Erfunden, vertauscht, verschätzt

4. Juni 2010, 19:12
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Nicht immer ist ein Konflikt, den wir als solchen annehmen, auch tatsächlich einer

Es geht vorwärts. Jetzt gibt es schon eine Elektro-Vespa. Das haben wir selbstverständlich bereits berichtet. Wir haben die Innovation, das typische Knattern durch ein freundliches Surren zu ersetzen, freilich der Initiative einiger Studenten zugeschrieben, die, so konnte man es herauslesen, in ungezwungener Schaffenskraft an einem solchen Roller herumgeschraubt haben. - Tatsächlich ging die Initiative zu diesem Umbau von der Energie Steiermark aus. Umgesetzt wurde die Elektrovariante von der auf den Umbau von Fahrzeugen spezialisierten Firma Holzer in St. Ruprecht bei Weiz in der Steiermark. Mit diesem E-Roller kommt man 100 Kilometer weit, schafft Steigungen bis zu 24 Prozent und erreicht 45 Kilometer pro Stunde Höchstgeschwindigkeit.

Nicht immer ist ein Konflikt, den wir als solchen ausnehmen, auch tatsächlich einer. In einem hunderte Millionen Euro teuren Bauvorhaben steckt zwar, wie der gelernte Österreicher erahnt, viel Potenzial, im gegebenen Fall waren wir jedoch vorschnell. Wir schrieben anlässlich der Grundsteinlegung für den Neubau des 220 Meter hohen Zwillingshochhauses der EZB in Frankfurt am Main von einer gewissen Uneinigkeit über die Baukosten. Als belegt führten wir Schätzungen von 500 sowie 850 Millionen Euro an. Richtig ist, dass sich die EZB darauf festgelegt hat, dass das vom Wiener Architekturbüro Coop Himmel(b)lau geplante Hochhaus nicht mehr als 500 Millionen Euro kosten darf. Was kein Widerspruch zu den Gesamtkosten von 850 Millionen Euro ist: Das Areal muss erst bereitgestellt und erschlossen, die darauf stehende und unter Denkmalschutz gestellte ehemalige Frankfurter Großmarkthalle - die größte stützenfrei überspannte Eisenbetonhalle der Welt - renoviert und in den Neubau eingebunden werden.

Nicht ganz geglückt war auch die Präsentation eines Fundstücks auf unserer Bücherseite im Album der Vorwoche. Herbert Tichys Afghanistan von 1940 ist in einer Neuauflage erschienen, berichteten wir erfreut - und zeigten das alte Buchcover. Nur in der Neuauflage findet sich allerdings eine Analyse von Gudrun Harrer, die den Bogen von 1940 in die Jetztzeit schlägt.

Da wir nun im Heute angekommen sind, müssen wir uns sogleich den aktuellen Spargedanken widmen. Zuletzt wurde Wifo-Chef Bernhard Felderer mit dem Hinweis zitiert, in Österreich werde alles vom Wohnbau bis zum Fußballverein gefördert, da sei viel Sparpotenzial drin. Daran gibt es nur zu korrigieren, dass Bernhard Felderer Direktor des Instituts für Höhere Studien (IHS) ist. (Otto Ranftl, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 05.06.2010)

 

 

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