Blutige Eskalation im Streit um Thunfisch-Fang

6. Juni 2010, 13:30
41 Postings

Umweltschützer verletzt - Raufhandel - Gegenseitige Beschuldigungen

Paris - Am französischen Mittelmeer eskalierte am Wochenende der Streit zwischen Thunfisch-Fängern und Umweltschützern. Am Freitag soll eine von Fischern abgefeuerte Harpune einen Greenpeace-Aktivisten schwer verletzt haben. Am Samstag flammte der Disput erneut auf. Bei einer Protestaktion im Hafen von Marseille seien Fischer mit den Fäusten auf demonstrierende Aktivisten losgegangen, berichtete Greenpeace. Die Männer hätten außerdem tversucht, die Umweltschützer ins Hafenbecken zu werfen.

Die Fischer stellen die Geschehnisse anders dar. Sie warfen den Umweltschützern gewalttätige Aktionen und verantwortungslose Piraterie vor. Die illegalen Versuche, den Thunfisch-Fang zu stoppen, gefährdeten die Lebensgrundlage zahlreicher Familien, sagte ein Sprecher des Fischerverbandes CNPMEM. Unabhängige Zeugenaussagen zu den vergangenen Tagen gab es vorerst nicht. Die französische Regierung forderte die Umweltschützer auf, die Fischer ihre Arbeit verrichten zu lassen.

Nach Darstellung von Greenpeace hatte am Freitag eine Harpune den Unterschenkel des britischen Aktivisten Frank Hewetson durchbohrt. Der 45-Jährige hatte zusammen mit anderen Aktivisten Thunfische aus den Netzen des französischen Fangschiffes "Jean Marie Christian 6" befreien wollen. Greenpeace berichtete weiters von Schüssen mit Leuchtmunition und Attacken mit an Stöcken befestigten Messern. Zwei der sieben Greenpeace-Schlauchboote sollen bei der Aktion auf hoher See versenkt worden sein.

Der verletzte Hewetson wurde mit einem Hubschrauber in ein Krankenhaus auf Malta geflogen und dort operiert. Lebensgefahr bestand nicht. "Ich habe geschrien wie ein achtjähriges Mädchen", berichtete Hewetson der britischen Zeitung "The Sunday Times" über die Attacke. Dennoch hätten die Fischer zunächst nicht abgelassen und versucht, sein Boot zu versenken.

Die Umweltschützer versuchen bereits seit Beginn der Fangsaison Mitte Mai, die Fischer zu stören. Unter anderem wurden Schiffe am Auslaufen gehindert. "Wir haben die Pflicht, alles zu tun, um das Aussterben dieser Art zu verhindern", kommentierte Emmanuel Buovolo von Greenpeace Frankreich die Aktionen. Nach Angaben von Wissenschaftern ist die Zahl erwachsener Blauflossen-Thunfische - auch Roter Thun genannt - im Mittelmeer in den vergangenen 20 Jahren um 80 Prozent gesunken.

Die französischen Thunfisch-Fänger dürfen in diesem Jahr mit staatlicher Erlaubnis bis zum 15. Juni auf Fang gehen. Insgesamt haben 17 Schiffe eine Genehmigung dafür erhalten. Denn ungeachtet der bedrohlich geringen Bestände unterstützt die Europäische Union bisher kein bedingungsloses Handelsverbot für Blauflossen-Thunfische.

Mitte März dieses Jahres beschlossen Vertreter der 27 EU-Staaten zwar, sich grundsätzlich für ein Verbot des internationalen Handels mit diesem Fisch einzusetzen. Erst solle aber die Konferenz der Internationalen Kommission für den Schutz des Atlantischen Thunfischs ICCAT im Herbst abgewartet werden, die über aktuelle Daten zu den Beständen berichten soll. Ein Verbot könnte damit frühestens im Mai 2011 in Kraft treten. (APA)

  • Aktivisten mit Harpune attackiert.
    foto: epa/paul hilton

    Aktivisten mit Harpune attackiert.

Share if you care.