"Made in Austria kostet viel Geld"

5. Juni 2010, 13:51
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Schlafphasenwecker-Erfinder Eis rät Firmengründern zu Hausverstand

Ungeachtet wichtiger historischer Erfindungen wie der Schiffsschraube, Wasserturbine oder Schreibmaschine wird Österreich heute kaum als Erfinderstätte wahrgenommen. Dabei wird oftmals übersehen, dass auch global erfolgreiche Technologie- und Internet-Start-ups wie Jajah und 123people ihre Wurzeln in Österreich haben. Dass man mit einem Start-up "Made in Austria" erfolgreich sein kann, beweist auch der österreichische Erfinder Boris Eis.

Schlafphasenwecker als Exportschlager

Aus einer Studentenidee heraus entwickelte Eis ausschließlich mit österreichischen Partnerfirmen den aXbo Schlafphasenwecker, der Anfang 2006 das Licht der Welt erblickte. "Konzeption, Design und Produktion stammen aus Österreich, was sicher ungewöhnlich für ein derartiges Produkt ist", erklärt Eis im Interview mit pressetext. Mittlerweile wurden über 40.000 Einheiten des innovativen Weckersystems in die ganze Welt verkauft, der Exportanteil beträgt über 90 Prozent.

"Natürlich kostet 'Made in Austria' viel Geld", spricht Eis auf die Geräteproduktion fernab asiatischer Fabriken an. "Gleichzeitig gab und gibt es uns die Möglichkeit, die Produktionsprozesse vor Ort zu begleiten und etwaige Fertigungsprobleme frühzeitig zu erkennen. Einen vergleichbar guten Partner in Fernost zu finden, der die erforderliche Qualität bei so einem komplexen Produkt liefern kann, ist für ein kleines Start-up sehr schwierig", erklärt Eis. Dass die Vorsicht durchaus berechtigt ist, musste zuletzt etwa der deutsche Kindle-Herausforderer txtr schmerzlich erfahren.

Mit Förderungen zum Erfolg

Was das nötige Startkapital betrifft, ist die Situation in Österreich ebenfalls ein zweischneidiges Schwert. "Im Consumer-Electronics-Bereich ist es sehr schwierig, in Österreich Investoren zu finden. Auf der anderen Seite ist die Förderungssituation für Start-ups durch Institutionen wie die Forschungsförderungsgesellschaft (FFG), das aws - Austria Wirtschaftsservice, aber auch die Wirtschaftskammer ausgezeichnet", sagt Eis.

Jungunternehmern rät der findige Geschäftsmann, sich gerade in der Anfangsphase gut beraten zu lassen und die eigenen Geschäftsziele ehrlich zu hinterfragen. "Mit kleinen Schritten kommt man leichter zum Ziel. Darüber hinaus ist neben Eigeninitiative und Vehemenz vor allem auch Hausverstand gefragt", so Eis. Um die Wünsche von Kunden bereits in der Konzeptionsphase des Schlafphasenweckers zu berücksichtigen, organisierte Eis privat eine Umfrage unter mehreren Hundert Leuten, deren Ergebnisse schließlich in das Design und die angebotenen Funktionalitäten des aXbo einflossen.

Optimaler Weckzeitpunkt als Aufwachhilfe

Schlafphasenwecker versprechen, allmorgendlich den optimalen Weckzeitpunkt aufgrund von Körperbewegungen zu treffen. Dabei machen sich derartige Geräte den Umstand zunutze, dass der Mensch in der Nacht unterschiedliche Schlafphasen zyklisch durchläuft. Während sogenannte Fast-Wach-Momente als günstige Weckzeitpunkte gelten, sorgt etwa das abrupte Aufwecken in einer der Tiefschlafphasen für einen entsprechend beschwerlichen Start in den Tag. Innerhalb eines gewählten Zeitfensters weckt ein Schlafphasenwecker den Schlafenden aufgrund seiner Bewegungen zum günstigsten Zeitpunkt auf.

Während der aXbo als klassischer Wecker in futuristischem Design konzipiert ist - die Bewegungssensorik ist in einem Frottee-Armband untergebracht - setzt der Mitbewerber beim Konkurrenzprodukt Sleeptracker auf die Unterbringung der Funktionalitäten in einer Armbanduhr. Bei beiden Produkten können die Schlafdaten über einen längeren Zeitraum aufgezeichnet und ausgewertet werden. Sowohl der aXbo mit 179 Euro als auch auch das Einsteigermodell des Sleeptracker sind mit 139 Euro im höherpreisigen Marktsegment angesiedelt.

iPhone-Applikation als Alternative

Als Einstieg in die Schlafphasenwecker-Welt bietet sich zudem die iPhone-Applikation Sleep Cycle Alarm Clock an. Diese kostet gerade einmal 79 Cent, erfordert aber, dass das Telefon eingeschaltet im Bett platziert werden muss. "Wettbewerb kurbelt den Markt an", gibt sich der aXbo-Erfinder gegenüber pressetext zuversichtlich. "Unter gewissen Voraussetzungen funktioniert die iPhone-Applikation relativ gut, das Gesamtsystem ist meiner Meinung nach aber alles andere als komfortabel. Abgesehen davon wollen viele sicherlich nicht mit einem Mobiltelefon direkt neben ihrem Kopf schlafen", so Eis

Aktuell ist Boris Eis mit seinem Unternehmen infactory innovations & trade gmbh für den Exportpreis der Wirtschaftskammer Österreich nominiert. Die Preisverleihung findet am 10. Juni im Rahmen des "Österreichischen Exporttages" statt. (pte)

  • Schlafphasenwecker als Start-up-Idee
    foto: hersteller

    Schlafphasenwecker als Start-up-Idee

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