Der Traum vom Mitregieren

6. Juni 2010, 17:08
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Wiener Grüne wollen mit SP koalieren, laut Umfragen liegen sie derzeit bei 15 Prozent

Die grüne Kandidatenliste für die Wien-Wahl im Oktober ist längst fixiert. Letzten November fanden sich im Austria Center rund 600 Parteimitglieder und Sympathisanten zusammen, um streng basisdemokratisch über die einzelnen Bewerber abzustimmen. Auf den Listenplätzen eins bis vier landeten Maria Vassilakou, David Ellensohn, Sabine Gretner und Rüdiger Maresch, auf Platz fünf das erste neue Gesicht: Martina Wurzer, bisher Assistentin des grünen Justizsprechers im Parlament.

Als Quereinsteiger mischt bald auch Alexander Van der Bellen bei den Wienern mit. Ursprünglich wollten die Stadtökos den ehemaligen Bundesparteichef dieser Tage als neuen Wahlkämpfer vorstellen. Angesichts des wenig erbaulichen Ergebnisses der Grünen im Burgenland will man damit aber noch ein wenig zuwarten. Van der Bellen war anfangs als Gegenkandidat zur schwarzen Bezirksvorsteherin Ursula Stenzel im Gespräch, will sich aber nun lieber um die Themen Wirtschaft und Bildung kümmern. Erklärtes Ziel von Parteichefin Maria Vassilakou ist eine rot-grüne Koalition. Um von der SPÖ zum Mitregieren eingeladen zu werden, müssten die Grünen allerdings einiges dazugewinnen.

Rote Skepsis

Bei der letzten Wien-Wahl vor fünf Jahren schafften die Grünen 14,6 Prozent und sind somit fast gleichauf mit der FPÖ (14,8 Prozent), die ÖVP kam damals auf 18,7 Prozent. Im Fall eines Verlustes ihrer Absoluten würde die SPÖ wohl zuerst bei der VP vorstellig werden. Schließlich hat man mit den Stadtschwarzen bereits Regierungserfahrung - zuletzt von 1996 bis 2001.

Zudem ist neben Bürgermeister Michael Häupl auch das zweitmächtigste Regierungsmitglied, Finanzstadträtin Renate Brauner, den Stadtökos nicht gerade wohl gesonnen. Als Grün-Verbinder gelten hingegen Integrationsstadträtin Sandra Frauenberger und Bildungsstadtrat Christian Oxonitsch - beide haben innerparteilich aber zu wenig Einfluss, um Rot-Grün durchzusetzen.

Freundliche Nasenlöcher

Sicherheitshalber machen die Stadtökos trotzdem freundliche Nasenlöcher in Richtung SPÖ. Wegen der Kostenexplosion bei der Sanierung der Zentralfeuerwache brachten FP und VP kürzlich im Gemeinderat einen Misstrauensantrag gegen Brauner ein. Die Grünen, die in den letzten Jahren mit Kritik an der SPÖ nicht gerade geizten, lehnten den Antrag ab - mit der Begründung, die Wiener sollten sich vor der Wahl selbst ein Bild von Renate Brauner machen.

Derzeit sitzen 14 grüne Gemeinderäte im Stadtparlament. Laut Umfragen pendeln sich die Grünen bei 15 Prozent ein. Große Stimmenzuwächse sagt ihnen kein Meinungsforscher voraus. Auf Bezirksebene ist die Ökopartei in zwei Hieben an der Macht: in Neubau und in der Josefstadt. Als weitere grüne Hoffnungsgebiete gelten der rot regierte sechste und der schwarze vierte Bezirk. (Martina Stemmer/DER STANDARD-Printausgabe, 7.6.2010)

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