"Nur wo Frauen sind, kommen Frauen nach"

6. Juni 2010, 18:09
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Ablinger kritisiert Männerbastionen in SP

Linz - Wenigstens in einem Punkt haben die Sozialdemokraten bei den oberösterrechischen Landtags- und Gemeinderatswahlen im September 2009 nicht verloren: Der Frauenanteil in den 427 SP-Gemeinderatsfraktionen ist von 22 Prozent im Jahr 2003 auf 28 Prozent leicht gestiegen. Doch auch dieser Gewinn ist ein trauriger, hat deren Landesfrauenvorsitzende Sonja Ablinger jetzt bei ihrer Detailauswertung herausgefunden. Die vom Landesparteivorstand beschlossenen Maßnahmen, um die Unterrepräsentanz von Gemeinderätinnen zu verändern, habe nur teilweise gegriffen.

"Männerfraktionen sind Männerfraktionen geblieben" , so die wichtigste Erkenntnis von Ablinger. In mehr als zwei Dritteln jener Gemeinden, in denen 2003 keine Frauen an wählbarer Stelle für die SPÖ antraten, schaffte es dann auch 2009 wieder keine Kandidatin in den Gemeinderat. In Summe hat sich der Anteil roter frauenloser Gemeinderatsfraktionen sogar noch leicht erhöht, von 99 auf 101.

Reißverschluss-System als Ausweg

Als wirksamstes Mittel gegen diese Diskriminierung nennt die Landesfrauenvorsitzende "die Einführung des Reißverschluss-Systems" . Dieses will sie als Zielvorgabe für die nächsten Wahlen in ihrer Partei durchsetzen. Denn, auch dies ergab die Umfrage, grundsätzlich wollen sich zehn Prozent der Frauen mehr in der Gemeindepolitik engagieren. Dort, wo sie bereits im Gemeinderat sitzen, gelinge die Erhöhung der Quote auch leichter.

"Nur wo Frauen sind, kommen Frauen nach" , belegt Ablinger mit ihrer Auswertung. Der Anteil von SPÖ-Fraktionen mit einem 30-prozentigen Frauenanteil stieg seit 2003 deutlich, von 101 auf 178 Fraktionen, jener mit einem 40-prozentigen Anteil sogar noch mehr, von 36 auf 97. (Kerstin Scheller/DER STANDARD-Printausgabe, 7.6.2010)

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