A1-Chef: Verdienen gut, trotz Niedrigpreisen

6. Juni 2010, 14:53
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Hannes Ametsreiter über mobile Hoffnungsträger und "nicht zufriedenstellenden" Mobilfunk

An der Telekom Austria und der Mobilkom Austria ist der zunehmende Wettbewerb nicht spurlos vorübergegangen. Der "Österreiche Markt bietet nur Platz für drei Mobilfunker", doch trotz sinkender Umsätze und Niedrigpreisen würde man laut Generaldirektor Hannes Ametsreiter gut verdienen. "Wir sind zufrieden." Für die Zukunft soll daher weiter auf den Ausbau des Glasfasernetzes gesetzt werden, da Mobilfunk allein oft nicht zufriedenstellen würde. Neue Einnahmequellen sollen das iPad und andere mobile Geräte werden und die Vielfalt am Handy-Markt sei gut für die Kunden. Wie sieht es also mit dem iPhone bei A1, Android und dem kommenden Windows Phone 7 aus? "Wir fahren am besten damit, wenn wir alle Plattformen anbieten", sagt Ametsreiter im Interview mit dem WebStandard.

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derStandard.at: Herr Ametsreiter, als Sie vor rund einem Jahr die Mobilkom Austria und die Telekom Austria von Ihrem Vorgänger übernommen haben, waren Sie häufig in den Medien vertreten und haben selbst sehr viele Veranstaltungen gehalten. In den vergangenen Monaten ist es ruhiger um Sie geworden. Woran liegt das, ist Ihnen das vielleicht alles ein bisschen zu viel geworden?

Ametsreiter: Gar nicht. Alles Neue hat natürlich seinen Reiz und vermutlich war damals deswegen die Berichterstattung mehr. Ich sehe da aber eine recht starke Kontinuität. Die Frage ist nach einem Jahr, ob man das gehalten hat, was man versprochen hat.

derStandard.at: Und haben Sie gehalten, was Sie versprochen haben?

Ametsreiter: Nun, wir haben damals ja einige Dinge begonnen. Zum ersten Mal in diesem Konzern haben wir unsere Glasfaser-Strategie dargelegt und erklärt zunächst zwei Städte - Villach und Klagenfurt - ausbauen zu wollen. Villach ist heute zu 100 Prozent mit Glasfaser versorgt. In Klagenfurt liegen wir bei 37 Prozent. In Wien haben wir gerade mit der Verlegung im 15. und 19. Bezirk begonnen. Ich glaube, wir haben es geschafft, den Markt für Glasfaser zu begeistern. Es ist ganz wichtig in Infrastruktur zu investieren, weil nur die Infrastruktur die Gesellschaft zu einer Wissensgesellschaft weiterentwickeln wird.

derStandard.at: Bis wann soll denn ganz Wien mit Glasfaser ausgebaut werden?

Ametsreiter: Ich kann jetzt nur für den 15. und 19. Bezirk sprechen. Da ist unser Ziel bis 2011 mit dem Ausbau fertig zu sein. Darüber hinaus kann ich noch nichts sagen, da wird es auch auf die Regulierung ankommen.

derStandard.at: Ganz offen in den Medien diskutiert wurde einige Zeit lang auch der Plan, mit mehreren Anbietern gemeinsam ein Glasfasernetz zu schaffen. Was ist denn aus dieser Idee geworden?

Ametsreiter: Der RTR hat damals zu einem Festnetz-Gipfel eingeladen und ich habe damals im Namen der TA alle Anwesenden dazu eingeladen gemeinsam zu investieren. Es kam nur leider keine Rückmeldung. Daraufhin haben wir unsere eigene Glasfaser-Strategie verfolgt und auch den Ausbau von VDSL begonnen. Da haben wir gesagt, dass wir bis Ende 2012 750.000 Haushalte erschließen wollen, jetzt liegen wir bei 375.000 Haushalten. Unser Ziel werden wir demnach wohl wesentlich früher erreichen.

derStandard.at: Vor einigen Wochen meinten Sie auf einer Pressekonferenz, Sie würden bereits ein iPad besitzen. Was halten Sie denn davon?

Ametsreiter: Es ist ein tolles Produkt. Tolles Design, tolle Usability. Es ist Geschmackssache für welches Produkt man sich entscheidet, aber ich halte den Ansatz schon für revolutionär. Ich denke, es kann von Bestand sein, wenn es sich als Ebook etabliert und die Leute es überall hin mitnehmen. Ich glaube aber nicht, dass es Notebooks ersetzen kann. Aber die Möglichkeit, Multimedia auf eine angenehme, sehr gut strukturierte Weise nützen zu können, ist schon etwas, das mich glauben lässt, dass hier die Mediennutzung revolutioniert werden könnte.

derStandard.at: Verwenden Sie es im Alltag?

Ametsreiter: Es ist jetzt nicht so, dass ich es täglich verwende. Da habe ich mehr Gebrauch für ein Notebook. Das hat aber mit der beruflichen Tätigkeit zu tun, dass ich das eine lieber nutze, als das andere. Aber ich setze das iPad ein. Sei es für Fotos, Bücher oder andere Multimedia-Aufgaben.

derStandard.at: Wie groß schätzen Sie denn die Chancen ein, dass die Mobilfunker davon profitieren werden können?

Ametsreiter: Wir profitieren von allen mobilen Geräten, wenn sie zusätzlich verwendet werden. Denn das bedeutet für die Mobilfunker eine zusätzliche SIM-Karte und dadurch zusätzliche Einnahmen.

derStandard.at: Sie haben aber einmal gemeint, dass es auch für das Festnetz etwas bringt...

Ametsreiter: Absolut. Wir sprechen hier vom konvergenten Netz. Wenn Sie mit dem Smartphone oder einem anderen mobilen Gerät (in ein Gebäude) reinkommen, werden Sie vom Gerät aktiv gefragt, ob Sie das lokale WLAN nutzen wollen, weil WLAN eine schnellere und stabilere Nutzung mit sich bringt. Wir wollen alle Technologien so miteinander kombinieren, dass der Kunde immer die schnellste Verbindung erhält und nicht überlegen muss. Das iPad ist daher für uns das Paradebeispiel für ein konvergentes Produkt.

derStandard.at: Aber gerade das iPad lädt doch dazu ein, nur noch das Mobilfunknetz zu nutzen, wenn es trotz Portabilität auch Aufgaben eines Desktop-PCs oder Laptops ersetzt. Glauben Sie nicht, dass es den Kunden dann egal sein wird, ob Sie damit ein wenig schneller im Internet-Surfen oder ihre Emails empfangen?

Ametsreiter: Wir sprechen hier jetzt im besten Fall von Mobilfunk-Technologien wie HSDPA. Die Geschwindigkeit liegt hier bei 7,2 MBit/s. Dann teilen Sie diese Bandbreite in städtischen Gebieten einmal durch 300 gleichzeitige Nutzer. Dann kommen Sie (zur Hauptzeit) um 21 Uhr auf eine Geschwindigkeit, mit der Sie vermutlich nicht zufrieden sind. Deshalb setzen wir auf die Kombination von Festnetz und Mobilfunk. Das ist zur Hauptnutzungszeit sicherlich besser.

derStandard.at: Wenn Sie so über HSDPA sprechen, klingt das jetzt aber so, als würden Sie Ihr eigenes Produkt schlecht reden...

Ametsreiter: Überhaupt nicht. Es ist nur so, dass eine Mobilfunk-Infrastruktur physikalische Einschränkungen hat. Sie müssen die Bandbreite mit anderen teilen.

derStandard.at: In der Werbung sagen Sie das aber nicht.

Ametsreiter: Ja, aber ich sage Ihnen das jetzt im Interview. Das ist aber nichts Neues und deshalb sagen wir in der Werbung auch "bis zu".

derStandard.at: Ein Produkt, dass besonders für den Mobilfunk interessant ist, ist das iPhone. Wir wissen von unseren Lesern, dass viele A1-Kunden gerne ein iPhone nutzen würden - wann wird es bei A1 erhältlich sein?

Ametsreiter: Ich habe immer gesagt, dass das iPhone ein interessantes Handy ist. Das war ein Wake-up-Call für die gesamte Branche. Was Sie aber auch wissen, ist, dass es Exklusivverträge gibt. Wie es danach weiter geht, liegt nicht bei uns, sondern bei Apple.

derStandard.at: Als Alternative setzt A1 immer stärker auf Android-Handys. Hoffen Sie, dass Android eine stärkere Plattform wird? Nicht zuletzt profitieren Mobilfunker auch vom Shared-Geschäftsmodell Googles (Mobilfunker erhalten 30 Prozent von den Einnahmen durch verkaufte Apps).

Ametsreiter: Wir glauben daran, dass wir am besten damit fahren, wenn wir alle Plattformen anbieten. Es gibt ja nicht nur iPhone und Android. Der Kunde entscheidet und das ist gut so. Der natürliche Wettbewerb wird für viele Innovationen sorgen. Daher ist es umso besser, je mehr mitmachen.

derStandard.at: Was halten Sie denn von Microsofts kommendem Windows Phone 7?

Ametsreiter: Es ist sicher eine gute Entwicklung. Wie weit sie damit kommen werden, ist schwer zu sagen. Bislang hatte es Microsoft am Mobilfunk-Markt nicht leicht und es wird auch weiterhin nicht leicht werden. Auf der anderen Seite darf man einen Spieler wie Microsoft auch nie unterschätzen. Daher ist es ein offenes Rennen.

derStandard.at: Wäre es aus Sicht eines Mobilfunkers auch interessant mit dem direkten Verkauf von Applikationen Geschäfte zu machen? A1 bietet ja jetzt schon einige kostenlose Apps an.

Ametsreiter: Man kann damit sicher ein Geschäft machen. Ob wir in Zukunft auch kostenpflichtige Apps anbieten werden? Kann gut sein. Oft ist eine App auch nur ein Mehrwert für unseren Dienst. Beispielsweise bieten wir eine TV-App für unsere Android-Kunden an.

derStandard.at: Wie oft wurde die bereits heruntergeladen?

Ametsreiter: Fast jeder unserer Android-Kunden macht das.

derStandard.at: Was Smartphones in jedem Fall für Mobilfunker interessant machen dürfte ist, dass man in Kombination attraktive Tarife anbieten kann. Trotz Smartphone-Boom ist im letzten Quartal bei allen heimischen Anbietern der Umsatz pro Kunde zurückgegangen. Was werden Sie denn tun, um das zu ändern?

Ametsreiter: Der Umsatz wird durch mehrere Faktoren gedrückt: Durch die Roaming-Regulation, die Interconnection-Regulation und die Preisentwicklung. Wir müssen dadurch neue Wege finden, wie wir effizienter werden. Dazu trägt auch der "konvergente Technologien"-Ansatz bei. Gleichzeitig sind wir ständig auf der Suche nach neuen Services. Apps tragen dazu bei, auch neue Endgeräte beim mobilen Breitband. Der Payment-Bereich entwickelt sich ebenfalls exzellent. Über 35 Prozent aller Autofahrer nutzen etwa bereits M-Parking.

derStandard.at: Wie wichtig ist der Payment-Bereich bereits - auf den Umsatz umgelegt?

Ametsreiter: Das ist ein ordentlicher, mittlerer, zweistelliger Millionenbetrag.

derStandard.at: Orange und T-Mobile sehen einen Gutteil ihrer Probleme im harten Wettbewerb begründet und meinen, es gibt einen Mobilfunker zu viel. Teilen sie diese Einschätzung?

Ametsreiter: Wir sagen seit Jahren, dass der österreichische Markt nur Platz für drei Mobilfunker bietet. Da sind wir uns durchaus einig. Zuallererst sollte man aber die Hausaufgaben richtig machen und das bestmögliche Netz und das beste Service für den Kunden bieten.

derStandard.at: Sehen Sie aber auch, dass "3" für den verschärften Wettbewerb verantwortlich ist?

Ametsreiter: Die Rolle des Preistreibers hat immer wieder gewechselt. Das würde ich nicht nur einem Betreiber zuschreiben.

derStandard.at: T-Mobile moniert, dass durch den anhaltenden Preisverfall irgendwann die Mittel für Investitionen in den Netzausbau fehlen werden. Sehen Sie das auch so?

Ametsreiter: Wir wollen die beste Netzqualität bieten und müssen uns daher den Netzausbau leisten können. Aber ich sehe derzeit keinerlei Anzeichen, dass wir uns das nicht leisten könnten.

derStandard.at: Das heißt, man kann trotz Niedrigpreisen recht gut verdienen?

Ametsreiter: Wir sind zufrieden.

derStandard.at: Apropos Investitionen: Sie haben den nächsten Mobilfunkstandard LTE bereits im Labor mit über 100 MBit/s getestet. Wann ist es außerhalb der Labors soweit?

Ametsreiter: Dazu wollen wir noch nichts sagen.

derStandard.at: Aber für wie sinnvoll halten Sie es, dass man jetzt schon in die nächste Technologie investiert?

Ametsreiter: Das ist ein ganz natürlicher Sprung von der dritten in die vierte Generation. Wann er genau geschehen wird, kann ich nicht sagen, aber die Richtlinie ist klar. Wir erhoffen uns dadurch eine höhere Spektraleffizienz und natürlich interessantere Angebote für die Kunden.

derStandard.at: Die Telekom Austria etabliert sich auch zunehmend als TV-Anbieter. Wie schätzen Sie denn die neueren Entwicklungen in diesem Bereich ein? Google etwa will mit Google TV das Internet und Fernsehen verschmelzen.

Ametsreiter: Unglaublich spannende Entwicklung. Einige der Funktionen sind über IPTV jetzt schon möglich. Besonders interessant für uns ist vor allem die Vernetzung der Geräte. Etwa kann man bei uns den Fernseher mit dem Handy bedienen. Es geht um eine kantenlose, Plattform-übergreifende Nutzung von Content. Daran arbeiten wir. (Zsolt Wilhelm, Markus Sulzbacher, derStandard.at, 6.6.2010)

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    Hannes Ametsreiter ist Generaldirektor der Telekom und Mobilkom Austria

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    "Es ist ganz wichtig in Infrastruktur zu investieren, weil nur die Infrastruktur die Gesellschaft zu einer Wissensgesellschaft weiterentwickeln wird."

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