Vier Kipferln und ihre Konkurrenzfähigkeit

4. Juni 2010, 19:23
11 Postings

Die Bauten im sogenannten "Viertel Zwei" wurden schon mehrfach ausgezeichnet. Vorletzte Woche wurde das Teilprojekt "Rund Vier" von der ÖGNI mit Silber zertifiziert

Die Bauten im sogenannten "Viertel Zwei" am Rande des Wiener Praters wurden schon mehrfach ausgezeichnet. Vorletzte Woche wurde das Teilprojekt "Rund Vier" von der ÖGNI mit Silber zertifiziert.

Pech gehabt. Wenn im Juni ausgerechnet der Winter ausbricht, ist von der Freiraumqualität im Business-Cluster "Viertel Zwei" nicht viel zu sehen. Verschwunden all die Sushi essenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Blazer und Sakko, die sich in der Mittagspause unten am Teich auf die Stufen setzen und die Füße ins Wasser stecken.

"Für Wiener Verhältnisse ist so eine hochwertige Freiraumgestaltung im Office-Bereich sehr ungewöhnlich", sagt Dieter Henke vom planenden Architekturbüro henke schreieck. Langfristig könnten Auftraggeber und Mieter von so einem Konzept aber nur profitieren: "Was kann man sich mehr wünschen als Mitarbeiter, die sich an ihrem Arbeitsplatz sichtlich wohlfühlen?"

"Das rechnet sich"

Und ja, hier habe man definitiv mehr Geld als österreichweit üblich in die Hand genommen, bestätigt Auftraggeberin Sabine Ullrich, Geschäftsführerin der IC Projektentwicklung GmbH (siehe auch Interview). Mit Kalkül: "Das rechnet sich. Alles nur eine Frage der Zeit."

Neben grünen Hügeln und See mit Sitzgelegenheiten rundherum (Freiraumplanung Wes & Partner) zeichnet sich das Viertel Zwei am Rande des Wiener Praters aber vor allem durch seine Architektur aus. Neben einigen anderen Bauabschnitten von Martin Kohlbauer, henke schreieck sowie Zechner & Zechner ziehen dieser Tage die letzten Mieter in die vier kipferlartigen Gebäude namens "Rund Vier" ein. Die Besonderheit an diesem 44 Millionen Euro teuren Teilprojekt: Mit Nutzflächen um die 5000 Quadratmeter eignen sich diese Objekte vor allem als sogenannte Company-Buildings, bei denen ein Unternehmen gleich ein ganzes Haus besiedelt. In dieser Größenordnung ist das eine Seltenheit auf dem österreichischen Büromarkt.

Abgespeckte Haustechnik

Die Fensterbrüstungen sind mit 72 Zentimetern exakt der Schreibtischhöhe angepasst. "Das ist zwar nur ein kleines Detail", sagt Architekt Gavin Rae, Projektleiter bei Rund Vier, "doch die Summe vieler solcher kleiner Details wirkt sich auf die Qualität der Innenräume aus. Da die Bauteile an den Innenseiten nur gespachtelt und gestrichen, nicht aber mit Gipskarton verkleidet wurden, konnte in den Büroräumen zu Heiz- und Kühlzwecken eine Betonkernaktivierung vorgesehen werden."

Viel mehr blieb vom einst ambitionierten Haustechnikkonzept, das von henke schreieck vorgesehen war, nicht übrig. Trotz des kürzlich verliehenen Silberzertifikats durch die Österreichische Gesellschaft für nachhaltige Immobilienwirtschaft (ÖGNI) handelt es sich bei der Gebäudetechnik bestenfalls um guten Durchschnitt. Der Qualität des Projekts tut dies keinen Abbruch. Viel besser kann man gewinnorientierte Investorenarchitektur in Krisenzeiten nicht machen. (Wojciech Czaja, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 5./6.6.2010)

  • Bei den vier Bürosolitären "Rund Vier" mussten zwar einige bautechnische
 Kompromisse eingegangen werden. Dennoch wurden die Company-Buildings 
erst kürzlich mit ÖGNI-Silber zertifiziert.
    foto: ic projektentwicklung

    Bei den vier Bürosolitären "Rund Vier" mussten zwar einige bautechnische Kompromisse eingegangen werden. Dennoch wurden die Company-Buildings erst kürzlich mit ÖGNI-Silber zertifiziert.

Share if you care.