Die Furcht vor der Spielerflucht

5. Juni 2010, 13:48
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Nach dem Abgang von Trainer Rafael Benitez fürchten die Reds Massenabwanderungen im Kader - 85 Millionen Euro-Angebot für Torres?

Nach dem Abgang von Trainer Rafael Benitez steht der englische Traditionsverein FC Liverpool möglicherweise vor einem Umbruch. Wie englische Medien berichten, fürchtet der laut Forbes sechstwertvollste Klub der Welt den Abgang mehrerer verdienter Spieler. Fernando Torres, Steven Gerrard, Javier Mascherano, Youssi Benayoun und Pepe Reina werden als mögliche Kandidaten für Wechsel genannt.

Für Fernando Torres soll Chelsea ein Angebot für 70 Millionen Pfund (85 Millionen Euro) vorbereiten. Auch Manchester City wäre an "El Nino" interessiert und finanziell potent, kann aber keinen Champions League-Startplatz vorweisen. Der spanische Stürmerstar hatte jüngst betont, er sei mit Klub und Vertrag sehr zufrieden. Doch selbst, wenn er dem Lockruf der Abramovitsch-Millionen wiederstehen würde - ob Liverpools Eigentümer Tom Hicks und George Gillett ein solches Geldpaket im Angesicht der Klubschulden ablehnen, ist fraglich.

Die Blues aus London sollen außerdem einen Deal um Youssi Benayoun für 7 Millionen Euro anstreben. Der israelische Teamkapitän könnte als Ersatz für Joe Cole an die Stamford Bridge abwandern, will nach seinem Urlaub über seine Zukunft entscheiden.

Die schmerzhafteste Unsicherheit für Liverpool-Fans dürfte aber der mögliche Wechsel von Steven Gerrard sein. Der Neo-England-Kapitän und Liverpool-Regisseur soll auf Jose Mourinhos Wunschliste bei Real Madrid ganz oben stehen. 37 Millionen Euro stehen für den 30-jährigen Starspieler aus dem eigenen Nachwuchs als Angebot im Raum.

Ganz und gar nicht glücklich mit dem Abschied von Benitez soll neben Torhüter Pepe Reina auch der argentinische Mittelfeldstaubsauger Javier Mascherano sein. Er liebäugelt angeblich mit einem Wechsel zu Champions League-Sieger Inter Mailand (wo auch Benitez im Gespräch ist). Auch hier soll die Wechselsumme rund 37 Millionen Euro betragen.

Die Zukunft der meisten Spieler wird sich wahrscheinlich erst nach der Weltmeisterschaft endgültig entscheiden.

Schulden als Last für den sportlichen Erfolg

Für die Stars im Team von Liverpool ist nicht nur der Trainerwechsel ein Anlass zur Sorge, auch die anscheinend weiter anhaltende Sparsamkeit der Vereinsleitung stellt für sie die sportlichen Erfolgsaussichten in Frage. Benitez hatte deswegen schon in der vergangenen Saison angekündet, mehr Fokus auf die Integration von Nachwuchsspilelern zu legen.

Laut Medienberichten sollen dem spanisches Ex-Coach, der sich immer wieder mit Hicks und Gillet angelegt hatte, vor seinem Abgang abermals nur geringe Mittel zur Kaderstärkung zugesichert worden sein. Dem hatten die Eigentümer widersprochen, und tatsächlich hatte sich Benitez am Transfermarkt jüngst prominent umgehört (u.a. tauchten Namen wie Karim Benzema, Yaya Toure, Adriano, David Bentley, Joe Cole, David Silva oder Jesus Navas auf). Kurz darauf wurde er allerdings aus dem Vertrag gekauft. Gleichzeitig beteuerten Hicks und Gillet auch, dass keine Starspieler verkauft würden um Schulden zu tilgen.

Die Hoffnungen der Anhänger ruhen trotzdem auf neuen Investoren. Die amerikanischen Eigentümer sind auf der Suche nach ihren eigenen Nachfolgern, verlangen allerdings mit 570 Millionen nahezu die dreifache Summe, die sie 2007 bei ihrer Übernahme bezahlt hatten. Sie hatten das Geld dazu geliehen und den Traditionsverein mit den Schulden beladen. Diese belaufen sich insgesamt auf 270 Millionen Euro, eine Summe die mit den kolportierten Abgängen wohl stark schrumpfen würde.

Für die Nachfolge von Benitez (der einen über 7 Millionen Euro schweren Golden Handshake erhalten hat) werden Roy Hodgson (Fulham) und Louis Van Gaals (Bayern München) hoch gehandelt. Sie sollen als erste Kandidaten angesprochen werden. Auch Harry Redknapps (Tottenham) Name tauchte bereits auf. Martin O'Neill gilt (weil er sich auch bei Aston Villa mit den Eigentümern anlegte) wie Ex-Manchester City-Coach Mark Hughes (wegen seinem eher schlechten Stand bei den Fans der Reds) als Außenseiter.

Liverpool-Legende Kenny Dalglish ist zumindest als Überbrückungskandidat denkbar. Der bei vielen Fans als bester Reds-Spieler aller Zeiten geltende Schotte hatte als Spielertrainer die letzten drei Meistertitel für Liverpool geholt. Er leitet im Moment die Suche nach einem neuen Trainer, hat aber selbst seit zehn Jahren nicht mehr als Coach agiert. (tsc, derStandard.at, 5.6.2010)

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    Besonders ihren "Stevie G" würden die Liverpool-Fans nur ungern ziehen lassen

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