Arbeitsmarkt-Experte kritisiert fehlende Sanktionen

6. Juni 2010, 10:28
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Rene Böheim von der Kepler Uni sieht keine große Veränderung durch Einkommensbericht: "Fakten liegen seit Jahrzehnten am Tisch"

Wien - Mit Beginn nächsten Jahres sollen Unternehmen mit mehr als 1.000 MitarbeiterInnen verpflichtet werden, einen jährlichen Einkommensbericht zu den durchschnittlichen Gehältern von Männern und Frauen zu erstellen. Sanktionen für säumige Betriebe sind allerdings nicht geplant. Skeptisch, wenn nicht gar pessimistisch, zeigt sich deshalb der Arbeitsmarkt-Experte Rene Böheim von der Johannes Kepler Uni Linz.

Wenige Betriebe betroffen

"Ich sehe keine große Veränderung durch dieses Instrument. Ich bin skeptisch und glaube es wird sich nicht viel ändern, weil es keine Sanktionen bei einem Verstoß gibt, es nur eine Minderheit der Betriebe, nämlich die ganz großen, betrifft und es ist nicht ganz klar, inwiefern die Unternehmen Gestaltungsspielraum haben, wie sie Gehaltsunterschiede verstecken könnten - zum Beispiel durch Beförderungen", erklärte Böheim.

Vergebliches Hoffen auf Bewusstseinsbildung

An Sanktionen wäre seiner Meinung nach "alles möglich", von Strafzahlungen bis dahin, dass Firmen bei öffentlichen Auftragsvergaben nicht berücksichtigt werden. Auch dem Argument, die geplante Maßnahme trage zur Bewusstseinsbildung bei, kann er wenig abgewinnen: "Wer es heute noch nicht begriffen hat, der will es nicht sehen. Die Einkommensunterschiede betragen zwischen zehn und 20 Prozent. Diese Fakten liegen seit Jahrzehnten am Tisch."

"Zu wenig"

Auf dem Weg zur Gleichstellung plädiert er für größtmögliche Transparenz, dies würde auch die Einkommensschere verringern. Er verweist auch auf "kulturelle Faktoren", so seien Frauen bei Gehaltsforderungen wesentlich zurückhaltender als ihre männlichen Kollegen. Generell meinte er zur geplanten Regelung: "Ich freue mich, dass sich etwas tut. Das ist aber zu wenig."

Gruppenzwang

Alexandra Bader, Betreiberin des Online-Portals "Ceiber-Weiber" sieht im geplanten Einkommensbericht zumindest einen ersten Schritt hin in Richtung Gleichbehandlung, aber: "Als Handhabe, wenn jemand Frauen und Männer ungleich behandeln möchte, ist es glaube ich nicht geeignet. Aber ich habe die Hoffnung, dass, wenn es sich einmal eingebürgert hat, die anderen mitziehen." (APA)

  • Auf dem Weg zur Gleichstellung plädiert Arbeitsmarkt-Experte Rene Böheim für größtmögliche Transparenz: Dies würde auch die Einkommensschere verringern.
    foto: derstandard.at/yeoh

    Auf dem Weg zur Gleichstellung plädiert Arbeitsmarkt-Experte Rene Böheim für größtmögliche Transparenz: Dies würde auch die Einkommensschere verringern.

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