. So gesehen wäre ein neues Erreichen eines Tiefs im Euro (0,826 waren wir schon einmal) sicher eine gute Sache für Europas Exporte.

untergreifer: China überrollt alle! denken sie das die Demokratie wie wir sie kennen in der Lage ist nötige Einschnitte in den verschiedensten Bereichen durchzuführen - oder hat ein Regime a la Peking da die besseren Karten?

Friedrich Mostböck: Da müssen Sie eher die USA fragen, denn ein Großteil US-Amerikanischer Staatsanleihen besitzt China. Europa ist da weniger gefährdet.

412af60e-1f3c-4614-8ca6-2c8bebb0ff7e: Wie beurteilen Sie mittelfristig (3-5 Jahre) den Kurs EUR/CHF bzw. wo sehen Sie das Limit nach unten? Am Freitag war der EUR/CHF bereits auf unter 1,3800?

Friedrich Mostböck: Wir sehen den Euro-CHF bis Jahresende bei 1,40 und ebenso bis Ende erstes Quartal 2011. Längere Prognosen zu erstellen erscheint unseriös. Der CHF wird aber in einer Krisensituation sicher weiter profitieren.

Risky: Sg. Herr Mostböck, da sie so zackig sind beim Fragen beantworten hier gleich noch eine: Wäre eine moderate Erhöhung des EZB Leitzinses nicht ein Mittel die Investoren im Euro zu halten?

Friedrich Mostböck: Zackig bin ich deshalb, da ich einen kleinen Bundesheer-Background mitbringe. Aber das kann man sehen wie man will. Zur Frage: aus heutiger Sicht nicht, dazu ist die Konjunktursituation noch zu fragil, sonst würde man sich Wachstum wieder abdrehen.

theBORG: Müssten die Ratingagenturen nicht schon lange die USA herunterstufen?

Friedrich Mostböck: Wenn man es genau nimmt, ja. (AAA-Rating?)

Gregor Jaspers: Wie stehen Sie zu einem Verbot von Spekulationen auf Waehrungen und Rohstoffpreise? Ist so ein Vorgehen volkswirtschaftlich sinnvoll und politisch durchsetzbar?

Friedrich Mostböck: Wenn man sich so manche kurzfristige Kursbewegungen anschaut, gar keine schlechte Idee... :-) Aber ernsthaft: das wäre vollkommener volkswirtschaftlicher Unsinn.

thinkingplaces: Was halten Sie von der Idee der Einführung einer Weltleitwährung (wie zum Beispiel der Bancor, den Keynes einst vorgeschlagen hat), die den Dollar in dieser Funktion ablösen würde?

Friedrich Mostböck: Das sollte man dem G-20 Treffen vorschlagen... Das ist politisch nicht machbar und wäre auch Unsinn.

Don Corleone1: Wie stark ist Ihrer Meinung nach die Politik von der Wirtschaft abhängig (v.a. Stichwort Verbindung Trichet und Frankreich)

Friedrich Mostböck: Hoffentlich wenig. Da die Kosten der Finanzkrise, die aber US-Amerikanischen Ursprungs ist (es war der amerikanische Häuslbauer und nicht der europäische) jetzt auf Kosten der Staaten ging und teilweise Verstaatlichungen notwendig machte, ist der Einfluss des Staates wieder gestiegen.

untergreifer: Wieviele Dollar gibt Europa jährlich für Öl und Gas aus? Ist es ihrer Meinung nach nicht endlich an der Zeit uns aus dieser Abhängigkeit heraus zu nehmen und in nachhaltige Alternativen zu investieren?

Friedrich Mostböck: Dollar geben wir deshalb aus, weil Öl und Gas in Dollar gehandelt werden. Nachhaltige Alternativenergien haben sicher enormes Potential, jetzt erst recht...

Homo Solodorensis: Sehen Sie im Moment einen Trend zur Flucht in den Schweizer Franken. Die Nationalbank hält kräftig dagegen und hält den EU-Kurs durch Zukäufe auf einem für die CH-Exportindustrie erträglichen Niveau. Aber wie lange hält si das durch?

Friedrich Mostböck: Der CHF war immer eine gewisse Fluchtwährung und die Schweizer Notenbank hat damit leben gelernt.

bobbyjean: Wann kommt die Inflation? In welcher Höhe?

Friedrich Mostböck: Hyperinflation sehen wir zur Zeit keine. Woher soll die kommen, wenn es kaum Wachstum gibt?

schfiftyfive: Sehr geehrter Herr Mostböck. Wie stehen Sie zur Wiedereinführung des Schillings? Wäre diese oft geforderte Möglichkeit nicht eine brauchbare Alternative?

Friedrich Mostböck: Also mir gefällt der Euro gut, er wurde eh von einem Österreicher designt. Ich glaube das ist keine reelle Antwort auf die gegenwärtige Situation.

c70: Sehen Sie bei der Goldpreisentwicklung eine Blase ?

Friedrich Mostböck: Eigentlich nicht. Wir hatten als Erste Group über die letzten Jahre detaillierte Gold-Reports erstellt. In einer solchen Situation wird das Gold natürlich profitieren. Nur unter den Kopfpolster sollte man sich es nicht legen und nur maximal 5-10% investieren.

scenox: Was sind die Aufgaben eines Chefanalysten?

Friedrich Mostböck: Die Beurteilung von Volkswirtschaften und Märkten in jeglicher Hinsicht. Eigentlich in einer solchen Situation ziemlich spannend. Es ist auch interessant zu sehen, wenn unsere Kunden mit unseren Empfehlungen besser liegen als bei anderen Bankinstituten. Beispielsweise war es auch interessant am Höhepunkt der Krise letztes Jahr (März 2009) mit unserem damaligen publizierten CEE-Makro-Report die Stimmung von Ratingagenturen und Nobelpreisträgern zu drehen. Sie können sich also vorstellen, der Job ist durchaus interessant.

life is too short for soft porn: sehr geehrter herr mostböck, ist es nicht übertrieben von einer euro krise zu sprechen? betrachtet man einmal den chart eur/usd über mehrere jahre, dann ist ja noch gar nichts passiert! bei weit tieferen ständen hatte kein hahn danach gekräht. wenn

Friedrich Mostböck: Sie haben absolut recht. Da ist in so einer fragilen wirtschaftlichen Situation natürlich die Euroschwäche eine willkommene globale Ausrede. Eigentlich ist was den Euro-Dollar-Kurs betrifft wirklich nichts aussergewöhnliches passiert. Aber ein Großteil von "Spezialisten" sieht das anders.

wooos iiiis?: Warren Buffett hat kürzlich gemeint, dass die internationale Gemeinschaft die schlechte Währungspolitik der Amerikaner innerhalbt der nächsten 5-15 Jahre erkennen und nicht mehr dulden wird. Der USD soll in diesem Fall extrem stark an Wert verlieren

Friedrich Mostböck: Da mag er durchaus Recht haben. Nur welche Währungspolitik ist zur Zeit schon einfach? Dass die USA ein ebenso hohes Verschuldungsproblem haben ist Faktum. Irgendwann wird die negative Stimmung von Europa auch wieder im Pendel wegschlagen.

untergreifer: Würde es aus ihrer Sicht Sinn machen einen Währungskorb aus zB Dollar, Euro, Yen und Renminbi mit fixen Wechselkursen zu versehen? würde das nicht erheblich zu einer Stabilisierung und einem Ende der Panik führen?

Friedrich Mostböck: Würde ich nicht machen. Vorallem haben Sie die chinesische Währung vergessen.

412af60e-1f3c-4614-8ca6-2c8bebb0ff7e: Sehr geehrter Herr Mostböck! Wenn man sich so die Währungsprognosen die letzten zwei Jahre anschaut, sind eigentlich alle daneben gelegen. Ich weiß, wir hatten noch nie so eine Situation wie jetzt. Aber - zu meiner Frage - warum sollte man jetzt noc

Friedrich Mostböck: Prognosen sind deshalb wichtig, um die Probleme der Zukunft zu bewältigen. Prognosen darf man nicht statisch sehen, sondern sie verändern sich ja auch ständig und passen sich der realen Situation laufend an. Wenn man gar keine Zahlen im Hintergrund hat, kann man auch eine zukünftige Situation nicht bewältigen.

Martin Fischer #1: EUR kassieren, US$ zahlen und Kredite in CHF, wie lange hält das ein Unternehmen aus?

Friedrich Mostböck: Kenne so ein Unternehmen nicht.

Superposition des Produktzustandes: sind börsianer generell ein feiges volk oder sind (heute schon wieder) automatismen am werk, die jeden trend verstärken?

Friedrich Mostböck: Halte vom Ausdruck Börsianer sowieso nicht viel. Hoffe nicht, dass ich ein prozyklischer Verstärker bin.

goatee flowers: wie sehen sie die entwicklung des eur/jpy bis jahresende?

Friedrich Mostböck: Bis 131.

Misery Goat: Im Rahmen der Griechenlandkrise ist immer wieder von Spekulationsgeschäften die Rede. Was bedeutet eine Spekulation auf den Staatsbankrott eines Landes?

Friedrich Mostböck: Bei Griechenland war ein hoher Anteil ausländischen Besitzes der Staatsanleihen (86%) mit ein Teil der Schuld, dass das Land so unter Druck gekommen ist. Bei anderen Ländern ist der Anteil im inländischen Besitz wesentlich höher. Aber auch die Griechenlandkrise wurde nicht durch Spekulanten ausgelöst, vielleicht haben diese nur die Butter am Brot ausgemacht, sondern vielfach regierte auch hier die Panik die Kursrelationen.

Digital Sigi: S.g. Hr. Mostböck, wie stehen Sie zu einer Gesamteuropäischen Wirtschaftsregierung, die auch den Nord/Süd Ausgleich regelt?

Friedrich Mostböck: Wahrscheinlich geht es irgendwann in diese Richtung, denn zu viele Köche verderben den Brei.

Gregor Jaspers: Wie hoch schätzen Sie die Wahrscheinlichkeit, dass Länder wie Griechenland, Protugal oder Irland gezwungen sein werden aus der Währungsunion auszutreten?

Friedrich Mostböck: Zur Zeit auf Null.

anatol778 #1: Könnte sich die EU entschließen zu nationalen Währungen zurrückzukehren?

Friedrich Mostböck: Aus heutiger Sicht Nein.

Norther: Ist es nicht langsam Zeit, den Goldstandard wieder einzufuehren, um einer Waehrung auch tatsaechlichen Wert zu geben?

Friedrich Mostböck: Das ist zwar ein probates Mittel, spricht aber nicht unbedingt für die neueste und innovativste Theorie der Volkswirtschaft.

ModeratorIn: Wir bedanken uns bei Friedrich Mostböck und bei unseren UserInnen für die vielen Fragen. Wir bedauern, dass wir viele aufgrund der regen Beteiligung nicht beantworten konnten.

Friedrich Mostböck: Vielen Dank, es waren sehr viele gute, offene und interessante Fragen dabei.

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