Einen Stammwirten sucht man sich nicht aus, er passiert einfach, und dann manchmal es - Fidler zum Beispiel hat einen Vogel - Und: Verraten Sie Ihren Stammwirten?
Die unerschütterliche Schmecks-Leserin, der treue Schmecks-User ahnen schon, was hier kommt. Und sie irren gewaltig. Nein: Sie sind nicht in der rituell hierorts veranstalteten Sodoma-Verehrung gelandet. Auch wenn der Maibock gerade wieder in aller Pracht durch den Frühsommer galoppiert, der Spargel ortsüblich herrlich vinaigriert, und die Kalbswange zart wie selten ist. Auch wenn Steinpilz wie Marillenknödel nicht mehr weit sein können. Auch wenn Susi Sodoma sowieso die Allerbeste ist, und ich mit diesem Ceterum censeo eigentlich längst schon jeden Eintrag schließen sollte. Nein. Darum geht's hier aber gar nicht. Obwohl das natürlich alles einmal, jedenfalls längst wieder einmal gesagt werden müsste.
Damit das Gasthaus zur Sonne auch noch den Titel des Stammwirten bekommen könnte, müsste ich in die Tullner Bahnhofstraße ziehen, oder jedenfalls in die nähere Umgebung. Eigentlich eine gute Idee, aber noch ist es nicht so weit. Der Gute, um den es hier geht, liegt so nah, dass man halt rasch hingeht, weil man grad nicht kochen will, aber auch nicht groß essen, aber trotzdem gut und nach Möglichkeit gleich auch preiswert. Wo keine Fragen mehr nötig sind, wie zm Beispiel das Beiried gefällt, wenn man es einmal bestellt hat.
Fidler hat einen Vogel
Einen Stammwirt sucht man also nur sehr bedingt selbst aus. Er passiert einem. Wenn man Glück hat. Das Glück ist bekanntlich ein kleiner Vogel, jedenfalls in Wien, und den hat der Fidler (manche sagen, keinen kleinen, aber das ist eine andere Geschichte). Selbiger landete am unteren Ende der Berggasse (wo sich ja schon einmal einer auf menschliche Vogelkunde spezialisiert hat).
Genau, ich schreibe vom Rebhuhn. Der nur bedingt flugfähige Vogel landete nach mir in der Gegend, ich brauchte lang, bis ich's endlich ums Eck hinschaffte (auch schon eine Zeit her, womöglich sogar schon einmal bei Schmecks dokumentiert). Und dann brauchte es noch einmal eine Zeit, bis wir uns so richtig anfreundeten, der Vogel und ich. Jetzt hab ich neben einem Lieblingswirten einen Stammwirten.
Das Dressing des Vorspeisensalat mit den Speckwürfeln weckt Jugenderinnerungen ans Cafe Stein, als es meine Generation von Zugereisten noch cool fand. Der ausgesprochen fette Geschmacksnachhall kommt nicht von ungefähr, wenn ich das richtig verstanden habe, betreibt eine ehemalige Stein-Mitarbeiterin das Rebhuhn. Und Matjes, Schopfbraten, Beiried mit Heurigen und Spargel - alles sehr anständig bis ausgezeichnet. Und dass ich's zu zweit noch nie über 50 Euro geschafft hab, liegt an der meist eindrucksvollen Portionsgrößen bei ausgesprochen moderaten Preisen. Und nicht aber daran, dass ich in der Nachbarschaft vermeiden wollte, durch übermäßigen Getränkekonsum aufzufallen.
Trotzdem führt der Titel ein bisschen in die Irre: Ja, ich falle regelmäßig nicht weit vom Stammwirt. Aber nur, und das ausgesprochen zivilisiert, ins eigene Bett.
Stammwirte gesucht
A propos: Verraten Sie mir Ihren Stammwirten (kann auch gern der Lieblingswirt sein)? Gastronomisch geh ich ja gern ab und zu fremd - auch wenn ich dafür ein bisschen weitere Wege in Kauf nehmen muss.
PS: Im Übrigen bin ich der Meinung, Susi Sodoma ist die Beste!
Schmeck's ist keine professionelle Lokalkritik. Harald
Fidler und Freunde schildern hier ihre Erlebnisse beim Essen und
Trinken. Als Dilettanten im Wortsinn: Laien, Amateure, Nichtfachleute,
die eine Sache um ihrer selbst willen ausüben - also zum reinen
Vergnügen. Was nicht immer gelingt.