Der Kampf um Basel III

4. Juni 2010, 19:05
3 Postings

Politik will Eigenkapitalvorschriften später umsetzen

Wien - Wer die Neuordnung der Finanzwelt anspricht, meint die Basel-Reform. Denn während Deutschland mit dem Verbot von ungedeckten Leerverkäufen kurzfristig vorgeprescht ist, arbeiten in der Schweiz die Mitglieder des Basler Ausschusses an der Strukturreform für die globale Finanzwelt. Die Experten der Bank für internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) schaffen das Regelwerk Basel III, das mit Eigenkapitalvorschriften, höheren Liquiditätsreserven und Schuldengrenzen für Geldinstitute ab 2012 auf neue Beine gestellt werden soll. Doch die Reform beinhaltet viel Zündstoff, da sie eine massive Belastung für viele Banken bringen wird. Die G-20 sollen sich daher aufgrund von Uneinigkeiten über Details der Basel-III-Regeln darauf verständigt haben, die Reform erst nach 2012 umzusetzen. So hat sich etwa der US-Finanzminister Timothy Geithner für ausreichende Übergangszeiträume ausgesprochen.

Der wichtigste Baustein im Basel-III-Gerüst sind höhere und vor allem strengere Kapitalvorschriften. Eigenkapital soll künftig strengere Voraussetzungen erfüllen, um regulatorisch zugelassen zu werden. Laut Alessandra Mongiardino von der Ratingagentur Moody's "ist es klar, dass Banken mit wichtigen Investmentbanking-Aktivitäten am negativsten getroffen werden" . Darüber hinaus werden wohl gerade einige europäische Banken, und insbesondere auch österreichische Institute, deutlich höhere Kapitalerfordernisse haben. Der Effekt:Banken müssen bis zur Basel-Einführung mehr Eigenkapital, etwa in Form von Aktien, begeben oder ihre Bilanzen gesundschrumpfen.

Die Finanzinstitute wehren sich gegen Basel III. Zwar stehen die Details der Regeln erst mit Jahresende fest, doch bereits jetzt warnen die Institute vor den volkswirtschaftlichen Folgen. Bankenvertreter befürchten hohe Wachstumsverluste als Folge der strengen Eigenkapitalrichtlinien. Jean-Laurent Bonnafé, Banker von BNP Paribas, warnte etwa, das Wachstum in Europa könnte bei der Umsetzung um sechs Prozentpunkte über fünf Jahre gesenkt werden. BIZ-Ökonom Stephen Cecchetti kritisierte in der Financial Times die Schwarzmalerei der Banken. Die BIZ rechnet mit einem Fünftel des Effekts.

Basel verzerrt Wettbewerb

Eine praktische Frage ist, ob bei dieser Basel-Reform auch die USA mitziehen werden. Zwar beeinflussen die Amerikaner den Entstehungsprozess, doch auch Basel II ist bis heute nicht in den USA in einen Gesetzestext übersetzt worden. Basel III werde den Wettbewerb daher deutlich verzerren, befürchten Kritiker. Es verwundere daher nicht, so Barclays-Analyst Simon Samuels, dass mehr als die Hälfte der Änderungswünsche zur Basel-Reform von Europas Banken kamen. Die Basel-Reform wird daher bis Jahresende auch auf Ebene der G-20 stärker koordiniert werden müssen. (Lukas Sustala, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 5./6.6.2010)

Share if you care.