Viel gesagt, nichts erreicht

6. Juni 2010, 18:06
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Die Zeit, in der die USA mit ihren Verbündeten die weltweite Finanz- und Wirtschaftspolitik bestimmt haben, ist vorbei - Von Bettina Pfluger

Den "sehr hitzigen" Debatten der G-20 Finanzminister sind im südkoreanischen Busan nur wenige Beschlüsse gefolgt. Die großen Brocken der Finanzmarktreform - etwa die globale Bankenabgabe oder schärfere Regeln für die Finanzmärkte - sind gescheitert. Beschlossen wurden lediglich Prinzipien, die als Orientierung dienen sollen. Ohne klaren Vorgaben bleibt die globale Reform aber weiterhin nur ein frommer Wunsch.

Sogar beim ohnehin auf der Hand liegenden Ziel, die massiven Staatsschulden wieder abzubauen, beißt sich die Katze in den Schwanz. Soll rigide gespart werden, was den weltweiten Wirtschaftsaufschwung abwürgen könnte, oder soll auf Pump weiterfinanziert werden, womit das Problem nur auf die lange Bank geschoben wäre? Wenn so die Verständigung der mächtigsten Entscheider aussieht, ist es nicht verwunderlich, dass die weltweite Unsicherheit über den Zustand der Märkte nicht abnimmt.

Das jetzige Treffen hat aber einmal mehr klar gemacht, dass die Welt durch die Krise eine andere geworden ist. Nicht die Großmacht USA, sondern Kanada, Japan und Brasilien haben globale Vorhaben gestoppt - weil sie besser durch die Krise gekommen sind und jetzt nicht an der Rechnung beteiligt werden wollen. Die Zeit, in der die USA mit ihren Verbündeten die weltweite Finanz- und Wirtschaftspolitik bestimmt haben, ist vorbei. Auch weil Europa (als US-Verbündeter) selbst zum Sorgenkind geworden ist. (Bettina Pfluger, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 7.6.2010)

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