Ungarn relativiert die Aussagen zum Budgetloch

6. Juni 2010, 18:49
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Dreitägige Budgetklausur - Briten kürzen Sozialleistung

Budapest - Nach den nervösen Reaktionen der internationalen Finanzmärkte auf eine mögliche Zahlungsunfähigkeit hat sich die ungarische Regierung am Wochenende um Schadensbegrenzung bemüht. Der geschäftsführende Fidesz-Vizechef Lajos Kosa hatte in der Vorwoche erklärt, das augenblickliche Ziel der neuen Regierung unter Ministerpräsident Viktor Orbán sei, "den unmittelbaren Staatsbankrott abzuwenden". Derlei Äußerungen seien "übertrieben und unglücklich", sagte Staatssekretär Mihály Varga am Wochenende in Budapest. Die Mitte-Rechts-Regierung werde daran arbeiten, die Neuverschuldung auf 3,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu begrenzen.

"Spekulationen übertrieben"

Die Sorge über Ungarn brachten den Euro am Freitag enorm unter Druck - die Gemeinschaftswährung rutschte zeitweise unter die Marke von 1,20 US-Dollar und damit auf den tiefsten Stand seit vier Jahren. EU-Währungskommissar Olli Rehn sagte bei der G-20-Tagung in Südkorea, Ungarn habe bereits große Fortschritte bei der Konsolidierung der öffentlichen Finanzen erzielt. Spekulationen über eine drohende Zahlungsunfähigkeit seien übertrieben.

Goldman Sachs schrieb, dass sich Ungarn der Krise bereits gestellt und den Internationalen Währungsfonds und die EU Ende 2008 um Hilfe gebeten habe. Ungarn sei Griechenland damit 18 Monate voraus. Ministerpräsident Orbán berief sein Kabinett am Samstag zu einer dreitägigen Klausur ein, um die Budgetlage zu analysieren.

"Harte Einschnitte"

In Großbritannien hat der neue Premierminister David Cameron zum Abbau des Rekorddefizits harte Einschnitte bei den Sozialleistungen und im öffentlichen Dienst angekündigt. Die Regierung müsse die Ausgaben und die im vergangenen Jahrzehnt angewachsene Bürokratie angehen, sagte Cameron der Sunday Times. "Wir müssen uns mit den Bereichen befassen, in denen wir über unsere Verhältnisse gelebt haben." Zudem deutete er an, dass die Wachstumsprognose wohl gesenkt werden müsse. (Reuters, apn, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 7.6.2010)

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