Obama fordert, dass BP "jeden Cent" bezahlt

6. Juni 2010, 20:53
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Fischer und Kleinunternehmen stehen vor dem Ruin - 1900 Schiffe und 20.000 Menschen sind im Öl-Einsatz

Washington - Wegen möglicher milliardenschwerer Dividendenzahlungen und teurer TV-Werbung hat US-Präsident Barack Obama BP am Wochenende scharf kritisiert: Er habe kein Verständnis, dass BP hohe Zahlungen an die BP-Aktionäre erwäge, während die von der Ölkatastrophe betroffenen Fischer und Kleinunternehmen vor dem Ruin stünden, sagte Obama. "Ich will, dass BP sehr klar versteht, dass das Unternehmen hier eine moralische Verpflichtung am Golf von Mexiko hat."

Aktionärsauszahlungen

Ende vergangener Woche hatte es Berichte gegeben, wonach BP plane, seinen Aktionären rund 10,5 Milliarden Dollar auszuzahlen. Zwei US-Senatoren hatten daraufhin BP aufgefordert, auf die Zahlung zu verzichten, bis die gesamten Kosten der Ölpest bekannt seien.

Bei einem Besuch der Katastrophenregion im US-Bundesstaat Louisiana warnte Obama die Anrainer allerdings vor zu großen Hoffnungen auf ein schnelles Ende der Ölpest.

1900 Schiffe und 20.000 Menschen im Öl-Einsatz

Freilich steht Obama selbst unter Druck: Laut einer von CBS am Freitag präsentierten Umfrage glauben 60 Prozent der US-Amerikaner, dass Obama zu wenig Initiative im Kampf gegen die Ölpest zeige. Dieser Kritik wollte Obama neben seinem - mittlerweile dritten - Besuch der Region bei seiner "Rede an die Nation" am Samstag nicht nur mit der Forderung, dass BP "jeden Cent" bezahlen müsse, sondern auch mit der Offenlegung von Zahlen zur größten Umweltrettungsaktion der amerikanischen Geschichte kontern: Die US-Regierung habe derzeit 1900 Schiffe sowie 20.000 Menschen im Öl-Einsatz.

Vorbeugende Fonds

Um auf Umweltkatastrophen wie jene im Golf von Mexiko besser reagieren zu können, schlug der russische Präsident Dmitri Medwedew am Samstag in seinem Videoblog einen internationalen Fonds vor. "In einigen Fällen könnten die reichsten Konzerne und selbst die reichsten Länder nicht genügend Geld haben." Eine entsprechende Initiative will der Kremlchef beim G20-Gipfel Ende Juni in Kanada vorstellen. (Reuters, red, DER STANDARD Printausgabe 7.6.2010)

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    Ölverschmutzter Pelikan kämpft ums Überleben in Louisiana

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    Der dritte Besuch im Öl-Gebiet: Obama in Louisiana

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