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Wer glaubt, aus dem Bauch heraus selbst bestimmen zu können, was auf seinem Teller landet, irrt. Diese süße Last der Entscheidung nehmen einem Supermärkte ab: Sie beschränken sich nicht auf den Handel, sondern greifen in die Produktion ein. Da werden Direktverträge mit hunderten kleinen Bauern abgeschlossen, Einsichten in die Kalkulationen der Lebensmittelhersteller genommen und Rohstoffquellen wie Rezepturen gleich fix vorgegeben. Der Handel will alles aus einer Hand, am liebsten aus der eigenen, und Lieferanten, die nicht spuren, fliegen raus. Das alles diene allein der Qualitätskontrolle, beschwichtigt Rewe und diktiert Konsumenten, was Bio ist und was nicht. Das Vertrauen in Handelsketten, von denen in Österreich gerade einmal drei den Markt beherrschen, muss grenzenlos sein. Andernfalls sollte einem bei so vielen Abhängigkeiten und solchem Machtgehabe unwohl werden.
Österreich ist bei Lebensmittelqualität einer der Vorreiter in Europa, doch das ist nur bedingt das Verdienst sprechender Bioschweindln. Nichts gegen faire Kooperationen zwischen Handel und Industrie. Legen sich die beiden aber in ein Bett, lässt sich vieles unter die Tuchent kehren - ein Lebensmittelskandal etwa. Kommt er dann doch ans Licht, reißt die schöne durchgängige Kette der Qualitätssicherung und zieht Hersteller wie Händler mit sich. Der Handel soll kontrollieren und prüfen, was in seiner Macht steht.
Aber als Bauer und Produzent ist er unglaubwürdig. (Verena Kainrath, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 5./6.6.2010)
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