Neue Streikwelle in Italien

6. Juni 2010, 18:54
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Gewerkschaftsverband ruft zu Protest gegen Sparziele

Mailand - Italiens mächtiger Gewerkschaftsverband Cgil hat für Mitte Juni zum Generalstreik aufgerufen. Gewerkschaftssekretär Giuglielmo Epifani begründete am Wochenende den Generalstreik mit den Sparmaßnahmen im kürzlichen erlassenen Haushaltsdekret. Rund 15 Mrd. Euro sollen bei den über drei Millionen staatlichen Angestellten eingespart werden. "Statt dass die Top-Gehälter der staatlichen Manager gekürzt werden, werden Volksschullehrer und Kindergärtnerinnen zur Kasse gebeten", kritisierte Epifani die Einsparungen.

Auch Italiens Richter haben zum Protest gegen die Sparmaßnahmen aufgerufen. Sie wollen zwischen 21. und 25. Juni wie am 1. Juli ihre Arbeit niederlegen. Der Generalsekretär des Richterverbandes, Giuseppe Cascini, begründet den Streik mit der vorgesehenen 30-prozentigen Gehaltskürzung der jungen Richter, die im ersten Gerichtsjahr knapp 2000 Euro netto verdienen. Justizminister Angelino Alfano bezeichnete den Streik als "politischen Protest".

Auch die staatlich angestellten Ärzte wollen Mitte Juni ihre Arbeit niederlegen. Zum Streik haben zudem die Beschäftigten der Fluggesellschaften aufgerufen. Nachdem am 7. Juni auf Geheiß der Gewerkschaftsverbände die Gepäckabfertigung in den Airports lahmgelegt wird, wollen das Alitalia Flug- und Bodenpersonal und die Bediensteten des Airports Malpensa am 18. Juni streiken. Grund für die Proteste sind die gering bezahlten Überstunden.

Gerüchte einer Kapitalerhöhung bei Alitalia und einer möglichen, vorzeitigen Beteiligungsaufstockung der Air France bei Italiens Airline führen ebenfalls zu Unruhen beim Personal. (tkb, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 7.6.2010)

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