Seltsame Niederländer

4. Juni 2010, 19:15

Ein europäischer Kleinstaat mit hohem Wohlstand - wie Österreich

Die Niederlande sind ein europäischer Kleinstaat mit hohem Wohlstand - wie Österreich. Sie sind politisch eher konservativ - wie Österreich. Sie haben einen entwickelten Sozialstaat - wie Österreich. Sie haben einen hohen Anteil an "Ausländern", davon sehr viele Muslime - wie Österreich. Und sie haben einen Rechtspopulisten mit extremen antimuslimischen Ansichten, der ziemlich erfolgreich ist - wie Österreich.

Ein mehrtägiger Informationsbesuch knapp vor den Parlamentswahlen, die nächsten Mittwoch stattfinden, zeigt aber, dass es doch einige verblüffende (Mentalitäts-)Unterschiede gibt, die nachdenklich machen im Vergleich mit Österreich.

Bis vor kurzem war die politische Diskussion in den Niederlanden von der Furcht geprägt, dass der radikale Rechtspopulist Geert Wilders mit seiner Partei, die unter anderem für eine "Kopftuchsteuer" eintritt (die genaue Übersetzung seines Begriffs lautet abwertend "Schädelfetzensteuer"), enorm gewinnt. Manche Umfragen sahen ihn sogar schon als Nummer eins im Parteiengefüge.

Tatsächlich dürfte Wilders die Zahl seiner Parlamentssitze von neun auf 17 oder 18 (bei insgesamt 150 im niederländischen Parlament) verdoppeln. Aber er fällt in den Umfragen stark zurück, und er wird wohl bei der kommenden Koalitionsbildung (die Niederlande haben eine ziemlich zersplitterte Parteienlandschaft) keine Rolle spielen.

Der Fokus des Wahlkampfes hat sich nämlich dramatisch verschoben. Die Debatte wird nicht mehr vom Multi-Kulti-Islam-Ausländer-Kriminalitäts-Problem beherrscht, sondern von der Finanzkrise und ihren Auswirkungen.

Und das wiederum hat zur Folge, dass praktisch alle Parteien mehr oder minder für Einschnitte im Sozialstaat zur Bewältigung der Staatsschuldenkrise sind; und dass die Partei, die am konsequentesten für Budgetkürzungen eintritt, in den Umfragen enorm zugelegt hat und möglicherweise den Premierminister stellt.

Es ist die rechtsliberale VVD ("Volkspartei für Freiheit und Demokratie"), der auch die bekannte EU-Wettbewerbs-Kommissarin Nellie Kroes (und Geert Wilders!) entstammen. Der neue Parteichef Mark Rutte möchte 20 Milliarden Euro im Sozialbudget einsparen. Da kommen praktisch alle Parteien und vertreten eine Politik, die in Österreich als "neoliberal" gebrandmarkt würde (die Ausnahme sind typischerweise die Rechtspopulisten von Wilders und eine kleine linke Partei), und es schadet ihnen nicht.

Wie ist das zu erklären? Der Politologe Professor Kees Aarts, der eine große Wählerstudie erarbeitet hat: "Die Leute erkennen, dass alte soziale Rechte aufgegeben werden müssen, damit wir eine wettbewerbsfähige und wohlhabende Gesellschaft bleiben können."

Der Journalist und Universitätslektor Paul Scheffer, der vor zehn Jahren von der liberalen Seite her die "Multi-Kulti-Illusion" sprengte, sagt: "Natürlich sind die Probleme mit den Ausländern nicht verschwunden. Aber jeder hier weiß, dass es jetzt darum geht, einschneidende wirtschaftliche Reformen zu machen." Seltsame Niederländer. (Hans Rauscher, DER STANDARD, Printausgabe, 5./6.6.2010)

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Henrikus Plaquitus Beruf Zahntechniker
10
10.6.2010, 09:13
Wieso unsere primitiven Trotteln glauben ja auch den Strache alles!

Normal gehören dem Versager höchstens die Stimmen der NAZIs zirka 3, 4%!
Aber ich freue mich schon über die Jammerei und wenn er wieder aus dem Gespräch ist der Volldodel!

Ein herzliches kärnterisches Kickl an alle

Sturmwind
00
Fällt zurück ...

soso ...

farbrauschen
02
ganz wichtig wär aber,dass zuerst die wirklich fetten sozialschmarotzer ausgehungert werden. die,die lang, lang fetten profit gemacht haben

und jetzt auf staatskosten "gerettet" werden

und alle die,
die cremig-satt bei den blitzsauberen (um nicht zu sagen: grasserblitzenden) privatisierungsdeals mitgeschnitten haben,
wenn auch
auf grund hervorragender persönlicher qualifikationen,
wie zum beispiel
"trauzeuge-des-finanzministers-sein-und-eine-klitzekleine-zahl-rechtzeitig-um-einen-hohen-millionenbetrag-an-zahlungskräftige-wirtchaftskomplexe-verkaufen-und-solang-es-geht-auch-nicht-versteuern".

und vorher auch noch sämtliche steuerzahlerfinanzierten wahlkampfbudgets ersatzlos streichen.
würde das landschaftsbild augenblicklich optisch aufwerten (wir haben ja dauernd wahlkampf, es ist schon echt fad..).

und es würd sich blitzschnell erfreulich viel zusammenläppern...

celiz
00

Die Niederlande sind doppelt so groß und halb so klein wie Österreich, wenn ich das jetzt mal so sagen kann ;-)

Marie Sandoz
00
Schon die Tatsache, wie

Wilders vor Attentätern geschützt werden muss, zeigt, dass seine Kritik auf weiten Strecken fundiert ist.

magkeinelinken
00
so sollts gehen

Der Staat zieht sich aus allem zurück, was nicht hoheitsrechtliche Aufgaben sind, also aus ÖBB, Asfinag, Post usw. setzt einen Mindestlohn von evtl. 2000 € bto. durch, und dann kommt eine Flat Tax mit 20% und ab EK von 500.000 € p.A. 25% und Soialversicherung 15% für alle ohne Höchstbemessungsgrundlage (sozusagen Solidaritätszuschlag), und da ohne Ausnahmen. Wetten daß die Staatsschulden balt herunten wären.

farbrauschen
00
gerade verkehrsvernetzung, infrastruktur sollten aber hoheitsrechtliche aufgaben sein.


die zerschlagung des öffentlichen verkehrs ist eine katastrophe.
denn wenn öbb"management" nach der zerschlagung in minibetriebe aufs fünffache aufgestockt wird, teuer, mit wirtschaftskapazundern wie z.b.hr.huber (dessen frau zufällig d i e immobilienfirma führte, die seinerzeit den zuschlag bekam), und der steuerzahlergeld hochriskant angelegt und selbstverständlich verloren hat (ist ja eh nicht seins gewesen, und er ist golden-hand-geshaked worden, das tut nicht gar so wahnsinnig weh...),
heißt das nur, dass mit der teilung den "richtigen" leuten der filetierungsprofit ermöglicht werden sollte.

fehlt nur noch,
dass auch wasserversorgung nimmer "hoheitsrechtliche" aufgabe ist.
denn auch da ließe sich für einige wunderbar absahnen...

Alpenguru
23
Spinnen jetzt alle?

Das einzige das den Herrschaften einfällt ist: Sozial abbau, Sozialabbau und wieder Sozialabbau.
Auch gestern bei Maischberger , betraf zwar DE
aber der Gleiche Müll: Dem Herren Hans-Olaf Henkel ( ehem.IBM) fällt nix gescheiteres ein als massive Einsparungen bei Pensionen und Hartz iV (!) zu verlangen. Und gleich auch noch die Steuerbegünstigung für Sonntagsarbeit weg. Mann! Wo sind die Milliarden welche unfähiger Manager und hasardierende Banker in die Luft geblasen haben und die wir nun berappen dürfen?
Schön langsam wird mir schlecht wenn ich jemand von dieser Mischpoke salbadern höre.

Und der Rauscher trabt schön mit, mit dem Strom. Ekelhaft!

F F
00

Die Chinesen zeigen uns wie es geht, zum Beispiel Foxconn, Freunde das ist die Zukunft

FMGD
13

Ich bin für eine Fetzenschädelsteuer - gibts genug in Ö

wos waas i
01

was soll der staat mit soooo viel geld?

Nik M
05
Die Massnahmen, die teuer waren in Oe

seit 1990 waren gezaehlte 3 Lohn- und Einkommensteuerreformen, jedes Mal massive Steuersenkungen fuer die oberen Einkommen, das Streichen von Erb- und Schenkungssteuer, die EF, und, last not least, das Bankenpaket - eine staatliche Finanzspritze, damit die Praemien fuer gescheiterte Investmentbanker auch weiterhin alle in Stauen versetzen koennen.

Der Sozialstaat hingegen wurde mehr oder weniger im gleichen Mass reduziert. Nicht mehr lang, und die USA ueberholen Oe bezueglich sozialer Absicherung.

Was wollen sie eigentlich noch, Herr Rauscher? Sollen die Armen Oes Blut spenden gehen fuer die Oberschicht? Mehr ist ihnen naemlich nicht geblieben.

Durch Blick
01

Dann soll Österreich mir die Möglichkeit bieten, dass ich mich täglich zukiffe, dann sind mir die sozialleistungen auch egal :P

F F
00

Vielleicht sind die Niederländer wegen dem Kiffen so seltsam, anders ist die Befürwortung eines Sozialabbaus nicht zu erklären

Durch Blick
00

Befürworten sie's, oder ist es ihnen egal? Darauf kommt's an beim Kiffen :P

keine/r
00
Schädelfetzensteuer

Was wohl die Stiftung "Kledertrachten Volendam" davon hält?

franz der freie
 
63
zum x-ten mal:

ein staat kann so sozial sein, wie er bezahlen kann. sozialleistung auf pump wird es nicht mehr geben. kein land der welt kauft anleihen eines staates, der seine ausgaben (soziales) nur mehr mit schulden finanziert. mit besteuern der "reichen" geht es auch nicht. wenn es denen zu viel wird, zieht die karawane einfach weiter, über nacht. zurück bleiben die geifernden köter. es wird die zeit kommen, wo bestimmte leistungen nur mehr von der familie kommen, oder gar nicht mehr. schwer vorstellbar, aber sicher.

frank franki
05

ich bin auch dafür, dass es sozialleistunge auf pump für die banken und unternehmen nicht mehr geben soll...

Durch Blick
13

Geld, welches steuerfrei in Privatstiftungen geparkt ist, kann ruhig abwandern...

Miss Deutung
02

Wie kann jemand, der Vermögenssteuer für sein inländisches Immobilieneigentum zahlt, steuerlich "abwandern"?

Poldi Fesch
00
er wirds verkaufen,

was die Immobilienpreise zebroeseln laesst u. jeder, der sich eine Eigentumswhg, zum WOHNEN, auf Kredit finanziert, steht ploetzlich ohne Sicherheit da, das kann passieren

farbrauschen
00


wenn er es verkauft,
heißt das doch nur,
dass
jemand anderer
es dann kauft.
und dann zahlt halt der die steuern.

also keine panik.

Poldi Fesch
00
ja, aber der

andere zahlt deutlich weniger. Er musz ja die Steuer hereinbringen. Statt 200 zahlt er 100, was das Steueraufkommen senkt, es muszten also die Steuern angehoben werden, usw. usw,

F F
00
Ach Poldi

Aber niedere Immobilienpreise würden eine Eigentumswohnung erschwinglicher machen

Poldi Fesch
10
na, nicht dasz

das so wenige sind, die in einer wohnen

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